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Jahresbericht innerklinische Reanimation 2019 erschienen

Freitag, 14. August 2020

Presseinformation
im Auftrag des Deutschen Reanimationsregisters
der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI)

Beim Herz-Kreislauf-Stillstand ist die umgehende Hilfe durch anwesende Ersthelfer ein entscheidender Faktor für das Überleben der Betroffenen. Im Jahr 2019 wurden in 78,6 % der innerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstände Wiederbelebungsmaßnahmen bereits vor dem Eintreffen des Notfall- bzw. Reanimationsteams durchgeführt. Diese Zahl konnte in den letzten Jahren durch die kontinuierliche Fortbildung und Sensibilisierung des Krankenhauspersonals gesteigert werden. Die aktuellen Zahlen beruhen auf einer Analyse aus dem Deutschen Reanimationsregister, in dem für das Jahr 2019 insgesamt 3.741 Fälle aus 118 beteiligten Kliniken aus Deutschland ausgewertet werden konnten.

Der Herz-Kreislauf-Stillstand stellt einen zeitkritischen, lebensbedrohlichen Notfall dar. Eine potenzielle Hilfe ist generell nur in den ersten Minuten nach Eintritt des Herz-Kreislauf-Stillstands möglich. Sie ist umso erfolgreicher, je früher mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen wird. Bereits nach 3 bis 5 Minuten ohne Wiederbelebungsmaßnahmen kann es bei den Betroffenen zu irreversiblen Hirnschäden kommen. Nach 10 Minuten ohne zwischenzeitliche Hilfe kommen Wiederbelebungsmaßnahmen in der Regel zu spät.

Etwa 58 % der innerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstände ereignen sich auf einer Pflegestation, etwa 22 % in der Notaufnahme, im Schockraum oder in Funktionsabteilungen und etwa 16% auf Intensiv- oder Überwachungsstationen. Etwa zwei Drittel der Herz-Kreislauf-Stillstände werden durch das Pflegepersonal oder andere zufällig anwesende Personen beobachtet. In der überwiegenden Anzahl der Fälle (54 %) wird eine kardiale Ursache als Auslöser des Herz-Kreislauf-Stillstands vermutet.

Etwa 62 % der Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand erlangen durch Wiederbelebungsmaßnahmen einen Spontankreislauf zurück, mehr als die Hälfte der Betroffenen (52 %) wird mit eigenem Kreislauf zur weiteren Behandlung auf eine Intensivstation oder in einen Funktionsbereich (z. B. Herzkatheterlabor oder Endoskopie) verlegt. Insgesamt werden etwa 20 % der Patienten mit innerklinischem Herz-Kreislauf-Stillstand lebend entlassen.

Hierzu Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters und Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein: „In 78,6 % der innerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstände wurden Wiederbelebungsmaßnahmen noch vor dem Eintreffen des Notfall- bzw. Reanimationsteams begonnen. Diese Zahl konnte durch Fortbildungsmaßnahmen und eine damit einhergehende Sensibilisierung des Krankenhauspersonals weiter gesteigert werden. Wir sind auf einem guten Weg – gemeinsames Ziel aller Beteiligten sollte jedoch weiter sein, Herz-Kreislauf-Stillstände innerhalb von Krankenhäusern wo möglich zu verhindern, in Notfallsituationen adäquat zu reagieren und die Abläufe hinsichtlich einer bestmöglichen Weiterversorgung reanimierter Patientinnen und Patienten zu optimieren. Jede Krankenhausmitarbeiterin und jeder Krankenhausmitarbeiter muss in einer Reanimationssituation wissen, was zu tun ist, und umgehend Wiederbelebungsmaßnahmen auf fachlich hohem Niveau einleiten.“

Am 8. August 2020 erschien der „Jahresbericht Innerklinische Reanimation 2019 des Deutschen Reanimationsregisters“ in der Zeitschrift A + I, Anästhesiologie und Intensivmedizin, https://www.ai-online.info/, dem die verwendeten Zahlen entnommen wurden. Seit dem 13. August 2020 ist der „Öffentliche Jahresbericht 2019 des Deutschen Reanimationsregisters: Innerklinische Reanimation 2019“ unter www.reanimationsregister.de abrufbar.

