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Startschuss für Partikeltherapiezentrum des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein

Mittwoch, 19. März 2008

Gemeinsame Presseinformation

  • Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

  • Siemens Healthcare

  • Siemens Project Ventures GmbH (SPV)

  • Bilfinger Berger Project Investments

  • Bilfinger Berger Hochbau

  • HSG Technischer Service

Größtes öffentlich-privates Partnerschaftsprojekt im deutschen Gesundheitswesen.

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H) hat heute ein Bieterkonsortium aus Siemens, Bilfinger Berger und HSG Technischer Service mit Bau und Betrieb des ersten Zentrums für Partikeltherapie (PTZ) in Norddeutschland beauftragt. Das Vergabeverfahren ist damit abgeschlossen.

Das Partikeltherapiezentrum am Universitätsklinikum ist auf die äußerst schonende Krebsbehandlung von Patienten ausgerichtet. Wissenschaftsstaatssekretär und Aufsichtsratsvorsitzender des UK S-H Jost de Jager: "Schleswig-Holstein wird mit dem PTZ ein international bedeutender Medizinstandort. Das Land bekennt sich damit eindeutig zu medizinischer Forschung in Schleswig-Holstein, der Weiterentwicklung der flächendeckenden Krankenversorgung am UK S-H und zu dem Standort Kiel. Das rund 250 Millionen Euro Gesamtkosten - davon rund 180 Millionen Euro reine Investitionskosten - teure Projekt ist das bislang größte PPP-Vorhaben des Landes. Umso mehr begrüße ich, dass der Baubeginn für den Sommer dieses Jahres vorgesehen ist und dass 2010 das Gebäude fertig gestellt sein wird. Die ersten Patienten können dann ab Ende 2011 mit der konventionellen Strahlentherapie behandelt werden."

Das PTZ wird als Kompetenz-Zentrum für Tumorerkrankungen ab 2012 neue Behandlungschancen in der Krebstherapie eröffnen. Der Einzugsbereich soll neben Norddeutschland den gesamten südskandinavischen Raum umfassen. Im Endausbau der Anlage sollen in drei Behandlungsräumen jährlich rund 3000 Patienten mit Partikeln behandelt werden.

"Das PTZ Kiel ist ein Meilenstein für medizintechnische Lösungen und Partnerschaftsmodelle in der Onkologie. Das in Kiel entstehende Kompetenz-Zentrum für die strahlentherapeutische Onkologie wird zukunftsweisend für weitere Partikeltherapie-Zentren in Europa und USA sein", betonte Prof. Dr. Erich R. Reinhardt, Chief Executive Officer (CEO) des Siemens-Sektors Healthcare.

"Mit dem PTZ wird der onkologische Schwerpunkt des UK S-H massiv gestärkt und zukunftssicher gestaltet. Damit wird der Standort Kiel langfristig gesichert.", unterstrich der Vorstandsvorsitzende Prof. Kremer. "Die Partnerschaft mit dem Siemens-Konsortium wird unseren technologischen Vorsprung ausbauen. Das neue Zentrum ermöglicht uns dabei in seiner geplanten Realisierung einen optimalen klinischen Ablauf von der Erstdiagnostik über die Therapie bis hin zur Nachsorge." Außerdem werden durch das PTZ die Chancen einer Förderung für das Krebszentrum Nord (CCC-Nord) nachhaltig verbessert.

Für den kaufmännischen Vorstand Dr. Carl Herrmann Schleifer ist es wichtig, dass es sich bei dem PTZ um ein sich wirtschaftlich selbsttragendes Projekt handelt. Nach den jetzigen Planungen bestehen alle Chancen, dass sich das PTZ aus dem laufenden Betrieb selbst finanziert. Die Realisierung des Projektes belastet nicht die laufenden Investitionen des Landes für das UK S-H. Auch insofern ist dieses PPP-Projekt modellhaft. Von größter Bedeutung sind ferner die bereits abgeschlossenen Kooperationsverträge mit Kliniken in Oslo, Odensee, Kaunas, Greifswald, Hannover, Rostock und in Minden. Mit weiteren Einrichtungen wird verhandelt.

