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Laienreanimationsquote in Deutschland im vergangenen Jahr bei 40,2 %

Donnerstag, 28. Mai 2020

Presseinformation im Auftrag des Deutschen Reanimationsregisters
der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI)

Beim Herz-Kreislauf-Stillstand ist die umgehende Hilfe durch anwesende Ersthelfer ein entscheidender Faktor für das Überleben der Betroffenen. Im Jahr 2019 wurden in 40,2 % der außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstände Wiederbelebungsmaßnahmen durch Ersthelfer durchgeführt. Das bedeutet eine Steigerung um 29,3 % seit 2014. Zusätzliche 4,5 % der Betroffenen wurden durch sogenannte First-Responder- oder Helfer-vor-Ort-Einheiten wiederbelebt (2014: 4,1 %). Diese Zahlen beruhen auf einer aktuellen Analyse aus dem Deutschen Reanimationsregister, in dem für das Jahr 2019 insgesamt 15.274 Fälle aus 88 beteiligten Rettungsdiensten aus Deutschland ausgewertet werden konnten.

Geschätzt 52.000 Mal haben Notarzt- und Rettungsdienste im Jahr 2019 in außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillständen Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt. Der Herz-Kreislauf-Stillstand stellt einen zeitkritischen, lebensbedrohlichen Notfall dar. Eine potenzielle Hilfe ist generell nur in den ersten Minuten nach Eintritt des Herz-Kreislauf-Stillstands möglich. Sie ist umso erfolgreicher, je früher mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen wird. Bereits nach 3 bis 5 Minuten ohne Wiederbelebungsmaßnahmen kann es bei den Betroffenen zu irreversiblen Hirnschäden kommen. Nach 10 Minuten ohne zwischenzeitliche Hilfe kommen Wiederbelebungsmaßnahmen in der Regel zu spät.

Etwa 62 % der außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstände ereignen sich in der eigenen Häuslichkeit, nur 21 % in der Öffentlichkeit. Bei den zufällig Anwesenden handelt es sich daher in erster Linie um Angehörige und Bekannte der Betroffenen.

In 23 % der Fälle bezogen auf die Gesamtzahlen erfolgte eine telefonische Anleitung zur Reanimation durch die Rettungsleitstellen. Diese Zahl hat sich im Vergleich zu 2014 nahezu verdoppelt (2014: 12  %).

Zur Überbrückung des Intervalls bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes setzen Rettungsleitstellen vielerorts sogenannte First-Responder- bzw. Helfer-vor-Ort-Einheiten ein. Hierbei handelt es sich um freiwillige Helfer-Einheiten, die nicht Teil des regulären Rettungsdienstes sind.

Hierzu Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters und Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein: „In 40,2 % der außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstände wurden Wiederbelebungsmaßnahmen durch zufällig anwesenden Ersthelferinnen und Ersthelfer begonnen. Damit steigt nach einem Rückgang in 2018 diese Zahl wieder leicht an. In mehr als der Hälfte der Fälle, in der Ersthelferinnen und Ersthelfer mit der Reanimation begonnen haben, wurden diese durch die Rettungsleitstellen telefonisch angeleitet. Wir sind auf einem guten Weg – gemeinsames Ziel von Politik, Öffentlichkeit und Gesundheitswesen muss jedoch weiterhin sein, dass jedem Herz-Kreislauf-Stillstand, unabhängig davon, ob dieser zu Hause oder in der Öffentlichkeit auftritt, zu jedem Zeitpunkt die bestmögliche Hilfe zuteilwird. Helfen kann und sollte jeder Einzelne.“

Am 6. Juni 2020 erscheint der „Jahresbericht Außerklinische Reanimation 2019 des Deutschen Reanimationsregisters“ in der Zeitschrift A + I, Anästhesiologie und Intensivmedizin, https://www.ai-online.info/, dem die verwendeten Zahlen entnommen wurden. Ab dem 11. Juni 2020 wird der „Öffentliche Jahresbericht 2019 des Deutschen Reanimationsregisters: Außer-klinische Reanimation 2019“ unter www.reanimationsregister.de abrufbar sein.

