Campus Kiel - Luftbild 2019_1240x400

Heilungschancen bei Leukämie in allen Altersgruppen verbessern

Donnerstag, 04. November 2021

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert neue Klinische Forschungsgruppe „CATCH ALL“ an CAU und UKSH zur Verbesserung von Therapieoptionen bei Akuter Lymphoblastischer Leukämie

Großer Erfolg für die Krebsforschenden am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, und der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): Klinikerinnen, Kliniker und Forschende um Professorin Claudia Baldus aus der Hämatologie und Onkologie und Professor Denis Schewe ehemals in der Pädiatrischen Hämatologie und Onkologie haben die Klinische Forschungsgruppe (KFO) „CATCH ALL – Heilungsperspektive für alle Erwachsenen und Kinder mit Akuter Lymphoblastischer Leukämie (ALL)“ eingeworben. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt ab dem kommenden Jahr zur Erforschung und Entwicklung maßgeschneiderter Therapieoptionen bei dieser Form des Blutkrebses mit rund 5 Millionen Euro. Für zunächst vier Jahre werden die 15 am Projekt beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten daran arbeiten, vielversprechende Ansätze aus der Immuntherapie in eine erfolgreiche klinische Anwendung zu überführen. Das übergeordnete Ziel des Projektes ist, neuartige und insbesondere altersübergreifende Therapieformen zu entwickeln und damit für alle Betroffenen die Heilungs- und Überlebenschancen deutlich zu verbessern.
 

Blutkrebs betrifft jedes Lebensalter

Eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern ist die ALL, die meist im Alter von zwei bis fünf Jahren auftritt. Auch Erwachsene jeden Lebensalters erkranken an dieser Form der Leukämie. Sie geht von bösartig entarteten Vorläuferzellen bestimmter weißer Blutkörperchen aus und verursacht eine schnell fortschreitende Verminderung der Knochenmarksfunktion und damit eine gestörte Blutbildung. Unbehandelt kann sie innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen. Die häufigste Form dieses Blutkrebses ist die sogenannte B-Vorläufer-ALL (BCP-ALL), rund 80 Prozent der Fälle oder etwa 600 Kinder beziehungsweise 500 Erwachsene werden in Deutschland jährlich neu mit dieser Krebsart diagnostiziert.

Während im Kindesalter etwa 90 Prozent der Patientinnen und Patienten eine BCP-ALL überleben, sinkt diese Quote auf nur etwa 40 Prozent bei Erwachsenen. Allerdings ist Leukämie bei Kindern die Krebsart, bei der es nach erfolgreicher Behandlung am häufigsten zu einem Wiederauftreten der Krankheit kommt. „Dies zeigt, dass in allen Altersgruppen die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten unzureichend sind und großer Bedarf an verbesserten Therapien herrscht. Dazu hat die Forschung in jüngerer Zeit verschiedene vielversprechende Optionen besonders in der Immuntherapie aufgezeigt. Mithilfe der DFG-Förderung hoffen wir nun, bedeutende Fortschritte bei der Übertragung dieser Erkenntnisse in die klinische Anwendung zu machen“, betont Professorin Claudia Baldus von der Klinik für Innere Medizin II am UKSH in Kiel, Sprecherin der neuen KFO.
 

Immuntherapien in die Klinik bringen

Warum mit steigendem Alter die Überlebenswahrscheinlichkeit bei der BCP-ALL beinahe linear sinkt, ist derzeit noch nicht ausreichend erforscht. Forschende diskutieren, ob unter anderem das häufigere Auftreten bestimmter risikobehafteter Genveränderungen bei Erwachsenen oder auch die im Kindesalter weniger gravierenden Nebenwirkungen etwa der Chemotherapie als Erklärungen infrage kommen. „Grundsätzlich lassen sich Patientinnen und Patienten jedoch altersunabhängig durch das Vorliegen bestimmter genetischer Veränderungen in Risikogruppen einteilen“, betont Baldus. „Im Rahmen der neuen Forschungsgruppe wollen wir künftig genauer verstehen, welche Mechanismen bestimmte Risikofaktoren mit dem tatsächlichen Auftreten der Krankheit verbinden“, so Baldus weiter, die das Forschungsprojekt gemeinsam mit Schewe eingeworben hat. Der Kinderonkologe leitete bis Oktober dieses Jahres die Arbeitsgruppe Translationale ALL-Forschung an der Kieler Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I des UKSH und wird auch künftig an der neuen Forschungsgruppe mitwirken.

Eine wichtige Rolle kommt zudem dem Immunsystem zu, das mit darüber entscheidet, ob eine ALL-Erkrankung neu oder erneut auftritt. Bislang wurde sein Einfluss insbesondere auf sogenannte minimale Resterkrankungen im Knochenmark jedoch nicht systematisch untersucht. „Auch die mit dem Alter variierende Immunreaktion scheint Einfluss darauf zu haben, dass sich die Prognose bei der ALL bei Erwachsenen drastisch verschlechtert“, betont Baldus. „Ein weiteres Ziel unseres Projekts ist es daher, die altersspezifischen Interaktionen zwischen ALL und dem Immunsystem besser zu verstehen“, so Baldus weiter. Dabei ist von großem Wert, dass in Kiel bereits umfangreiche ALL-Studiengruppen sowohl mit den Daten von Erwachsenen als auch von Kindern vorhanden sind. Insgesamt wollen die an der KFO „CATCH ALL“ beteiligten Forschenden am Beispiel der ALL als altersübergreifender Modellerkrankung demonstrieren, wie Erkenntnisse der translationalen Grundlagenforschung in der klinischen Versorgung nutzbar gemacht werden können. Die Kombination aus molekularer Charakterisierung von Leukämiezellen und einem besseren Verständnis der Immunkontrollmechanismen soll künftig dabei helfen, maßgeschneiderte und altersübergreifende Immuntherapiekonzepte für Patientinnen und Patienten zu entwickeln.

Für Rückfragen von Journalistinnen und Journalisten steht zur Verfügung:
Prof. Dr. med. Claudia Baldus
Hämatologie und Onkologie, Klinik für Innere Medizin II,
Medizinische Fakultät, CAU / UKSH, Campus Kiel
0431 500-22501, claudia.baldus@uksh.de

Originalmeldung: 
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Eva Sittig, Text/Redaktion: Christian Urban
Telefon: (0431) 880-2104, E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de

IMG_5909

Prof. Dr. Claudia Baldus, Direktorin der Klinik für Innere Medizin II mit den Schwerpunkten Hämatologie und Onkologie

Bild in Originalgröße
IMG_5643

Prof. Dr. Denis Martin Schewe, Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I

Bild in Originalgröße
Verantwortlich für diese Presseinformation:

Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

  • Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel,
    Tel.: 0431 500-10700, Fax: 0431 500-10704
  • Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck,
    Tel.: 0451 500-10700, Fax: 0451 500-10708