Der Browser den Sie verwenden ist sehr alt.

Wir können daher nicht sicherstellen, dass jede Funktion (Gestaltung, Bilder und zusätzliche Funktionen) dieser Internetseite im vollen Umfang zur Verfügung steht. Bitte nutzen Sie eine aktuellere Browserversion.
Wir bitten um Ihr Verständnis.
Startseite > Patienten und Eltern > Patienten-/Elternschulungen > Neonataler Drogenentzug

Neonataler Drogenentzug

Der Neonatale Drogenentzug stellt in Zusammenhang mit der steigenden Zahl drogenabhängiger Frauen im gebärfähigen Alter, einen zunehmenden Versorgungsauftrag in der Neonatologie dar.

Leider gibt es keine genauen Zahlen zur Einnahme illegaler Substanzen bei schwangeren Frauen. Laut Schätzungen des Bundesministeriums für Gesundheit haben 19,8% aller 18-59-jährigen Erwachsenen mindestens ein Mal in ihrem Leben illegale Drogen konsumiert. 21,8% in den alten Bundesländern und 11% in den neuen Bundesländern. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung entspricht dies ca. 9,4 Millionen Erwachsenen mit Drogenerfahrung. Männer haben mit 23,4 % noch deutlich mehr Drogenerfahrungen, als Frauen mit 16%. In der Gruppe der jüngeren Erwachsenen (18-39 Jahre) beträgt der Anteil der Personen mit Drogenerfahrung sogar 29,5% (alte Bundesländer 19%). Mehr als ¼ aller bundesdeutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen (12-25 Jahre) hat im bisherigen Leben mindestens einmal Erfahrung mit Drogen gemacht.

In der 12-Monatsprävalenz geben in den neuen Länder mittlerweile 5,2% der 18-59-jährigen bzw. 13% der 12-25-jährigen Erwachsenen an, innerhalb der letzten 12 Monate Drogen konsumiert zu haben.

In der 30-Tage Prävalenz gaben 3,6% der befragten Erwachsenen in den alten Bundesländern und 2,6% in den neuen Bundesländern an, illegale Drogen konsumiert zu haben.

Der Konsum von Heroin und anderen Opiaten wird für die 18-39 jährigen mit 0,5% im Westen und 0,7% im Osten angegeben, in den letzten 12 Monaten von 0,2% bzw. 0,3%.

Neben den inhaltlichen und methodischen Schwierigkeiten bei der Bestimmung des „problematischen“ (Heroin, Methadon, Kokain...) Konsums bestehen spezifische Schwierigkeiten bei der Datenerhebung. Eine Reihe von Untersuchungen zeigt das Konsumenten „harter Drogen“ in Befragungen dazu neigen, lediglich den Konsum „weicher Drogen“ wie Haschisch anzugeben, dagegen aber die Verwendung von Heroin verneinen oder die Konsumhäufigkeit und Dosis nach unten korrigieren.Zahlen aus dem Bereich „Behandlung und Drogentote“ führen zu Schätzungen der Zahl der Konsumenten von Opiaten für Deutschland zwischen 153.000 und 198.000 Personen. Die demographische Methode und eine Hochrechnung aufgrund der HIV-Fälle ergaben mit Werten zwischen 90.000 und 160.000 niedrigere Schätzwerte.Die Problematik der von Sucht und Drogen betroffenen Kinder –auch in der Schwangerschaft- ist eine sehr gravierende Frage, sowohl im sozialen Zusammenhang, als auch für die Kinder und Mütter/Eltern selbst. Die gesamte Frage der Beeinträchtigung und Schädigung durch den Drogen- und Substitutionsmittelkonsum und der jetzt vorherrschenden Problemstellung der Polytoxikomanie auf die kindliche Entwicklung –auch und insbesondere während der Schwangerschaft- ist bisher vernachlässigt worden.

Die Zahl der betroffenen Kinder ist beträchtlich. ¼ der Drogenabhängigen hat Kinder und die Hälfte von ihnen mehr als eines, so dass davon auszugehen ist, dass es etwa 50.000 – 60.000 Kinder in Deutschland gibt die von der Drogenproblematik ihrer Eltern betroffen sind, wobei die wirkliche Anzahl der Abhängigen durch den Dunkelbereich um einiges höher liegt. Überwiegend handelt es sich um alleinerziehende Mütter, deren aktuelle Partner oft auch drogenabhängig sind. Realität ist auch in diesem Zusammenhang, dass es in Deutschland immer weniger eine reine Heroinabhängigkeit gibt, sondern inzwischen eine Polytoxikomanie vorherrscht und ein Mischkonsum getätigt wird, in dem neben Methadon regelmäßig Alkohol, Benzodiazepine und andere Medikamente, auch Heroin, Haschisch, Amphetamine und Kokain konsumiert und übermäßig viel geraucht wird. Die Polytoxikomanie –auch eine Mischung von legalen und illegalen Stoffen- ist die Norm geworden, wobei sich in immer stärkerem Maße parallel eine Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit entwickelt.

