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„Kein Täter werden in Schleswig-Holstein“ – Start der Kampagne 2023

Freitag, 06. Oktober 2023

Sexuelle Gewalt gegen Kinder ist häufig und betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche. Für Menschen, die sich zu Kindern sexuell hingezogen fühlen und Probleme haben, mit dieser Veranlagung umzugehen und entsprechende Handlungsimpulse zu kontrollieren, besteht das Präventionsangebot „Kein Täter werden“. Das Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, möchte diesem Ansatz zu größerer Aufmerksamkeit verhelfen und setzt deshalb die Kampagne „Kein Täter werden in Schleswig-Holstein“ fort. Sie soll das Projekt zur Prävention von Kindesmissbrauch erneut in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken, mehr Betroffene auf das Angebot aufmerksam machen und den Kinderschutz in Schleswig-Holstein stärken.

Die crossmediale Kampagne läuft von Anfang Oktober bis 6. November. Wie in den Vorjahren setzt die Kampagne auf Großflächenplakate sowie animierte Werbedisplays in der Landeshauptstadt Kiel. Das Hauptmotiv wird zur Laufzeit auf 300 Großflächen in Schleswig-Holstein zu sehen sein. Begleitend wurde ein Video produziert, in dem der Behandlungsprozess in der Präventionsambulanz am Campus Kiel nachempfunden wird. Ziel der Produktion ist es, die Schwellenangst zu senken, sich bei bestehender Pädophilie an die Ambulanz zu wenden. Außerdem sollen realistische Vorstellungen über die Psychotherapie vermittelt werden.
Das Video ist auf der Website www.kein-taeter-werden.sh abrufbar.

Das Angebot der Präventionsambulanzen ermöglicht es Betroffenen, anonym und kostenfrei an einer sexualmedizinisch-sexualtherapeutischen Diagnostik, Beratung und Therapie teilzunehmen. Das Land Schleswig-Holstein fördert die Informations-Kampagne dazu mit rund 75.000 Euro. Justiz- und Gesundheitsministerin Prof. Dr. Kerstin von der Decken betont: „Mit jedem Betroffenen, der das Angebot annimmt, wird ein wichtiger Beitrag zum Kinderschutz geleistet. Das Projekt bietet wertvolle Hilfe, damit aus Neigungen keine Taten werden. Damit können Missbrauchsfälle verhindert werden.“

Laut Kriminalstatistik 2022 sind in Deutschland 15.520 Fälle des sexuellen Kindesmissbrauchs und 42.075 Fälle für Besitz und Verbreitung von Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder angezeigt worden. Nach empirisch begründeten Schätzungen fühlen sich in Schleswig-Holstein etwa 7.000 Personen sexuell zu Kindern hingezogen. Diese Präferenz wird als „Pädophilie“ bezeichnet und führt zur pädophilen Störung, wenn die Betroffenen darunter leiden oder durch sexuelle Übergriffe auf Kinder Leid verursachen. Pädophilie kann nicht behoben oder geheilt, aber kontrolliert werden.

2005 wurde an der Berliner Charité das Projekt „Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld“ gestartet. Danach wurden an mehreren Orten in Deutschland ähnliche Therapiezentren eröffnet, die sich 2011 zu dem bundesweiten Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ zusammengeschlossen haben. Mittlerweile ist über das Netzwerk an zwölf Standorten in Deutschland professionelle Hilfe für Personen mit pädophilen Neigungen verfügbar – freiwillig, unter Schweigepflicht und seit 2018 als Gesundheitsleistung von der Krankenkasse in einem speziellen multizentrischen Modellprojekt finanziert. Der Kieler Standort ist 2009 eröffnet worden und gehört zu den Gründungsmitgliedern des bundesweiten Präventionsnetzwerks.

Die ersten Befunde zur Wirksamkeit des Kieler Präventionsprogramms sind ermutigend: In einer aktuellen Auswertung konnte gezeigt werden, dass die behandelten Personen besser als vor der Therapie in der Lage sind, ihre auf Kinder oder auf junge Menschen in der Pubertät gerichteten sexuellen Fantasien zu kontrollieren „Die Ergebnisse sind erfreulich und deuten an, dass die angebotenen medizinisch-therapeutischen Interventionen dazu beitragen können, die Gefahr eines sexuellen Kindesmissbrauch zu reduzieren“, sagt Prof. Dr. Christian Huchzermeier, Direktor des Instituts für Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie und Psychotherapie des UKSH, Campus Kiel, sowie Projektkoordinator des ZIP.

Pressebild

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Motiv der crossmedialen Kampagne, die das Präventionsangebot "Kein Täter werden" noch bekannter machen soll.

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Für Rückfragen von Journalistinnen und Journalisten steht zur Verfügung

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP)
Prof. Dr. Christian Huchzermeier
Tel.: 0431 500-98600, E-Mail: Christian.Huchzermeier@uksh.de


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