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1000. Familie in der Tumorrisiko-Sprechstunde Kiel

Mittwoch, 05. November 2008

Im Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs am Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein wird in diesen Tagen die 1000. Familie hinsichtlich einer möglichen Veranlagung für Brust- und Eierstockkrebs beraten. Aus diesem Anlass werden die Leiter der beteiligten Einrichtungen und das Team der Tumorrisiko-Sprechstunde in einer Feierstunde auf das bisher Erreichte zurückschauen und Zukunftsperspektiven vorstellen.

Die Tumorrisiko-Sprechstunde wurde Ende 1996 im Rahmen eines von der Deutschen Krebshilfe an zwölf Universitäten geförderten Forschungsprojekts aufgebaut. Seitdem hat das Kieler Zentrum mehr als 2000 Ratsuchende über Erkrankungs- und Vererbungsrisiken, Früherkennung und Nachsorge sowie risikoreduzierende Maßnahmen bei Brust- und Eierstockkrebs beraten. Das fächerübergreifende Konzept aus humangenetischer Beratung und Testung, gynäkologischer/radiologischer Früherkennung und psychologischer Betreuung wurde im Jahr 2005 von den meisten Krankenkassen im Rahmen von direkten Verträgen mit dem UK S-H als Regelleistung übernommen. Das Team aus erfahrenen Spezialisten der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, des Instituts für Humangenetik sowie des Instituts für Medizinische Psychologie und Soziologie ist für Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und das nördliche Niedersachsen zuständig.

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 54.000 Frauen neu an Brustkrebs, davon circa 2000 in Schleswig-Holstein. Damit ist das Mammakarzinom die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Bei circa zehn Prozent von ihnen entsteht der Brustkrebs auf Basis einer erblichen Veranlagung. Ungefähr die Hälfte dieser Fälle beruht auf einem Defekt in einem der beiden bisher bekannten Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2. Wer einen solchen Gendefekt geerbt hat muss nicht zwangsweise auch erkranken. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit für eine Krebserkrankung gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöht: Frauen mit einem defekten Brustkrebsgen erkranken mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 80% an Brustkrebs, oft schon im jüngeren Lebensalter. Die Veranlagung, die auch mit einem erhöhten Risiko für Eierstockkrebs und einige andere Krebserkrankungen einhergeht, kann sowohl an Töchter als auch an Söhne weitervererbt werden.

Frauen mit einem auf diese Weise erhöhten Brust- und Eierstockkrebsrisiko benötigen bereits in jungen Jahren ein intensives Früherkennungsprogramm, damit Tumoren möglichst früh erkannt und dadurch erfolgreicher behandelt werden können. Häufig kann durch einen Gentest geklärt werden, wer in einer belasteten Familie von dem erhöhten Risiko betroffen ist und wer nicht. Die Spezialisten des Kieler Zentrums berechnen zunächst die individuellen Erkrankungs- und Vererbungsrisiken und informieren über die Vor- und Nachteile, Möglichkeiten und Grenzen eines Gentests. Die Ratsuchenden erhalten auch psychologische Unterstützung während der Zeit der genetischen Testung und danach. Ziel ist ein risikoadaptiertes Früherkennungs- oder Nachsorgeprogramm, das dem individuellen Risiko angemessen ist.

Kontakt bei allen Fragen zur Veranlagung von Krebserkrankungen:
Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Tel.: 0431 597-1776, E-Mail: office@medgen.uni-kiel.de

Kontakt bei Verdacht auf erblichen Brust- und/oder Eierstockkrebs:
Tumorrisiko-Sprechstunde am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Tel.: 0431 597-2071, E-Mail: ufkturi@email.uni-kiel.de

Für weitere Informationen stehen zur Verfügung:
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Campus Kiel
Prof. Norbert Arnold, Tel. 0431 597-2100, E-Mail: nkarnold@email.uni-kiel.de
Institut für Humangenetik, Campus Kiel
Dr. Simone Heidemann, Tel. 0431 597-1781, E-Mail: heidemann@medgen.uni-kiel.de

Verantwortlich für diese Presseinformation:

Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

  • Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel,
    Tel.: 0431 500-10700, Fax: 0431 500-10704
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