Der gesundheitliche Zustand der Frauen ist häufig sehr labil; viele haben Hepatitis C; schon allein der Konsum einzelner Substanzen und der dazugehörige Lebensstil hat schädigende Auswirkungen in der Schwangerschaft mit zum Teil irreversiblen intrauterin erworbenen Schäden und auf die weitere Entwicklung der Kinder, wie z.B. Spontanaborte, Früh und Krisengeburten, neonatalem Drogenentzugssyndrom, Störungen des Wachstum und des Bewegungsapparates, Alkoholembryopathie, Atemwegserkrankungen und Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom. Durch den Mischkonsum verschärfen sich die Komplikationen für die Kinder und Frauen und werden immer unabsehbarer und unkalkulierbarer. Es fällt vor allem auf, dass die Aggressivität und Gewalt durch den begleitenden Alkoholkonsum zugenommen hat und sich besonders schädigend auf die Kinder auswirkt. Die Kinder bekommen bereits intrauterin zu wenig Zuwendung und Aufmerksamkeit. Der Säuglings- und Kindgerechte Lebensrhythmus wird nicht wahrgenommen und eine ruhevolle Atmosphäre fehlt meistens. Ganz einfache Bedürfnisse, wie Essen, Trinken, Schlafen werden nicht richtig gedeutet. Durch den Substanzkonsum werden die Mütter/Eltern zu sehr in ihrer Gemütslage beeinträchtigt und zu passiv, auch depressiv, um mit ihren Kindern ausreichend zu spielen und sie in ihrer altersgerechten Entwicklung zu fördern.

Viel zu oft wird übersehen, dass durch den Konsum von Drogen und sämtlichen Substitutionsmitteln das Wahrnehmungs- und Einfühlungsvermögen und die Gefühlsidentität reduziert und verzerrt sind. Eine Empfindungstaubheit bildet sich, die sehr nachhaltig die innere Strukturbildung und Verhaltensmuster der Kinder in ihrer Entwicklung negativ beeinflusst. Dadurch ist die Beziehung zwischen Mutter/Eltern und Kind gestört. Dies führt oft zu Vernachlässigung, Vereinsamung, Überforderung und Gefährdung der Kinder. Diese Zusammenhänge sind auch die Grundlage für die Entstehung von extremen Schädigungen, die sich oft viel zu lange Zeit unerkannt entwickeln. Auch die Substitution mit ihrem regelhaft hohen Beikonsum erweist sich oft als äußerst problematisch für die kindliche Entwicklung. Auf dem Boden dieser Tatsachen stellt der Drogen- und Suchtmittelkonsum an sich eine Gefährdung der Kinder dar. Die Erziehungsfähigkeit der Mütter/Väter und ihre gesamte Lebensführung ist sehr stark eingeschränkt und durch die Substanzwirkungen bestimmt. Die Kinder haben dadurch ein hohes Basisrisiko für ihre weitere Entwicklung.

Ein Konzept zum neonatalen Drogenentzug kann sich zwangsläufig nicht alleine mit Symptomen des Entzuges, Dosierung der Substitutionsmedikamente und der Abklärung somatischer Komplikationen der Drogenexposition beschäftigen, sondern muss konsequent im präventiven Bereich aktiv sein, d.h. gemeinsam mit den Streetworkern, Drogenambulanzen und Kontaktzentren Aufklärung betreiben und ansprechbar sein, die Mütter früh gynäkologisch und psychosozial durch ihre Schwangerschaft begleiten, Schwangere aus der Illegalität holen und ihnen die Angst vor den beteiligten Institutionen nehmen. Besonderheiten der Substitution während der Schwangerschaft müssen mit den substituierenden Ambulanzen und Praxen beraten werden. „Im Klartext“ muss die Anamnese erhoben werden; Ressourcen, Risiken, Chancen, Vorgaben und Ziele der Behandlung müssen besprochen und festgelegt werden. Zur Entlassung ist ein klar strukturiertes, personengebundenes, verantwortliches und dichtes Netzwerk für entwicklungsneurologische und psychosoziale Nachsorge, Förderung und Betreuung vorzuhalten. Das Wohl des Kindes, als höchstes Gut, darf bei allen Überlegungen nie aus den Augen verloren werden.