Campus Kiel - Luftbild

Deutsch-dänisches Projekt für eine Mobile Stroke Unit

Freitag, 16. Juli 2021

Das Universitätsklinikum-Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, untersucht im Rahmen eines Interreg-Forschungsprojekts gemeinsam mit dem Universitätshospital Seeland/Dänemark, ob  eine Mobile Stroke Unit (MSU) bei Schlaganfällen kostbare Lebenszeit retten und Behinderungen vorbeugen kann. Eine MSU ist ein hochspezialisierter Rettungswagen, der mit einem mobilen Computertomographen (CT) und weiterer spezialisierter Medizintechnik ausgestattet ist. Schon am Einsatzort kann so die Ursache des Schlaganfalls diagnostiziert und entschieden werden, welches das bestgeeignete Krankenhaus für die individuelle Behandlung der Patientinnen und Patienten ist. Die am Projekt beteiligten Expertinnen und Experten der Neurologie und Neuroradiologie prüfen die Effekte einer MSU im ländlichen Raum der Fehmarnbelt-Region, um die medizinische Versorgung hier nachhaltig zu verbessern.

Der Schlaganfall (englisch: Stroke) ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Dabei kommt es zu einem plötzlichen Ausfall von Teilen des Gehirns nach einem Gefäßverschluss oder einer Hirnblutung. Pro Minute sterben etwa zwei Millionen Nervenzellen ab. Entscheidend dafür, ob die Patientin oder der Patient stirbt, ein Pflegefall wird oder das bisherige Leben wieder aufnehmen kann, ist vor allem ein Faktor: die Zeit.

Um die Ursache eines Schlaganfalls zu erkennen, werden im CT Schichtbilder des Gehirns angefertigt. In vielen Fällen kann sofort danach mit einer Thrombolyse begonnen werden. Diese medikamentöse Therapie erzeugt eine starke Blutverdünnung, um Blutgerinnsel aufzulösen und Durchblutungsstörungen im Gehirn zu beheben. In schwereren Fällen, wenn eine große Gehirnschlagader verschlossen ist, müssen die Patientinnen und Patienten schnellstmöglich in einer Klinik mit neuroradiologischer Fachabteilung behandelt werden, in der die Spezialistinnen und Spezialisten den Gefäßverschluss per minimalinvasiver Kathetertechnik (Thrombektomie) wiedereröffnen. Bei Vorliegen einer Hirnblutung, die die gleichen Symptome wie eine Durchblutungsstörung haben kann, ist oft eine neurochirurgische Versorgung und die Überwachung auf einer spezialisierten Intensivstation erforderlich.

„Wir sehen gerade im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins viele Schlaganfall-Patienten, die zuerst im nächstgelegenen Krankenhaus versorgt werden und dann in ein Schlaganfallzentrum wie das UKSH mit Neuroradiologie und Neurochirurgie weiterverlegt werden müssen. Wenn man diese zusätzlichen Transporte durch eine MSU vermeiden kann, steigt für die Patienten die Chance auf ein Leben ohne Behinderung“, sagt Prof. Dr. Georg Royl, Oberarzt und Leiter der Stroke Unit an der Klinik für Neurologie des UKSH, Campus Lübeck. Sein dänischer Kollege im Forschungsprojekt, Dr. Troels Wienecke, Oberarzt an der Abteilung für Neurologie des Universitätshospitals Seeland, ergänzt: „Bis zum Beginn einer Thrombolysebehandlung spart man mit einer MSU circa 30 Minuten. Benötigt man eine Thrombektomie zur Entfernung eines Blutgerinnsels, so spart man bis zu 75 Minuten.“ Die Experten werten aktuelle Patientendaten aus um herauszufinden, wie viele Lebensjahre und wie viel Lebensqualität durch den Einsatz einer MSU gewonnen werden könnten. Eine Studie in Berlin hat bereits gezeigt, dass der Einsatz der MSU zu signifikant weniger Behinderungen nach Schlaganfällen geführt hat.

In Europa fahren MSU bisher nur in Berlin, im Saarland und in Norwegen, denn sie sind teuer in der Anschaffung und im Unterhalt. Mit der deutsch-dänischen Fehmarnbelt-Region im Fokus wird erstmals darüber nachgedacht, eine MSU in einem grenzübergreifenden Zusammenhang mit jeweils verschiedenen Gesundheitssystemen einzusetzen. „Es geht in unserem Projekt auch darum, Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen und zu untersuchen, wie sich Betriebskosten senken ließen“, sagt Georg Royl.

„Wir sind mit einem CT-Hersteller über die Entwicklung eines MSU-Fahrzeuges im Gespräch, und wir sind auch mit den regionalen Rettungsdiensten im engen Austausch. Wir wollen abklären, wie eine neue MSU aussehen sollte, welche Infrastruktur für deren Betrieb benötigt wird, und wie die deutschen und dänischen Rettungsdienste hier eventuell grenzübergreifend zusammenarbeiten können“, erläutert Prof. Dr. Peter Schramm, Direktor des Institutes für Neuroradiologie am Campus Lübeck, der im MSU-Projekt als Spezialist für CT-Diagnostik und Katheterbehandlung des Schlaganfalls mitarbeitet.

Das Interreg-Projekt wird im Herbst 2021 zu Ende gehen. Das nächste Ziel ist, einen ausgereiften Projektantrag für die Planung des Testbetriebs einer MSU inklusive einer Dokumentation zu den gesundheitsökonomischen Effekten vorzulegen.

Das UKSH mit seinen Standorten Lübeck und Kiel gewährleistet als einziges Klinikum der Maximalversorgung in Schleswig-Holstein das gesamte Spektrum der Diagnostik und Behandlung von Schlaganfällen. Die Patientinnen und Patienten werden auf intensivmedizinisch ausgerichteten Schlaganfall-Stationen (Stroke Units) behandelt und überwacht. Die Expertinnen und Experten der Neurologie, Neuroradiologie und Neurochirurgie arbeiten dabei fachübergreifend eng zusammen und kooperieren in Schlaganfallnetzwerken mit anderen Kliniken in der Region. Dabei geht es auch darum, die Übernahme der schwer betroffenen Schlaganfallpatienten effektiv zu organisieren.

Film zum Projekt

Pressebild

3779

Prof. Dr. Georg Royl

Bild in Originalgröße

Für Rückfragen von Journalistinnen und Journalisten steht zur Verfügung

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Prof. Dr. med. Georg Royl, Oberarzt, Klinik für Neurologie,
E-Mail: georg.royl@uksh.de, Tel. 0451 500-75331


Verantwortlich für diese Presseinformation:

Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

  • Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel,
    Tel.: 0431 500-10700, Fax: 0431 500-10704
  • Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck,
    Tel.: 0451 500-10700, Fax: 0451 500-10708