Entzündliche Blutgefäßerkrankungen, wie die Gruppe der autoimmunen Vaskulitiden, sind seltene und schwere rheumatische Erkrankungen, die unbehandelt zum Tode führen. Forschungsarbeiten, die einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis und zur Behandlung autoimmuner Vaskulitiden leisten, prämiert die John Grube Foundation e.V. jährlich mit dem John Grube Forschungspreis. Der mit 15.000 Euro weltweit höchstdotierte Preis für die Erforschung entzündlicher Gefäßerkrankungen wurde in diesem Jahr an Professor Dr. Peter Lamprecht und Dr. Sebastian Klapa aus der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie der Universität zu Lübeck und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Leipzig verliehen.
Vaskulitis ist eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung, bei der es zu Entzündungen der Blutgefäße kommt. Diese Entzündungen sind potenziell lebensbedrohlich und bislang nicht heilbar. Um Forschende auf diesem Gebiet zu motivieren, mit ihrer Arbeit das Verständnis für die Krankheitsmechanismen zu erhöhen und zur Verbesserung der Patientenlage beizutragen, prämiert die John Grube Foundation e.V. jährlich die beste publizierte Arbeit mit 15.000 Euro. Der weltweit höchstdotierte Preis wird im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie verliehen. Der Preis ging in diesem Jahr an zwei Forscher aus Lübeck. Prof. Dr. Peter Lamprecht, Leiter der Arbeitsgruppe Vaskulitis und leitender Oberarzt der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie und Dr. Sebastian Klapa, Facharzt der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie und Mitglied der Arbeitsgruppe Vaskulitis am Campus Lübeck wurden für ihre Arbeit zur Rolle von Antikörpern gegen das Komplementsystem, einer Signalkaskade des angeborenen Immunsystems, bei Vaskulitis ausgezeichnet. Peter Lamprecht und Sebastian Klapa forschen seit vielen Jahren gemeinsam auf dem Gebiet der sogenannten ANCA-assoziierten Vaskulitis und ihrer Pathogenese. Neben dem Einfluss von Abwehrzellen des spezifischen Immunsystems, wie T- und B-Zellen, erforscht das Team auch das Komplementsystem bei der Erkrankung. Hierbei gelang es dem Forscherteam erstmals Antikörper gegen Bestandteile des Komplementsystems nachzuweisen. Im Speziellen konnten sie Antikörper gegen einen Rezeptor des Komplementfaktors C5a im Blut messen, die bei Patientinnen und Patienten mit Vaskulitis im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen zum einen erniedrigt sind und zum anderen sogar mit einem schwereren Krankheitsverlauf und einer erhöhten Rückfallwahrscheinlichkeit einhergehen. Ferner gelang erstmals der Nachweis des vermehrten Auftretens von Komplementrezeptoren auf T-Zellen, den Abwehrzellen des spezifischen Immunsystems, bei Patientinnen und Patienten mit einer Vaskulitis. Die Arbeit des Lübecker Forschungsteam zeigt somit erstmalig den Nachweis eines sogenannten Immuncheckpoints bei Vaskulitis und erlaubt zukünftig die Entwicklung von neuen spezifischen Therapien. Für Peter Lamprecht und Sebastian Klapa bedeutet diese Preisverleihung im Besonderen die Verbesserung der Sichtbarkeit seltener rheumatologischer Erkrankungen, wie der ANCA-assoziierten Vaskulitis.
„Forschungen, die sich mit der Krankheitsentstehung beschäftigen, können zu einer Verbesserung der Therapie und somit zur Lebensqualität von Patientinnen und Patienten beitragen. Der Preis bekräftigt uns, die Grundlagenforschung zum Wohle der Patientinnen und Patienten weiter voranzureiben“ erläutert Sebastian Klapa. Mit dem Lübecker Vaskulitis Zentrum steht für Patientinnen und Patienten eine renommierte und zukunftsorientierte Anlaufstelle zu Verfügung, welche Forschung und Patientenversorgung auf höchsten, nun auch prämierten, Niveau anbietet.
Die prämierte Originalarbeit wurde in der Fachzeitschrift Arthritis & Rheumatology veröffentlicht und ist hier abrufbar: Klapa, S., Müller, A., Koch, A., Kerstein-Stähle, A., Kähler, W., Heidecke, H., Schinke, S., Huber-Lang, M., Nitschke, M., Pitann, S., Augustin, S., Karsten, C.M., Riemekasten, G. and Lamprecht, P. (2023), Low Concentrations of C5a Complement Receptor Antibodies Are Linked to Disease Activity and Relapse in Antineutrophil Cytoplasmic Autoantibody–Associated Vasculitis. Arthritis Rheumatol, 75: 760-767. https://doi.org/10.1002/art.42410
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Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck/Universität zu Lübeck
Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie
Prof. Dr. Peter Lamprecht
E-Mail: peter.lamprecht@uni-luebeck.de
Pressebild

Prof. Ulf Wagner (Laudator, l.) mit den Lübecker Preisträgern Prof. Peter Lamprecht und Dr. Sebastian Klapa (r.) aus der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie, Campus Lübeck
(Foto: Rheumaakademie/csb Leipzig)
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