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MRGN-Keim am Campus Kiel des UKSH 

Fragen und Antworten

Worum handelt es sich bei dem Erreger Acinetobacter baumannii?

Es handelt sich um den gramnegativen Erreger Acinetobacter baumannii, der zur Gruppe der sogenannten „Nonfermenter“ gehört und ubiquitär, d.h. theoretisch überall in der Umwelt vorkommt. In Westeuropa und den USA werden etwa zwei bis zehn Prozent der nosokomialen Infektionen (insb. intensivmedizinisch) durch Acinetobacter verursacht. In Osteuropa, Südamerika, Afrika und Asien sind die Zahlen auch höher beschrieben. Der Ausbruchsstamm ist gegen verschiedene Antibiotika resistent geworden und wird somit als sogenannter „4MRGN“ klassifiziert.

Wie wird der Erreger übertragen?

Die Übertragung erfolgt vorwiegend über direkten Kontakt und Eintrag in den Körper, unter bestimmten Umständen auch aerogen, d.h. über die Luft (z.B. bei einem Patienten mit einer durch A. baumannii verursachten Lungenentzündung oder an Staub gebunden in die Umgebung). Eine Übertragung durch die Luft bei einer reinen Besiedlung der Haut findet nicht statt, der Keim „springt“ nicht von Patient zu Patient.

Wie gefährlich ist eine Ansteckung mit A. baumannii?

Es muss immer zwischen Besiedlung und Infektion unterschieden werden. Für gesunde Menschen ist der Erreger nicht gefährlich. Für immunschwache Menschen oder schwerkranke Patienten auf Intensivstationen besteht das Risiko einer Infektion, z.B. Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Blutvergiftungen.

Gibt es eine Therapie gegen den Erreger?

Die Therapie erfolgt nach Antibiogramm, d.h. nach einer Antibiotika-Resistenzbestimmung. Der aktuelle Ausbruchsstamm kann mit dem Antibiotikum Colistin therapiert werden.

 

Kann ich mich bei einem Besuch auf dem Gelände des UKSH anstecken?

Nein. Sämtliche betroffenen Bereiche des Klinikums sind isoliert und gesondert gekennzeichnet. Ein Betreten des Campus Kiel ist gefahrlos möglich.

Kann ich mich beim Besuch eines Angehörigen anstecken, bei dem der Keim nachgewiesen wurde?

Beim Besuch von Angehörigen, bei denen der Erreger nachgewiesen wurde, ist die Basishygiene und die Schutzmaßnahmen für isolierte Patienten einzuhalten. Dazu gehören das Tragen der vor Ort vorgehaltenen Schutzkleidung (Haube, Mundschutz, Kittel, Einmal-Handschuhe) sowie die gründliche Händedesinfektion. Diese Maßnahmen werden vom Pflegepersonal beaufsichtigt.

Kann ich als Mitarbeiter durch die Arbeit auf einem der betroffenen Bereiche meine Familie anstecken?

Wenn beim Umgang mit dem besiedelten Patienten strikte Basishygiene und die Schutzmaßnahmen für isolierte Patienten eingehalten werden, kommt es nicht zur Übertragung des Keims und damit auch nicht zur Weitergabe an Familienangehörige.

Besteht für mich als Mitpatient eine Gefahr der Ansteckung?

In die betroffenen Bereiche werden keine weiteren Patienten aufgenommen, die Stationen sind isoliert und gekennzeichnet. Stationsbereiche mit besiedelten Patienten werden nach Verlegung der besiedelten Patienten vollständig desinfiziert und erst nach Freigabe durch die ZE Hygiene wieder in Betrieb genommen.

Sollte ich mich als Mitarbeiter, Mitpatient oder Angehöriger untersuchen lassen?

Nein, das ist nicht notwendig. Beim Personal wurde bisher eine dauerhafte Kolonisation nicht nachgewiesen. Bei Einhaltung der Basishygienemaßnahmen ist eine Übertragung nicht möglich.

Welche Beschwerden weisen auf eine Ansteckung mit dem Erreger hin? Gibt es Frühsymptome?