Über das Deutsche Reanimationsregister

Das Deutsche Reanimationsregister – German Resuscitation Registry (GRR) stellt die größte überregionale Datenbank für die Erhebung, Auswertung und Beurteilung von Reanimationen in Rettungsdienst und Klinik, sowie von innerklinischen Notfallversorgungen im deutschsprachigen Raum dar.

Es zählt zu einem der tragenden und zukunftsweisenden Instrumente zur Optimierung der Notfallversorgung für Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand. Seit dem offiziellen Start des Deutschen Reanimationsregisters unter der Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) im Mai 2007 wurden in der Datenbank mehr als 250.000 Datensätze von außerklinisch und innerklinisch reanimierten Patientinnen und Patienten sowie von Notfallversorgungen in Kliniken und primäre Todesfeststellungen erfasst.

Die Datenbank ermöglicht die Erhebung und Auswertung der eigenen Einsätze und bietet Vergleichsmöglichkeiten und internationale Kooperationen mit anderen Kliniken und Rettungsdiensten an. Das Deutsche Reanimationsregister analysiert hierzu jährlich die außerklinischen sowie die innerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstände des vorangegangenen Jahres und die Daten zu deren Weiterversorgung. Darüber hinaus untersucht das Deutsche Reanimationsregister Einsätze von innerklinischen Notfallteams.

Weiterhin organisiert und veranstaltet das Deutsche Reanimationsregister in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) und dem Berufsverband Deutscher Anästhesisten e. V. (BDA) die seit 2014 jährlich stattfindenden „Bad Boller Reanimations- und Notfallgespräche“, mittlerweile eine der wichtigsten Tagungen von Expertinnen und Experten für die Herz-Lungen-Wiederbelebung im deutschsprachigen Raum.

Über das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin

Das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) unter Leitung von Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner ist die zentrale Einrichtungen für Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Das IRuN ist zuständig für das innerklinische Qualitätsmanagement und eine hochwertige Notfallversorgung im UKSH und bietet darüber hinaus eine Vielzahl notfallmedizinischer Aus-, Fort- und Weiterbildungen für inner- und außerklinisches medizinisches Fachpersonal an. Die Aktivitäten des Deutschen Reanimationsregisters, einem überregionalen Register zur Erfassung von außer- und innerklinischen Herz-Kreislauf-Stillständen unter Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI), werden vom IRuN koordiniert. Eine Vielzahl an drittmittelgeförderten Forschungsprojekten zu notfall- und katastrophenmedizinischen Themen, das globale Engagement in der Versorgungsforschung (Europäisches Reanimationsregister, Netzwerk der weltweiten Reanimationsregister) sowie die Weiterentwicklung neuer wissenschaftlicher Leitlinien in nationalen und internationalen Gremien ergänzen die Tätigkeitsbereiche des IRuN.
 
Weitere Informationen zum IRuN unter: https://www.uksh.de/notfallmedizin

Quellen

Seeald, S., Brenner, S., Fischer, M., Gräsner, J.-T., Wnent, J., Jantzen, T., Ristau, P., Bein, B., & die teilnehmenden Kliniken im Deutschen Reanimationsregister: Jahresbericht Innerklinische Reanimation 2019 des Deutschen Reanimationsregisters. Anästh Intensivmed 2020;61: V100-V102.

Hinweis: Die Analyse wurde für die Gesamtdaten und die sogenannte Referenzgruppe durchgeführt, welche im Jahr 2019 42 von 118 außerklinisch teilnehmenden Standorten umfasst. Diese zeichnen sich durch eine besonders hohe Datenqualität in Bezug auf Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit des Outcomes aus. Sämtliche genannten Zahlen beziehen sich – sofern nicht anders angegeben – auf die Referenzgruppe bzw. sind auf deren Basis hochgerechnet.

Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Patrick Ristau, M.A.
Koordinator Deutsches Reanimationsregister
E-Mail: ristau@reanimationsregister.de
Tel.: 0911 93378-31

Verantwortlich für diese Presseinformation

Oliver Grieve

Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
E-Mail: presse@uksh.de

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