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Corona als Herausforderung in der Notfallversorgung - UKSH organisiert Expertentreffen

Samstag, 20. Februar 2021

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Notfallversorgung in Deutschland aus? Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) untersucht dies seit Beginn der Pandemie und ist mit seinen Expertinnen und Experten beratend auf lokaler und nationaler Ebene aktiv. Bei den 8. Bad Boller Reanimations- und Notfallgesprächen waren Notfallmediziner des UKSH an den Vorträgen und Diskussionen der insgesamt 54 auf dem Gebiet führenden Expertinnen und Experten beteiligt. Das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) des UKSH organisiert seit 2014 die renommierte Veranstaltung, die auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten stattfindet - in diesem Jahr erstmals online. „Gerade in diesen herausfordernden Zeiten sind die zukunftsweisenden Konzepte, die in diesem Think Tank entstehen, von hoher Bedeutung“, sagt Prof. Dr. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des UKSH.

Aus dem Deutschen Reanimationsregister, aber auch aus vielen Leitstellen in Deutschland liegen bereits große Datenbestände zur Notfallversorgung während der Pandemie vor. Ihre vollständige Auswertung verspricht Antworten auf derzeit noch offene Fragen: Woran liegt es zum Beispiel, dass während der Pandemie weniger Patientinnen und Patienten nach einem drohenden plötzlichen Herztod vom Rettungsdienst reanimiert werden, das Kurzzeitüberleben dieser Patienten aber gleich zu bleiben scheint?

„Diese Daten entwickeln sich zu einer unverzichtbaren Grundlage für die notfallmedizinische Versorgungsforschung – und darüber hinaus für die Optimierung des Gesundheitswesens in Deutschland“, sagt Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des IRuN. So könne sich die Pandemie als Katalysator herausstellen, um verschiedene Aspekte des Gesundheitssystems unter extremen Gesichtspunkten zu beleuchten. Zu diesen Aspekten zählen unter anderem die Planung von Rettungsmitteln und Einsatzkonzepten, ethische Fragestellungen, aber auch Ausbildung und Personalbedarf im Notfallwesen sowie die klinische Versorgung der Patientinnen und Patienten, so Gräsner.

Für substantielle Themen, wie den Infektionsschutz von Rettungspersonal in der Corona-Pandemie, wurden bei den Bad Boller Gesprächen Konzepte durchdacht, die auch für längst bekannte Herausforderungen des Gesundheitswesens Anwendung finden können, zum Beispiel den Umgang mit multiresistenten Keimen. Dabei wurde etwa der Vergleich zum Gesundheitswesen in den afrikanischen Staaten gezogen, in denen Rettungskräfte sich routiniert vor Erregern schützen, da sie sich regelmäßig mit infektiösen Fieber- und anderen hochansteckenden Krankheiten konfrontiert sehen. „Für Deutschland, das bislang von solchen Erkrankungen verschont war, bedeutet die Corona-Pandemie einen massiven Weckruf und befördert eine erhebliche Lernkurve in der Notfallmedizin“, sagt Prof. Gräsner.
Einen weiteren Schwerpunkt der Veranstaltung bildete in diesem Jahr die Digitalisierung des Faches, die als unverzichtbare Voraussetzung für die Optimierung der Notfallversorgung und die Entwicklung des Rettungsdienstes gilt. Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, gab ein Statement dazu ab.

Zu den Bad Boller Reanimations- und Notfallgesprächen treffen sich Notfallmediziner und Entscheidungsträger der Politik, der medizinischen Fachgesellschaften und Verbände, um zukünftige Konzepte der Notfallversorgung zu entwickeln. Häufig finden diese Konzepte bundesweit Anklang und werden in zahlreichen Initiativen und Projekten mit Leben gefüllt, um eine Verbesserung der Überlebensrate nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu erreichen und das System der Notfallversorgung in Deutschland zu optimieren.

Das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin des UKSH ist nicht nur federführend in die Bad Boller Reanimations- und Notfallgespräche eingebunden, sondern auch bei der Umsetzung der Innovationen im UKSH und darüber hinaus aktiv. So organisiert das IRuN das Deutsche Reanimationsregister, das Europäische Reanimationsregister und ist federführend im weltweiten Reanimationsregister-Netzwerk tätig. Die erste deutsche Resuscitation Academy, die einen ganzheitlichen und interdisziplinären Ansatz zur Verbesserung der Reanimationsversorgung verfolgt, wird seit 2020 als drittmittelgefördertes Projekt durch das IRuN betreut.

Für Rückfragen von Journalisten steht zur Verfügung:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Institut für Rettungs- und Notfallmedizin, Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Tel.: 0431 500-31500, jan-thorsten.graesner@uksh.de

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