Spezifische Frühsymptome, die auf eine Infektion mit A. baumannii hinweisen, gibt es nicht. Bei aufgrund einer schweren Grunderkrankung immungeschwächten Menschen kann der Erreger typischerweise Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen oder Wundinfektionen auslösen.

Wie lange hält sich der Keim bei mir, wenn ich besiedelt bin?

Der Erreger gehört nicht zur normalen residenten Flora weder der Haut noch der Schleimhäute von normalen gesunden Menschen. Selbst im Fall einer Besiedlung wird die normale Standortflora den Keim binnen kurzer Zeit wieder verdrängen. Der Ausbruchsstamm hat durch seine Multiresistenz einen zusätzlichen Selektionsnachteil, da er sich deutlich langsamer vermehren kann als die übrigen Keime der Standortflora. Im menschlichen Darm kann der Keim hingegen auch längerfristig überleben, auch ohne dass er in nachweisfähiger Häufung auftritt. Da er für gesunde Menschen keinerlei Gefahr darstellt, geht von besiedelten Menschen im Alltag aber keinerlei Gefahr aus. Bei einer späteren Krankenhausaufnahme sollten Patienten, bei denen der Keim einmal nachgewiesen wurde, auf diesen Sachverhalt hinweisen.

Was bedeutet eine Besiedlung für mich langfristig?

Aussagekräftige Daten bzgl. einer längerfristigen Besiedlung mit A. baumannii sind in der Literatur bisher nicht vorhanden. Bei einer Besiedlung nur der Haut lässt sich die Keimlast durch regelmäßige Waschungen mit Octenisept wahrscheinlich reduzieren. Bei einer Besiedlung des Darmes kann es sein, dass diese langfristig erhalten bleibt.

Auf jeden Fall sollten Sie bei einem zukünftigen stationären Aufenthalt angeben, dass Sie mit dem Ausbruchsstamm besiedelt oder infiziert sind oder waren. Die Unterbringung soll dann ein einem Ein-Bett-Zimmer erfolgen, es werden erneute Screening-Abstriche durchgeführt (s.o.).

Wie ist der Keim ins UKSH gelangt?

Es ist davon auszugehen, dass der Ausbruchsstamm von einem Patienten, der zuvor in der Türkei aufgrund einer anderen schweren Erkrankung stationär behandelt wurde, ans UKSH in Kiel übertragen wurde. Nachdem der Erreger bei diesem Patienten nachgewiesen worden war, wurden alle notwendigen Isolierungs- und Hygienemaßnahmen eingeleitet und das Gesundheitsamt Kiel informiert. Weitere Kontaktpatienten wurden ebenfalls per Screening untersucht und bei positivem Nachweis isoliert.

Warum wurden die Zahlen der Betroffenen erst nach und nach präzisiert?

Patienten, die möglicherweise mit dem Keim in Berührung gekommen sein könnten, werden laufend und mehrfach einem Screening unterzogen. Die Laboruntersuchung, ob ein positiver Keimnachweis vorliegt, nimmt jedoch einige Tage in Anspruch. Daher werden die Zahlen von UKSH in täglichen Lagebesprechungen aktualisiert.

Wäre eine Ausbreitung des Keims vermeidbar gewesen?

Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) weist darauf hin, dass „trotz der konsequenten Einhaltung von erweiterten Hygienemaßnahmen und Einzelpflege […] angesichts der Komplextherapie moderner Intensivmedizin das Risiko einer Erregerübertragung […] nicht vollständig ausgeschlossen werden“ kann. International zahlreich dokumentierte Ausbrüche mit Acinetobacter baumannii hätten zudem gezeigt, dass auch bei optimaler Einhaltung von Hygienemaßnahmen solche Ausbrüche oft nur schwer zu einzudämmen sind. Für Deutschland sind die wissenschaftlich belegten Eigenschaften und Maßnahmen in der Richtlinie des Robert-Koch-Instituts (RKI) zum Umgang mit MRGN aufgeführt.

