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Kardiologen am Campus Lübeck setzen erfolgreich neues Therapieverfahren bei Komplikationen nach akutem Herzinfarkt ein

Dienstag, 29. April 2014

Ventrikelseptumdefekt per Kathetermethode ohne Operation verschlossen

Die Kardiologen der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein haben zum ersten Mal in Lübeck eine neue Methode angewandt, um einen Einriss der Herzkammerscheidewand (Ventrikelseptumdefekt) zu behandeln. Der komplizierte kardiologische Eingriff erfolgte bei einer 76-jährigen Patientin nach akutem Herzinfarkt.

Die Patientin hatte vor einigen Tagen einen Herzinfarkt erlitten, der zunächst mittels einer Ballonaufdehnung und Einsetzung einer Gefäßstütze behandelt wurde. Wenige Tage später trat spontan ein Einriss der Herzkammerscheidewand auf. Der Ventrikelseptumdefekt ist eine seltene, aber meist sehr schwerwiegende Komplikation des Herzinfarktes. Unbehandelt versterben fast alle Patienten an Herzversagen.

Mit einer neuen modifizierten Kathetermethode konnte das Team um den Direktor der Medizinischen Klinik II, Prof. Dr. Holger Thiele, die Patientin jetzt ohne Operation erfolgreich behandeln. Der Ventrikelseptumdefekt wurde mit einem speziellen Schirmchen verschlossen. „Gleich nach dem Eingriff, der ohne Narkose durchgeführt wurde, ließ sich die Patientin bereits stabilisieren“, sagte Prof. Thiele. „Sie befindet sich aktuell noch auf der Intensivstation, konnte aber bereits weiter stabilisiert werden.“

Das Mittel der ersten Wahl zum Verschluss des Ventrikelseptumdefektes ist eine Operation. Diese Operation ist allerdings mit einem sehr hohen Risiko verbunden – vor allem, wenn bereits wichtige Organfunktionen der Patienten durch das beginnende Herzversagen beeinträchtigt sind. Bei der Patientin, die jetzt mit dem Katheterverfahren behandelt werden konnte, waren bereits die Nierenfunktion und die Leberfunktion durch das Herzversagen schwer beeinträchtigt. Aus diesem Grund wurde im Expertenteam der Kardiologen und Herzchirurgen am Campus Lübeck entschieden, dass eine Operation wegen des hohen Risikos nicht möglich sei und der Eingriff per Katheter erfolgen sollte.

Prof. Thiele ist Experte für die diese relativ neue kardiologische Kathetertechnik. Er hat sie weltweit mit am häufigsten bei Patienten angewandt, die ein extrem hohes Operationsrisiko haben. „Für mich ist es auch immer wieder eine besondere Herausforderung, diese sehr komplexe Technik einzusetzen. Wir hoffen, in Zukunft diese und andere interventionellen Techniken vermehrt zum Wohle der Patienten anbieten zu können", sagte Prof. Thiele nach dem erfolgreichen Eingriff.

Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Prof. Dr. Holger Thiele, Direktor der Medizinische Klinik II, Tel.: 0451 500-2501

Prof. Dr. Holger Thiele

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Schirmchen im Ventrikelseptumdefekt

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