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Herzchirurgen und Kardiologen am Campus Kiel implantieren erfolgreich Herzklappen ohne große Herz-OP

Donnerstag, 12. März 2009

Ein Ärzteteam am Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein hat unter Leitung des Herzchirurgen Prof. Jochen Cremer und des Kardiologen Prof. Norbert Frey jetzt erste Patienten erfolgreich mit einem katheterbasierten Herzklappenersatz behandelt. Die hierfür speziell hergestellte biologische Herzklappe wird über die Herzspitze oder von der Leiste durch die Körperschlagader über Führungskatheter implantiert, wie sie von der Ballonaufdehnung der Herzkranzgefäße bekannt sind. Das neue Verfahren ist gegenüber der üblichen Operationstechnik deutlich schonender und kann somit Patienten angeboten werden, bei denen die Risiken für eine offene Herzoperation, beispielsweise aufgrund von Begleiterkrankungen, zu hoch sind.

Wenn die Herzklappe zwischen linker Herzkammer und Körperschlagader (Aorta), die sogenannte Aortenklappe, kritisch verengt ist, arbeitet das Herz unökonomisch. Es pumpt gegen einen Widerstand an. Dabei erhöht sich der Druck im Lungenkreislauf und die Durchblutung der Organe über die Körperschlagader wird vermindert. Auf Dauer wird der Herzmuskel geschädigt. Bisher kam in einer solchen Situation nur eine konventionelle Herzoperation über den geöffneten Brustkorb mit Einsatz der Herzlungenmaschine in Frage. Für das neue Verfahren der Katheter-Implantation einer Aortenklappenprothese ist zwar auch eine Vollnarkose notwendig, aber die Herzlungenmaschine bleibt nur in Bereitschaft und muss überwiegend nicht angeschlossen werden. Die exakte Positionierung der Klappe geschieht unter Röntgendurchleuchtung und Herzecho-Kontrolle.

Geradezu beispielhaft ist der Behandlungsverlauf einer 84-jährigen Patientin, die nach einer kathetergestützter Klappenimplantation kürzlich entlassen werden konnte. Bei ausgedehnter Verkalkung der Körperschlagader und zusätzlich noch verschiedenen Begleiterkrankungen war eine konventionelle offene Operation nicht mehr möglich. Dem spezialisierten Operationsteam aus verschiedenen Fachabteilungen, Privatdozent Dr. Georg Lutter, Dr. Majdi Abdelhadi, Prof. Norbert Frey, Prof. Markus Lins und Privatdozent Dr. Jochen Renner ist der schwierige Eingriff am schlagenden Herzen gut gelungen, so dass die rüstige Patientin jetzt wieder optimistisch in die Zukunft sieht.

Momentan gehen die Spezialisten des UK S-H noch von einer geringeren Haltbarkeit der per Kathetertechnik implantierten biologischen Herzklappen gegenüber dem konventioneller Klappenersatz aus. Ursache dafür ist, dass die Verkalkungen der Klappe bei dem Verfahren mit Kathetertechnik nicht - wie sonst üblich - entfernt werden. Aktuell wird die Katheterklappenimplantation am UK S-H in Kiel und Lübeck wie auch an verschiedenen anderen Herzzentren deshalb nur bei jenen Patienten angewandt, bei denen keine offene Herzoperation durchgeführt werden kann.

Bildmaterial kann per E-Mail an anette.cornils@uk-sh.de angefordert werden.

Für weitere Informationen stehen zur Verfügung:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, Campus Kiel
Prof. Dr. Jochen Cremer und PD Dr. Georg Lutter
Tel. 0431 597-4401

Verantwortlich für diese Presseinformation:

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Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

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