Welche Maßnahmen hat das UKSH ergriffen?

Das UKSH hat umfangreiche Isolierungs- und zusätzliche Hygienemaßnahmen eingeleitet und das Gesundheitsamt Kiel sowie das zuständige Ministerium informiert. Mögliche Kontaktpatienten wurden und werden ebenfalls per Screening untersucht und bei positivem Nachweis isoliert. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie besteht keinerlei Anlass, als Ursache für das dortige Geschehen „Hygienemängel“ oder sonstige Fehler in der Krankenversorgung zu vermuten. Die Gesellschaft bescheinigt dem UKSH, insbesondere durch die Anwendung erweiterter Mittel des Ausbruchsmanagements entsprechend anerkannter Richtlinien das derzeit Erforderliche zu tun, um die aktuelle Situation effektiv zu beherrschen.

Wie wird das Screening am UKSH auf A. baumannii durchgeführt?

Im UKSH wird gemäß KRINKO-Empfehlung auf MRGN gescreent, bekannt MRGN-positive Patienten werden in Risikobereichen sofort isoliert, 4MRGN auch auf Normalstationen. Bei Patienten aus Ländern mit bekannt hohem Vorkommen von multiresistenten Erregern wird auf verschiedene multiresistente Erreger gescreent und isoliert.

Außerdem werden Patienten, die mit einem mit dem aktuellen Ausbruchsstamm besiedelten oder infizierten Patienten im gleichen Zimmer liegen oder lagen, als  Kontaktpatienten gescreent. Dies beinhaltet Abstriche von trockenen und feuchten Hautbereichen, des Nasen-Rachenraumes, potentiell vorhandener Wunden, Bereiche um Kathetereintrittsstellen herum sowie einen tiefen Rektalabstrich. Das Screening wird drei Mal im Abstand von je einer Woche wiederholt.

Wie verhalte ich mich gegenüber Patienten, die besiedelt sind oder waren und entlassen wurden?

Der Umgang mit Patienten, die mit dem aktuellen Ausbruchsstamm von A. baumannii (4MRGN) besiedelt sind, bedarf im häuslichen Umfeld keiner besonderen Maßnahme. Dieser Erreger hat aufgrund seiner Multiresistenz im Krankenhausumfeld einen Selektionsvorteil, im normalen häuslichen Umfeld jedoch einen Selektionsnachteil (siehe oben). Die normale Flora der Haut und Schleimhäute wird in wenigen Tagen wieder hergestellt sein.

Bei der Pflege von mit A. baumannii besiedelten Wunden sind seitens des Pflegepersonals Basishygienemaßnahmen (wie bereits in FAQs beschrieben) einzuhalten und verwendete Materialien (Verbandsmaterial, etc.) sicher und verschlossen zu entsorgen.

Kann ich meine geplanten Ambulanztermine am UKSH wahrnehmen?

Selbstverständlich. Die mit A. baumannii besiedelten oder infizierten Patienten sind streng isoliert, die entsprechenden Bereiche sind gesondert gekennzeichnet. Es besteht keine Gefahr der Übertragung dieses Erregers auf dem restlichen Gelände des UKSH.

Kann ich meine geplanten stationären Termine am UKSH wahrnehmen?

Ja. Bitte nehmen Sie jedoch mit Ihrer Klinik im Vorfeld Kontakt auf, wenn bei Ihnen ein großer chirurgischer Eingriff mit vermutlichem Aufenthalt auf einer Intensivstation geplant sein sollte, da zur Zeit noch nicht alle Intensivbetten belegt werden können.

Bei weiteren Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Jutta-Andrea Hollstein, Patienteninformationszentrum Kiel,
Tel.: 0431 597-5976, E-Mail: Jutta-Andrea.Hollstein@uksh.de

Helga Gerhart, Beschwerdemanagement,
Tel.: 0431 597-5858, E-Mail: beschwerdemanagement.kiel@uksh.de

Oliver Grieve, Pressesprecher,
Tel.: 0431 597-5544, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

Weitere Informationen auch unter
Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung