Chronik

1793 - 1842 Die ersten Professoren für Chirurgie in Kiel

Medizinische Lehre ist an der Christian-Albrechts Universität zu Kiel bereits seit 1783 belegt, als Georg Heinrich Weber, Professor der Medizin und Botanik und Johann Leonhard Fischer, Professor der Chirurgie und Anatomie die ersten zwei Studenten ausbildeten. Dabei war der Beruf des Chirurgen nicht immer ein angesehen und geschätzt. Operationen wurden damals von Badern und Wundärzten ohne akademische Ausbildung vorgenommen. Erst Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass neben der handwerklichen Erfahrung auch medizinisches Fachwissen für den Patienten von Vorteil sei! 1793 wurde daher der Lehrstuhl für Chirurgie mit Johann Leonhard Fischer (1760-1833) besetzt, der in der damaligen Zeit als wahres "mechanisches Genie" bezeichnet wurde. Durch Gründung der Akademischen Heilanstalten wurde auch zu dieser Zeit schon Unterricht am Krankenbett durchgeführt. Im weiteren Verlauf wurde 1842 Bernhard von Langenbeck (1810-1888) mit 32 Jahren Ordinarius der Klinik, eine herausragenden Persönlichkeit in der Chirurgie und Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie 1872. Durch ihn wurde das Fach Chirurgie und die Christian-Albrechts Universität überregional bekannt. Ihm folgte Friedrich Louis Stromeyer (1804-1876), einer der Mitbegründer der damaligen Kriegschirurgie.

 

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Bernhard von Langenbeck kurz nach Antritt seines Ordinariats in Kiel 1842

 

 

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Die Gründung der deutschen Gesellschaft für Chirurgie 1872

 


 

1854 - 1899: Friedrich von Esmarch und seine Schüler

Als junger Schüler von Langenbeck und Strohmeyer übernahm Friedrich von Esmarch 1854 den Lehrstuhl der chirurgischen Klinik. Er veröffentlichte u. a. ein Standardwerk für die Kriegschirurgie mit dem Titel "Handbuch der kriegschirurgischen Technik (1877)" und beschrieb den auch heute noch angewandten Esmarchen-Heibergschen Handgriff in der Behandlung von Ohnmächtigen. Insgesamt leitete Esmarch die Chirurgie in Kiel 45 Jahre, wobei einige seiner Schüler wie z.B. Gustav Neuber (1850 - 1932) sowie August Bier (1861 - 1961) internationalen Ruhm erlangten. Während dieser Zeit wurde das Akademische Krankenhaus 1862 für 200.000 Reichsmark errichtet. Nach der Emeritierung Esmarchs leitete Heinrich Helferich (1851-1905) für 9 Jahre die Klinik. In dieser Zeit wurde das damalige Standardwerk der Unfallchirurgie mit dem Titel "Atlas und Grundriss traumatischer Frakturen und Luxationen" veröffentlicht.

 

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Friedrich von Esmarch um 1890

 

 

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Das Akademische Krankenhaus 1865


 

1908 -1938 Die Periode Willy Anschütz

Willy Anschütz (1870 - 1954) führte die Klinik durch die schweren Jahre des Ersten Weltkrieges und der Weltwirtschaftskrise. Neben seiner hervorragenden chirurgischen Fähigkeiten war er ein vorbildlicher Lehrer für seine Assistenten und Schüler, was ihm den Titel "Vater der Studenten" einbrachte. Aufgrund der damaligen großen materiellen Nöte hatte Anschütz sich mit großem Engagement den Studenten zugewandt und 1921 die Schleswig-Holsteinische Studentenhilfe gegründet. 1938 gab er sein Lehramt auf.

 

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Willy Anschütz (1870-1954) im Jahr 1933


 

1938 bis 1963 Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau

1939 übernahm Albert Wilhelm Fischer (1892-1969) das Ordinariat der chirurgischen Klinik, die durch Bombenangriffe schwer zerstört wurde und auf Außenstationen in Haffkrug, Neustadt und Schleswig ausgelagert wurde. Ein ihn international bekannt machendes Verfahren war die von ihm eingeführte Doppelkontrastuntersuchungsmethode des Darmes. Dieses Untersuchungsverfahren wird noch heute angewendet. Mit Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Dritten Reiches verlor Fischer seinen Lehrstuhl in Kiel; Robert Wanke (1896-1962) wurde 1946 in die Position versetzt und leitete die Kieler Klinik bis 1962.


 

1963 - bis heute

Berthold Löhr übernahm 1963 den Kieler Lehrstuhl für Chirurgie. Während seiner Amtszeit wurde die Abteilung Herz- und Gefäßchirurgie (1972), die Abteilung für Urologie (1974) und die Abteilung für Unfallchirurgie (1978) neu geschaffen.

1978 wurde Horst Hamelmann ordentlicher Professor für Chirurgie, nachdem er bereits 9 Jahre als Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik tätig war. Im Jahre seiner Berufung nach Kiel erfolgte der erste Spatenstich zum Neubau der chirurgischen Universitätsklinik. Sie wurde 1986 feierlich eingeweiht.

Am 1. Februar 1992 wurde Bernd Kremer des Universitätsklinikums Hamburg als Ordinarius für die Klinik für Allgemeine Chirurgie und Thoraxchirurgie berufen und war bis 2009 Direktor der Klinik. Unter seiner Leitung wurde u. a. die Lebertransplantationschirurgie in Kiel etabliert. Nach Fusionierung der Universitätsklinika Kiel und Lübeck zum Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK-SH) wechselte er in die Position des Vorstandes und wurde seit 2005 von Fred Fändrich ständig vertreten. Dieses hatte eine Umstrukturierung der Klinik zur Folge, in der die Sektion für Thoraxchirurgie gegründet wurde.

Am 1. November 2010 übernahm Thomas Becker die Verantwortung als neuer Direktor der Klinik für Allgemeine Chirurgie und Thoraxchirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UK S-H) am Campus Kiel. Mit dem renommierten  Transplantationsmediziner und Krebschirurgen Prof. Dr. Thomas Becker gewann das UK S-H eine weitere Kapazität von Weltruf für die Gesundheitsversorgung im Land. Er gilt als einer der führenden Spezialisten für Lebertransplantationen.

Zuvor war Prof. Becker in leitender Funktion an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) tätig. Prof. Becker ist Experte für onkologische Viszeralchirurgie und Transplantationschirurgie und steht für die fachübergreifende Vernetzung klinischer Disziplinen.

Seit dem 1. Juli 2012 trägt die Klinik den neuen Namen "Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie".