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Neue Erkenntnisse zur Entzündungsreaktion in Kopf-Hals-Tumoren

Montag, 25. Januar 2021

Ein Forschungsteam aus Lübeck und Borstel entdeckt wesentliche Unterschiede bei der Zellzusammensetzung der Entzündungsreaktion in Primärtumoren und Rezidiven von Patienten mit Kopf-Hals-Karzinomen.  Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden nun in der Fachzeitschrift Clinical Cancer Research veröffentlicht und könnten in Zukunft bei der Verbesserung moderner Therapieansätze von großer Bedeutung sein.

In den vergangenen 10 Jahren wurden konventionelle Krebstherapien, wie Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien durch die Einführung der Immuntherapie revolutioniert. Auch für Patienten mit Karzinomen des Kopf-Hals-Bereichs ist der Einsatz neuartiger Immun-Checkpoint-Inhibitoren inzwischen zugelassen. Bei diesem neuen Therapieverfahren wird das körpereigene Immunsystem erkrankter Menschen wieder in Gang gesetzt, das durch die Krebszellen teilweise blockiert und somit inaktiviert wurde.

Die Wirksamkeit dieses Therapieansatzes beruht somit unter anderem auf der Anwesenheit von körpereigenen Immunzellen, welche den Tumor infiltrieren und Krebszellen zerstören können. Diese werden bisher jedoch erst in einem späten Krankheitsstadium eingesetzt und führen hier noch nicht zur erhofften deutlichen Prognoseverbesserung. Im Zuge dieser neuen therapeutischen Möglichkeiten erforscht die Arbeitsgruppe des Instituts für Pathologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck und des Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum unter der Leitung von Herrn Prof. Sven Perner in Kooperation mit der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Phoniatrie und Pädaudiologie des UKSH, Campus Lübeck, die Zusammensetzung des Entzündungszellinfiltrats (Ansammlung von körpereigene oder -fremde Substanz in einem entzündeten Gewebe) von Kopf-Hals-Tumoren im Hinblick auf ihre prognostische und therapeutische Relevanz.

Die Ergebnisse dieser Studie konnten zeigen, dass Patienten mit einem Tumorrezidiv – also einer wiederkehrenden Tumorerkrankung - ein ungünstiges, das Wachstum des Tumors förderndes Immunzellinfiltrat besitzen. Zum Zeitpunkt der Ersterkrankung hatten diese Patienten hingegen zumeist noch eine erhaltene Immunantwort gegen den Tumor. Besonders eindrücklich zeigte sich dieser Unterschied im Verlust von bestimmten T- und B-Lymphozyten im Tumor, welche hauptsächlich verantwortlich sind für die Zerstörung von Tumorzellen. Auch verschiedene Gene, die für eine Entzündungsreaktion wichtig sind, waren in den Tumorrezidiven erniedrigt. Besonders auffällig war der Verlust von sogenannten tertiären lymphoiden Strukturen. Diese ähneln im Aufbau kleinen Lymphknoten, die in der Nähe eines Tumorgeschehens entstehen und maßgeblich an der Ausbildung einer Immunantwort gegen den Tumor beteiligt sind. Die beschriebenen Veränderungen konnten vor allem bei Patienten mit einer vorausgegangen Radio-Chemo-Therapie nachgewiesen werden, wohingegen eine alleinige chirurgische Krebsbehandlung sich weniger negativ auf die Zusammensetzung des Entzündungszellinfiltrats auswirkte.

Die Forscher gehen davon aus, dass der beobachtete Rückgang einer effektiven Immunantwort gegen den Tumor wesentlich zur Rezidiventstehung beiträgt. Die Projektleiterin Dr. Rosemarie Krupar und Christian Watermann sehen in den Ergebnissen zudem eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung bisheriger Therapieansätze. So könnte zum Beispiel die Ausweitung des Einsatzes von Immuntherapien auf einen frühen Zeitpunkt der Krebserkrankung das Therapieansprechen von Kopf-Hals-Tumoren verbessern.

Publikation

Watermann C, Pasternack H, Idel C, Ribbat-Idel J, Brägelmann J, Kuppler P, Offermann A, Jonigk D, Kühnel MP, Schröck A, Dreyer E, Rosero C, Nathansen J, Dubrovska A, Tharun L, Kirfel J, Wollenberg B, Perner S, Krupar R. Recurrent HNSCC Harbor an Immunosuppressive Tumor Immune Microenvironment Suggesting Successful Tumor Immune Evasion.
Clin Cancer Res. 2021 Jan 15;27(2):632-644. DOI: 10.1158/1078-0432.CCR-20-0197

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Dr. med. Rosemarie Krupar
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