CAU und UKSH beteiligen sich an bundesweiter Forschungsallianz gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Kieler Forschende sind in zwei der drei geförderten Großprojekte eingebunden.
Bauchspeicheldrüsenkrebs (englisch: pancreatic ductal adenocarcinoma, PDAC) zählt zu den tödlichsten Krebserkrankungen und wird häufig erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt. Trotz neuer Therapien sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt, unter anderem weil die Tumoren Resistenzen gegen moderne „zielgerichtete Therapien“ entwickeln können. Im Rahmen des Förderschwerpunkts „Deutsche Allianz Pankreaskarzinom“ finanziert die Deutsche Krebshilfe groß angelegte Projekte, die Behandlungsmöglichkeiten und die Prognose von Patientinnen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs grundlegend verbessern sollen.
Die Allianz startet mit drei Forschungskonsortien, die an insgesamt 23 universitären und außeruniversitären Standorten in Deutschland sowie an Universitäten der USA und der Niederlande angesiedelt sind. Gemeinsam arbeiten sie daran, Bauchspeicheldrüsenkrebs auf molekularer Ebene besser zu verstehen und daraus neue, personalisierte Therapiekonzepte zu entwickeln. Moderne Technologien wie künstliche Intelligenz sollen helfen, die individuelle Krebserkrankung klinisch besser zu charakterisieren. Damit sollen Therapien in Zukunft individueller werden und deutlich bessere Ergebnisse zeigen. Forschende der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, sind an zwei der drei geförderten Konsortien beteiligt: DEFEAT-PDAC (Entschlüsselung und therapeutisches Targeting des PDAC-Ökosystems) und ONCOverse (Patientenzentrierte und intuitive Evidenzgenerierung für Bauchspeicheldrüsenkrebs). Die Kieler Forschung in beiden Projekten wird mit rund 1,1 Millionen Euro von der Deutschen Krebshilfe gefördert.
Resistenzen gegen Krebstherapien aufklären
Professorin Susanne Sebens vom Institut für Experimentelle Tumorforschung und Professor Elmar Wolf vom Biochemischen Institut leiten ein Teilprojekt im DEFEAT-PDAC-Konsortium. Ziel dieses Konsortiums ist es, biologische Schwachstellen von Tumorzellen systematisch zu identifizieren und neue kombinierte Behandlungsstrategien zu entwickeln. Neben der direkten Tumorbekämpfung werden auch das Tumormikromilieu – also das Zusammenspiel von Krebszellen mit Immun- und Stromazellen – sowie immuntherapeutische Ansätze berücksichtigt.
Im Mittelpunkt des Kieler Projekts steht das Onkogen MYC. Onkogene sind Teile des Erbguts, die bei übermäßiger Aktivierung das Tumorwachstum fördern. MYC ist bei vielen Tumoren der Bauchspeicheldrüse verstärkt aktiv, insbesondere nach einer Behandlung mit speziellen Chemotherapeutika, den KRAS-Inhibitoren. Es reguliert zahlreiche Gene, die Zellwachstum, Stoffwechsel und Immunabwehr beeinflussen und lässt sich therapeutisch schwer direkt angreifen.
In dem Projekt von Sebens und Wolf geht es darum, die Resistenzmechanismen gegen KRAS-Inhibitoren zu entschlüsseln. „Resistenzen sind das zentrale Hindernis in der Behandlung des Pankreaskarzinoms. Wenn wir verstehen, wie MYC diese Resistenzprogramme steuert, können wir gezielt neue Kombinationsstrategien entwickeln“, erklärt Krebsforscherin Susanne Sebens vom Institut für Experimentelle Tumorforschung am UKSH, Campus Kiel. Im Projekt nutzen sie moderne molekularbiologische Systeme, genetische Screens und präklinische Modelle, um MYC-abhängige Schwachstellen zu identifizieren. „Wir wollen Angriffspunkte identifizieren, die in Kombination mit KRAS-Inhibitoren wirksam sind“, ergänzt Professor Elmar Wolf, Direktor am Biochemischen Institut der Medizinischen Fakultät der CAU. Langfristig sollen die vielversprechendsten Ansätze in klinische Prüfungen überführt werden.
Patientenzentrierte Datenplattform für maßgeschneiderte Versorgung
Professorin Anne Letsch, Leiterin des Onkologischen Zentrums am UKSH, Campus Kiel, und Vorständin des Universitären Cancer Centers Schleswig-Holstein (UCCSH) ist Co-Projektleiterin eines Teilprojekts des ebenfalls von der Deutschen Krebshilfe geförderten Vorhabens „ONCOverse: Patientenzentrierte und intuitive Evidenzgenerierung für Bauchspeicheldrüsenkrebs“. Das Konsortium entwickelt eine digitale Plattform zur strukturierten Erfassung klinischer, molekularer und patientenberichteter Daten. Auf dieser sollen Patientinnen und Patienten alle relevanten Informationen zu ihrem Wohlbefinden, und Behandelnde alle Informationen zu Tumoreigenschaften und einzelnen Therapiefortschritten zusammentragen. „Unser Projekt im Rahmen von ONCOverse stellt die Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt. Mit dem Aufbau einer patientenzentrierten Plattform und eines bundesweiten Netzwerks wollen wir Erkrankte und deren Angehörige informieren, vernetzen und stärken – von der Diagnose bis zur Nachsorge“, erklärt Letsch. Durch digitale Angebote, strukturierte Einbindung von Patientinnen und Patienten sowie innovative Technologien wie virtuelle Realität (VR) werden Patientenerfahrungen systematisch erfasst, Entscheidungsprozesse unterstützt und die Versorgung entlang des gesamten Krankheitsverlaufs verbessert.
Pressetext: Kerstin Nees
Pressekontakte
Prof. Dr. Anne Letsch
Klinik für Innere Medizin II mit den Schwerpunkten Hämatologie und Onkologie,
Medizinische Fakultät, CAU
UKSH, Campus Kiel
Tel.: 0431/500-22555, Anne.Letsch@uksh.de
Prof. Dr. Susanne Sebens
Institut für Experimentelle Tumorforschung
Medizinische Fakultät, CAU
UKSH, Campus Kiel
Tel.: 0431/500-30501, susanne.sebens@uksh.de
Prof. Dr. Elmar Wolf
Biochemisches Institut
Medizinische Fakultät, CAU
Tel.: 0431/880-3336, elmar.wolf@biochem.uni-kiel.de
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Prof. Dr. Anne Letsch von der Klinik für Innere Medizin II mit den Schwerpunkten Hämatologie und Onkologie ist Leiterin des Onkologischen Zentrums am UKSH, Campus Kiel
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Prof. Dr. Susanne Sebens ist Leiterin des Instituts für Experimentelle Tumorforschung an der Medizinischen Fakultät der CAU.
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Prof. Dr. Elmar Wolf leitet seit Dezember 2023 die Forschungsgruppe Tumorbiochemie am Biochemischen Institut der Medizinischen Fakultät der CAU.
Foto: Gunnar Bartsch, Universität Würzburg
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