Über das Deutsche Reanimationsregister

Das Deutsche Reanimationsregister – German Resuscitation Registry (GRR) stellt die größte überregionale Datenbank für die Erhebung, Auswertung und Beurteilung von Reanimationen in Rettungsdienst und Klinik, sowie von innerklinischen Notfallversorgungen im deutschsprachigen Raum dar.

Es zählt zu einem der tragenden und zukunftsweisenden Instrumente zur Optimierung der Notfallversorgung für Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand. Seit dem offiziellen Start des Deutschen Reanimationsregisters unter der Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) im Mai 2007 wurden in der Datenbank etwa 225.000 Datensätze von außerklinisch und innerklinisch reanimierten Patientinnen und Patienten sowie von Notfallversorgungen in Kliniken und primäre Todesfeststellungen erfasst.

Die Datenbank ermöglicht die Erhebung und Auswertung der eigenen Einsätze und bietet Vergleichsmöglichkeiten und internationale Kooperationen mit anderen Kliniken und Rettungsdiensten an. Das Deutsche Reanimationsregister analysiert hierzu jährlich die außerklinischen sowie die innerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstände des vorangegangenen Jahres und die Daten zu deren Weiterversorgung. Darüber hinaus untersucht das Deutsche Reanimationsregister Einsätze von innerklinischen Notfallteams.

Weiterhin organisiert und veranstaltet das Deutsche Reanimationsregister in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) und dem Berufsverband Deutscher Anästhesisten e. V. (BDA) die seit 2014 jährlich stattfindenden „Bad Boller Reanimations- und Notfallgespräche“, mittlerweile eine der wichtigsten Tagungen von Expertinnen und Experten für die Herz-Lungen-Wiederbelebung im deutschsprachigen Raum.

Über das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin

Das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) unter Leitung von Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner ist die zentrale Einrichtung für Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) mit den Standorten Kiel und Lübeck. Das IRuN ist zuständig für das innerklinische Qualitätsmanagement und eine hochwertige Notfallversorgung im UKSH und bietet darüber hinaus eine Vielzahl notfallmedizinischer Aus-, Fort- und Weiterbildungen für inner- und außerklinisches medizinisches Fachpersonal an. Die Aktivitäten des Deutschen Reanimationsregisters, einem überregionalen Register zur Erfassung von außer- und innerklinischen Herz-Kreislauf-Stillständen unter Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI), werden vom IRuN koordiniert. Eine Vielzahl an drittmittelgeförderten Forschungsprojekten zu notfall- und katastrophenmedizinischen Themen, das globale Engagement in der Versorgungsforschung (Europäisches Reanimationsregister, Netzwerk der weltweiten Reanimationsregister) sowie die Weiterentwicklung neuer wissenschaftlicher Leitlinien in nationalen und internationalen Gremien ergänzen die Tätigkeitsbereiche des IRuN.

Weitere Informationen zum IRuN unter: https://www.uksh.de/notfallmedizin

Quellen

Fischer, M., Wnent, J., Gräsner, J.-T., Seewald, S., Brenner, S., Jantzen, T., Bein, B., Bohn, A., & die teilnehmenden Rettungsdienste am Deutschen Reanimationsregister: Jahresbericht Außer-klinische Reanimation 2019 des Deutschen Reanimationsregisters. Anästh Intensivmed 2020;61: in press.

Hinweis: Die Analyse wurde für die Gesamtdaten und die sogenannte Referenzgruppe durchgeführt, welche im Jahr 2019 30 von 88 außerklinisch teilnehmenden Standorten umfasst. Diese zeichnen sich durch eine besonders hohe Datenqualität in Bezug auf Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit des Outcomes aus. Sämtliche genannten Zahlen beziehen sich – sofern nicht anders angegeben – auf die Referenzgruppe bzw. sind auf deren Basis hochgerechnet.

Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Patrick Ristau, M.A.
Koordinator Deutsches Reanimationsregister
E-Mail: ristau@reanimationsregister.de
Telefon: 0911 93378-31

Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner

Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner

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Verantwortlich für diese Presseinformation:

Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

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