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Kopflausbefall nimmt zu - Große Studie in Schulen und Kindertagsstätten

Dienstag, 13. Mai 2008

Kopflausbefall nimmt zu!
Hautklinik des UK S-H in Kiel plant große Studie in Schulen und Kindertagesstätten

Die Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des UK S-H, Campus Kiel, plant in Kooperation mit dem Kieler Gesundheitsamt, dem Umweltbundesamt und der Berliner Charité an sechs Grundschulen und sechs Kindertagesstätten in Kiel eine Untersuchung zum Kopflausbefall. Primäres Ziel der Studie ist es, die Häufigkeit von Kopflausbefall bei Kindern zwischen drei und zwölf Jahren und mögliche Resistenzen der Kopfläuse gegenüber den herkömmlichen Läuse-Präparaten zu ermitteln. Im Zentrum der Studie stehen die Vorsorge und die optimale Behandlung des Kopflausbefalls bei Kindern.

Wird bei einem Kind ein Kopflausbefall festgestellt, so wird es im Rahmen der Studie bereits vor Ort in der Schule/Kindertagesstätte entsprechend dem Infektionsschutzgesetz behandelt. Eingesetzt wird dabei ein Präparat, das nicht wie üblich bei Kopfläusen neurotoxisch (Nerven zerstörend) wirkt, sondern physikalische Mechanismen auslöst. So genannte Dimeticone (Silikonöle) verstopfen die Atemwege der Läuse, so dass diese und deren Eier absterben. Die Anwendung vor Ort schränkt die weitere Ausbreitung der Kopfläuse stark ein, da bereits nach circa zehn Minuten mit dem Absterben der Läuse zu rechnen ist. Die Behandlung mit Dimeticonen ist mit keinen Nebenwirkungen verbunden, Resistenzen der Kopfläuse sind nicht zu erwarten.

Kopflausbefall kommt in allen sozialen Schichten vor und hat nichts mit Unsauberkeit zu tun. Auch bei hygienisch einwandfrei gepflegten Menschen können sich Kopfläuse wohl fühlen und vermehren. Vor allem in Kindergärten und Schulen ist in den letzten Jahren eine erhebliche Steigerung des Kopflausbefalls zu beobachten. Die Zahl der Erkrankungen liegt vermutlich bei einer Million pro Jahr, die genaue Häufigkeit ist jedoch nicht bekannt. Obwohl zur Behandlung zahlreiche Präparate auf dem Markt sind, nimmt die Zahl der Kopflaus-Fälle in Deutschland weiter zu. Das häufige Auftreten und die schnelle Verbreitung sind einerseits auf mangelnde Zusammenarbeit bzw. Verständigungsschwierigkeiten zwischen Eltern, Einrichtung (Schule, Kindergarten) und behandelnden Ärzten sowie ein nicht korrektes Anwenden der Läuse-Präparate zurückzuführen. Inzwischen entwickeln die Parasiten aber auch Resistenzen gegen herkömmliche Präparate. Sie bilden Abwehrmechanismen, die dann auf die Nachkommen übertragen werden und so deren Überleben sichern.

Spezielle Laboratorien können diese Resistenzen an den Kopfläusen oder ihren Eiern nachweisen. Auch aus anderen europäischen Ländern wie Dänemark und Großbritannien wird seit kurzem über Resistenzen berichtet. In Deutschland fehlen bislang entsprechende Feldstudien sowohl zur tatsächlichen Kopflausverbreitung als auch zur Resistenzsituation.

Die Kieler Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz begrüßt die Studie und wünscht den Beteiligten ein gutes Gelingen.

Für weitere Informationen steht zur Verfügung:
Prof. Dr. med. Regina Fölster-Holst, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UK S-H, Campus Kiel, Schittenhelmstraße 7, 24105 Kiel, Tel.: 0431 597 - 1596/1579/1512

Verantwortlich für diese Presseinformation:

Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

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