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Forschung über zwei Kontinente: Internationale Auszeichnung an Kieler Herzchirurgen

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Faltbare Herzklappen können seit wenigen Jahren mit Hilfe neuester Kathetertechnik implantiert werden. Bisher war dies nur über die Hauptschlagader und Lungenschlagader möglich. Für ihren Forschungserfolg, eine Herzklappe mittels minimal-invasive Kathetertechniken auf direktem Weg im Herzen einzupflanzen, sind PD Dr. Georg Lutter von der Kieler Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des UK S-H und Dr. Lucian Lozonschi von der Wisconsin-Universität, USA, nun mit dem internationalen Preis der Gesellschaft für Minimal-invasive Herzchirurgie in Boston, Massachusetts, USA ausgezeichnet worden.

Das Forscherteam erhielt den höchsten internationalen Preis des Fachgebiets für eine Pionierleistung: Seit Sommer 2007 sind sie in der Lage, im Tiermodell eine biologisch erzeugte Vorhofklappe direkt durch die Herzspitze in die Kammer zu implantieren. Die Vorhofklappe ist eine große Herzklappe, die starkem Kammerdruck ausgesetzt ist. Deshalb ist sie sehr anfällig und schwer zu ersetzen. Ziel des transatlantischen Chirurgenteams ist es, die Klappentechnologie so weit voranzutreiben, dass Patienten mit schweren Vorhofklappenerkrankungen schon in wenigen Jahren davon profitieren können.

Das Besondere an der biologischen Herzklappe ist ihre Fähigkeit, sich am Zielort selbst zu entfalten. Wichtig ist jedoch, dass eine exakte Positionierung vor der Entfaltung gelingt. Bei den Forschungseingriffen nutzen die Herzchirurgen nur eine sehr kleine Öffnung zwischen den Rippen, um einen feinen Katheter durch die Herzspitze in die Kammer zu führen. Um den gesamten Eingriff sichtbar zu machen, wird ein Ultraschallgerät eingesetzt. Die genaue Darstellung der Herzklappe erfolgt dabei durch einen spezialisierten Herzchirurgen. So kann der Chirurg präzise arbeiten und die Position der neuen linken Herzklappe verfolgen.

Unter der Direktion von Prof. Jochen Cremer arbeitet das Forschungsteam der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie seit dem Jahr 2003 an der Entwicklung und Implantierung biologischer Herzklappen. PD Dr. Georg Lutter ist Forschungsleiter, Dr. René Bombien ist zuständig für die bildgebenden Verfahren. In enger deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit wurden im ersten Schritt ohne finanzielle Hilfen biologische Herzklappen konstruiert und in eigenen Laboren hergestellt. Während der vergangenen drei Jahre wurden diese in Herzmodellen eingesetzt und auf ihre Zuverlässigkeit getestet. Die dann in Amerika und Deutschland durchgeführten Tierversuche bestätigen im dritten Schritt den Erfolg der Entwicklung. Alle Tiere zeigten in der Beobachtungsphase nach dem Einsatz der Herzklappe eine stabile Funktion. Die eingesetzten Herzklappen öffneten und schlossen sich zuverlässig. Der zukunftsweisende vierte Schritt wird in drei Jahren die Anwendung am Menschen sein.

Für weitere Informationen steht zur Verfügung:
PD Dr. Georg Lutter, Oberarzt und Forschungsleiter der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Tel.: 0431 597-4582, Fax: 0431 597-4542, E-Mail: lutter@kielheart.uni-kiel.de

Bild 1: Darstellung der neu konstruierten linken Vorhofklappe, die perfekt öffnet und schließt. Diese kann mittels eines Katheters in das linke Herz eingesetzt werden.

Bild 2: Dr. Lozonschi (links) und Dr. Lutter beim Einsetzen einer linken Bio-Vorhofklappe

Bild 3: Das Forschungsteam (von links): PD Dr. Georg Lutter und Dr. René Bombien vom UK S-H, Dr. Lucian Lozonschi und Dr. Takushi Kohmoto von der Universität Wisconsin

Bild 4: Prof. Dr. Jochen Cremer Bild 5: PD Dr. Georg Lutter

Verantwortlich für diese Presseinformation:

Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

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