Der Vertrag zwischen dem Bieterkonsortium und dem UK S-H beinhaltet die Planung, Errichtung, Finanzierung sowie den technischen Betrieb inklusive der Wartung der Partikeltherapieanlage in einer öffentlich-privaten Partnerschaft über einen Zeitraum von 25 Jahren. Zur Realisierung des Projektes gründeten die Sponsoren Siemens Project Ventures und Bilfinger Berger Project Investments eine Projektgesellschaft, die sich über ein internationales Bankenkonsortium refinanziert. Das PTZ umfasst neben den Einrichtungen für die Anwendung der Partikeltherapie (PT) auch eine Abteilung für die konventi-onelle Strahlentherapie. Die Aufnahme des Betriebes der konventionellen Strahlentherapie ist für Ende 2011 und der Betrieb der PT-Anlage für Anfang 2012 geplant.

Bei der Partikeltherapie werden über ein Beschleunigersystem Protonen oder Kohlenstoffionen auf eine sehr hohe Geschwindigkeit gebracht und dann punktgenau im Zielgewebe appliziert. Dort fügen die Partikel den Zellen irreparable Schäden zu. Durch die millimetergenaue Berechnung und Steuerung lässt sich der Tumor genauer bestrahlen als mit bisherigen Verfahren, das umliegende gesunde Gewebe wird geschont. Aufgrund seiner Genauigkeit eignet sich das Verfahren insbesondere für schwer zugängliche Krebsarten oder solche, welche dicht an Risikoorganen liegen - zum Beispiel Schädelbasis- oder Hirntumore. Ein anderes Anwendungsgebiet sind Weichteilsarkome und Prostatakarzinome, die von empfindlichem Gewebe umgeben sind. Weltweit wurden bereits ca. 50 000 Patienten mit Partikeln behandelt, über 3000 davon mit Kohlenstoffionen. Nur eine kombinierte Anlage, wie sie in Kiel errichtet wird, die neben Protonen noch den Einsatz weiterer Partikelarten erlaubt, bietet die Voraussetzungen für weitergehende wissenschaftliche Forschungen zur effizienten Tumorbehandlung mit Partikeln.

Siemens wird die Planung und Errichtung der Partikeltherapie-Anlage, die Lieferung der Medizintechnik von der medizinischen Diagnostik bis hin zur Informationstechnologie, den Service sowie den technischen Betrieb der medizintechnischen Systeme übernehmen. Bilfinger Berger Hochbau zeichnet für die schlüsselfertige Erstellung des Zentrums verantwortlich. Innerhalb von 24 Monaten wird die Niederlassung Hamburg das Gebäude mit vier ober- und zwei unterirdischen Geschossen erstellen. Für das Projekt kann Bilfinger Berger auf seine Erfahrung bei Projekten für die Gesundheitswirtschaft zurückgreifen.

Die HSG übernimmt das technische und infrastrukturelle Gebäudemanagement inkl. Instandsetzung und Reinvestitionen der technischen und baulichen Anlagen sowie des Außenbereichs. Des Weiteren garantiert die HSG Strom,- Wärme- und Wassermengen für das Gebäude mit Ausnahme der medizinischen Einrichtungen. Zusammen mit Bilfinger Berger Project Investments bringt Siemens zudem über die Siemens Project Ventures GmbH (SPV) seine Expertise in der Strukturierung von Infrastrukturprojekten ein. SPV und Bilfinger Berger Project Investments werden jeweils 50 Prozent des erforderlichen Eigenkapitals stellen.

"Bei der Realisierung komplexer öffentlicher Infrastrukturprojekte spielt die Beteiligung privater Finanzierungspartner eine entscheidende Rolle", stellt Wolfgang Bischoff, Geschäftsführer der Siemens Project Ventures GmbH, fest. "Diese Art von PPP-Lösung wird zunehmend zum "Standardmodell" für die generelle Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor, nicht nur im Gesundheitswesen." Bilfinger Berger weitet mit dem Projekt sein privatwirtschaftliches Betreibergeschäft auf das Gesundheitswesen in Deutschland aus. Das Unternehmen bringt in Kiel seine weit reichende Erfahrung bei Finanzierung, Bau und Gebäudebetrieb ein.


Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Ralf Kampf
Tel.: 0431 / 597-4093
ralf.kampf@uk-sh.de

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Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

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