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Neuroendokrine Tumore und Radionuklidtherapie

Was versteht man unter einem Neuroendokrinen Tumor?

Neuroendokrine Tumoren (sog. NET) des Gastrointestinaltraktes (also der Speisenröhre, des Magens sowie des Dünn- und Dickdarmes), der Lunge und der Bauchspeicheldrüse sind insgesamt seltene Tumorentitäten, die überwiegend sehr langsam wachsen, erst spät entdeckt werden und daher oft einen langen Krankheitsverlauf als andere bösartige Neubildungen aufweisen. Sie werden in gutartige (benigne) oder bösartige (maligne) Tumoren eingeteilt und man unterscheidet ferner entsprechend ihrer „Stoffwechsel-Aktivität“ funktionell aktive oder inaktive NET´s.

Sehr aktive NET´s schütten häufig völlig unkontrolliert Hormone (z. B. Serotonin, Somatostatin, aber auch Insulin oder Glukagon) aus. In der Folge kann es im Rahmen der übermäßigen Hormonausschüttung zu z. T. erheblichen klinischen Beschwerden kommen.

Dazu gehören: Hitzewallungen (sog. Flush-Symptomatik), wiederkehrende und starke Durchfälle, Atemprobleme, Blutzuckerentgleisungen, Magenschmerzen aufgrund von Magen-Darm-Geschwüren oder eher unspezifische Hautprobleme.

Wie sieht die prinzipielle Behandlung von Neuroendokrinen Tumoren aus?

Die Behandlung eines NET ist nun abhängig von mehreren Faktoren, wie u. a. der Tumorgröße mit ggf. nachweisbarem Verdrängen von Organen bzw. sogar Einwachsen (sog. Infiltration) in umgebende Organstrukturen, der Lokalisation sowie der Wachstumsgeschwindigkeit (beschrieben durch einen Proliferationsindex) und wie oben angeführt hinsichtlich der hormonellen Funktionalität.

Haben die bei Ihnen durchgeführten, notwendigen Voruntersuchungen wie Gewebeprobe oder kombinierte radiologisch-nuklearmedizinische Bildgebungsverfahren (z. B. Ga-68-DOTATATE-PET-CT) gezeigt, dass es sich um einen behandlungsbedürftigen Tumor handelt, der aufgrund der Tumoreigenschaften bei Ihnen die beschriebenen Symptome hervorruft, so bestehen prinzipiell mehrere Säulen in der NET-Therapie.

Wenn irgend möglich ist die Operation (evtl. auch Re-Operation) mit angestrebter Total-Entfernung des Tumors die entscheidende Therapiesäule. Häufig ist jedoch der Tumor zum Zeitpunkt der Erstdiagnose aber bereits schon fortgeschritten, sodass eine vollständige Tumorentfernung durch eine Operation nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich ist. Dann existieren mit der sog. Biotherapie mit z. B. Somatostatin-Analoga, Chemotherapie, Strahlentherapie oder nuklearmedizinischen Verfahren wie z. B. Peptid-Radio-Rezeptor-Therapie (PRRT) mit Yttrium-90-Dotatate (Radionuklidtherapie) weitere Therapieoptionen.

Welche Risiken und Nebenwirkungen bestehen während und nach der Therapie?

Die Yttrium-90-Dotatate-Therapie wird in der Regel gut vertragen. Das Blutbild, insbesondere die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten) werden sowohl vor der Yttrium-90-Dotatate-Therapie bei der stationären Aufnahme kontrolliert und sollten im Anschluss engmaschig einmal wöchentlich durch Ihre(n) Hausärztin(-arzt) kontrolliert werden. Erfahrungsgemäß kann es nach der Therapie zu einem Abfall der Thrombozyten- und Leukozytenzahlen mit einem Tiefpunkt nach vier bis sechs Wochen kommen. Dann erfolgt in der Regel eine Blutbilderholung.

Auch wenn sich die Nierenfiltrationsleistung vor der Yttrium-90-Dotatate-Therapie durch die Nierenfunktionsszintigraphie als unauffällig darstellt, kann es zu einem Anstieg der Nierenwerte kommen; dies häufig erst nach drei bis sechs Monaten. Im ungünstigsten Fall kann es im Verlauf nach der Yttrium-90-Dotatate-Therapie auch zu einer ersthaften Einschränkung der Filtrationsleistung der Nieren mit Dialysepflicht kommen.

Im Verlauf der Therapie kann es darüber hinaus sehr selten zu einer Galleablussstörung kommen. Dabei kann neben Hautjucken auch eine mehr oder weniger ausgeprägte Gelbfärbung der Haut (Ikterus) einhergehen.

Wie ist der Ablauf Yttrium-90-Dotatate-Therapie?

1. Tag - Aufnahmetag

Stationäre Aufnahme (ab ca. 10:00 Uhr) mit körperlicher Untersuchung und ggf. Durchführung einer Nierenfunktionsszintigraphie (sofern diese nicht im Vorfeld durchgeführt wurde) sowie erneute Kontrolle der Unterlagen auf Vollständigkeit.

2. Tag - Therapietag

Legen eines peripher-venösen Zuganges in eine oberflächliche Vene im Bereich der Ellenbeuge oder des Unterarmes und anschließen der begleitenden Infusionen (gesamte Infusionszeit ca. 4 Stunden) maßgeblich zum Schutz der Nieren sowie Gabe des radioaktiven Therapeutikums.

3., 4. und 5. Tag (Entlassungstag)

Jeweils im Laufe der Tage nach den morgendlichen Visiten mit Überprüfung des Befindens unter der Peptid-Radio-Rezeptor-Therapie erfolgen Bilddokumentationen mittels Ganzkörperszintigraphien und Schnittbildaufnahmen mittels sog. Niedrig-Dosis-SPECT-CT.

Dabei handelt es sich um ein kombiniertes radiologisch-nuklearmedizinisches Bildgebungsverfahren, welches die von Ihnen ausgehende, rezeptorgebundene radioaktive Strahlung in Form einer sog. Rötgen-Bremsstrahlung aufzeichnet und diese in Bezug zu einer Computertomographie (CT) der jeweiligen Körperregion setzt um die räumliche Verteilung des radioaktiven Medikamentes zu überprüfen und zu dokumentieren.

Ansprechpartner und für Rückfragen zuständig

Bild von Ulf Lützen
PD Dr. Ulf Lützen
Klinik für Nuklearmedizin, Molekulare Bilddiagnostik und Therapie
Komm. Direktor, Facharzt für Diag. Radiologie und Nuklearmedizin, Arzt für Palliativmedizin
Telefon Kiel: 0431 500-16800

 

Kerstin Paetow
Klinik für Nuklearmedizin, Molekulare Bilddiagnostik und Therapie
Assistenzärztin