Anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED) Ende November in Weimar wurden zwei Forschungsarbeiten von UKSH-Forscherinnen mit den beiden wichtigsten Forschungspreisen der Fachgesellschaft ausgezeichnet. Im Fokus der Arbeiten stehen die molekulare Wirkung und die klinische Anwendung von Testosteron, dem wichtigsten männlichen Sexualhormon. Testosteron spielt eine Schlüsselrolle bei angeborenen Störungen der Geschlechtsentwicklung, die früher als Intersexualität bezeichnet wurden.
Die Kieler Molekularbiologin Dr. rer. nat. Nadine Hornig aus dem Bereich Kinderendokrinologie (Leitung Prof. Dr. Paul Martin Holterhus) an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I, UKSH, Campus Kiel, erhielt den Jürgen-Bierich-Preis. Sie entdeckte, dass Störungen der Geschlechtsentwicklung nicht selten durch eine sog. Methylierungsstörung in einem bisher unbekannten Genschalter des Androgenrezeptorgens verursacht wird. Das eröffnet zugleich neue Ansätze zum Verständnis der Testosteronwirkung bei anderen Erkrankungen, z. B. Unfruchtbarkeit, Prostatakrebs, vermehrte Behaarung bei Frauen, Glatzenbildung beim Mann. Die Arbeit wurde im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism publiziert.
Die Lübecker Kinderärztin Dr. Wiebke Birnbaum aus der Sektion für Kinderendokrinologie (Leitung Prof. Dr. Olaf Hiort), Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKSH, Campus Lübeck, erhielt den Dietrich-Knorr-Preis. Sie führte die weltweit erste kontrollierte Studie zur Testosteronbehandlung von Frauen mit XY-Chromosomen und kompletter Androgenresistenz durch. Das wichtigste Ergebnis ist, dass Patientinnen von dieser Behandlung profitieren können. Testosteron hat dabei einen besonderen Einfluss auf die Sexualität dieser Frauen. Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift Lancet Endocrinology publiziert.
Das Kompetenzzentrum „Hormonzentrum Nord“ an den Standorten Lübeck und Kiel bündelt die universitäre Fachexpertise auf dem Gebiet der Hormonerkrankungen bei Kindern und bei Erwachsenen am UKSH. Im Bereich Kinderhormonerkrankungen arbeiten die Lübecker und Kieler Forschungsteams seit Jahren eng zusammen und kooperieren in deutschlandweiten und europaweiten Forschungsverbünden auf dem Gebiet der Störungen der Geschlechtsentwicklung. Das Thema hat nicht zuletzt politisch und gesellschaftlich sehr hohe Relevanz bekommen durch die öffentliche Diskussion zum „dritten Geschlecht“.
Weiterführende Informationen zum Hormonzentrum Nord: www.uksh.de/hormonzentrum/
Für Rückfragen stehen zur Verfügung:

Prof. Dr. med. Paul Martin Holterhus

Prof. Dr. Joachim Wölfle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie- und Diabetologie (DGKED), überreichte der Kieler Molekularbiologin Dr. rer. nat. Nadine Hornig den Jürgen-Bierich-Preis. Foto: (c)hristian Meyer
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Prof. Dr. Joachim Wölfle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie- und Diabetologie (DGKED), überreichte der Lübecker Kinderärztin Dr. Wiebke Birnbaum den Dietrich-Knorr-Preis. Foto: (c)hristian Meyer
Bild in Originalgröße Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
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