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Krebsfrüherkennung für Risikopatientinnen am UK S-H, Campus Kiel

Freitag, 24. Juni 2005

Kooperation der Ersatzkassen mit dem Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel:
Krebsfrüherkennung für Risikopatientinnen

KIEL. Mit einem wegweisenden Früherkennungsprogramm wollen die Ersatzkassen in Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein die Krankheitsrisiken von Frauen mit einer erblichen Veranlagung für Brust- und/oder Eierstockkrebs senken. Die Ersatzkassen übernehmen dabei unter bestimmten Bedingungen die Kosten für fachübergreifende Beratungsgespräche, Gentests und Früherkennungsmaßnahmen wie Ultraschall, Mammographie und Magnetresonanztomographie (MRT).

Mit der Unterzeichnung dieses Vertrages reagieren die Partner auf die Ergebnisse einer Verbundstudie zum erblichen Brustkrebs, welche über 7 Jahre durch die Deutsche Krebshilfe gefördert wurde. Deren Ergebnisse belegen, dass erblicher Brustkrebs frühzeitig diagnostiziert und so der Verlauf günstig beeinflusst werden kann. "Dies ist ein hervorragendes Beispiel für die zügige Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse in die klinische Anwendung und wir wünschen uns mehr solcher Studien" sagt Dietmar Katzer, Leiter der Ersatzkassenverbände in Schleswig-Holstein.

Das Mammakarzinom ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa zehn Prozent aller Frauen erkranken im Laufe des Lebens daran. Allein in Schleswig-Holstein betrifft dies jährlich 2000 Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 65 Jahren. Der erbliche Brust-/Eierstockkrebs geht hingegen mit einem frühen Erkrankungsalter und einer dramatischen Häufung an Erkrankungsfällen und in den betroffenen Familien einher. Die Frauen in diesen Familien erkranken mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 85% mit einem Durchschnittsalter von 45 Jahren; die üblichen Früherkennungsmaßnahmen sind für sie nicht ausreichend. Sie benötigen bereits ab dem jungen Erwachsenenalter ein intensives Früherkennungsprogramm.
Hier setzt nun das Füherkennungsprogramm am Uniklinikum an: In einer humangenetischen Beratung wird geklärt, ob tatsächlich ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht. Bei diesem Gespräch ermitteln die Spezialisten das Erkrankungsrisiko auf Grund der Anzahl der erkrankten Verwandten, deren Erkrankungsalter und dem Verwandtschaftsgrad. Folgt aus diesem Gespräch die Erkenntnis, dass eine erbliche Veranlagung vorliegen könnte, wird die Familie von einem interdisziplinären Team aus Humangenetikern, Frauenärzten und Psychologen über die Möglichkeiten und Grenzen eines Gentests fachübergreifend beraten. Bei etwa 30 Prozent der Frauen kann die Veranlagung anschließend durch eine spezielle molekulargenetische Untersuchung nachgewiesen werden. Zurzeit werden die zwei mit einem erhöhten Brust- und Eierstockkrebsrisiko assoziierten Gene BRCA1 und BRCA2 untersucht. Weltweite Untersuchungen an Hochrisikofamilien legen nahe, dass es noch weitere zu identifizierende Gene gibt, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Durch engmaschige Früherkennungsuntersuchungen und vorbeugende Maßnahmen kann das Ausbrechen der bösartigen Geschwulst früh erkannt oder im besten Falle sogar verhindert werden.

Von Anfang 1997 bis Ende 2004 förderte die Deutsche Krebshilfe im Rahmen eines überregionalen Verbundprojektes 12 spezialisierte und interdisziplinär ausgerichtete universitäre Zentren für Familiären Brust- und Eierstockkrebs. "Wir sind froh, dass durch die Kooperation mit den Ersatzkassen diese Strukturen erhalten werden und hoffen, dass sich die Vertreter der anderen Kassen ebenfalls zu einer Kooperation mit dem Zentrum entschließen können. Dadurch wäre gewährleistet, dass alle Frauen aus Hochrisikofamilien an diesem strukturierten Programm teilnehmen können. Wir werden unsere Patientinnen nicht nur nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen versorgen, sondern Diagnostik, Therapie und Früherkennung mit einer wissenschaftlichen Evaluation begleiten", so Prof. Dr. Norbert Arnold, Leiter des Onkologischen Labors der Universitäts-Frauenklinik und Sprecher des Zentrums Kiel.

Frauen, die das Früherkennungsprogramm in Anspruch nehmen möchten, können sich von ihrem Hausarzt überweisen lassen oder sich direkt an die Universitäts-Frauenklinik in Kiel wenden. Dazu ist eine Hotline eingerichtet: 0431-597/2071.

Verantwortlich für diese Presseinformation:

Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

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