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Allergische Reaktionen auf Heparine bei Schwangeren besonders häufig

Donnerstag, 13. Juni 2013

Eine von einem internationalen, interdisziplinären Forscherteam aus Internisten, Gynäkologen, Gerinnungsspezialisten und Hautärzten durchgeführte epidemiologische Studie zeigt, dass durch Heparin verursachte Hautveränderungen bei fast jeder fünften schwangeren Patientin unter Heparin-Gabe auftreten. „Wir können mit dieser Studie zeigen, dass die Heparin-Gabe besonders bei Schwangeren in einem hohen Anteil zu allergischen Reaktionen führt. Die Wahl des Heparin-Präparates scheint dabei einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung allergischer Reaktionen zu haben“, sagt Prof. Dr. Ralf Ludwig, der mit seiner wissenschaftlichen Arbeitsgruppe in der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, an der Studie beteiligt war. Die Arbeit wurde im Juni dieses Jahres im Fachjournal „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht.

Während eines stationären Krankenhausaufenthalts werden zur Vorbeugung vor Thrombosen häufig sogenannte „Bauchspritzen“ verwendet, die den Wirkstoff Heparin enthalten. Heparine blockieren an verschiedenen Stellen die Blutgerinnung und verhindern so effektiv das Auftreten von Thrombosen. Darüber hinaus werden Heparine auch zur Therapie bei wiederholten ungewollten Aborten und bei schwangeren Patientinnen mit Gerinnungsdefekten eingesetzt. Die genaue Wirkstoffzusammensetzung ist bei allen zur Verfügung stehenden Heparin-Präparaten unterschiedlich.

Eine mögliche Nebenwirkung der Heparin-Therapie ist das Auftreten von Hautveränderungen, die als Rötungen an den Einstichstellen entstehen können. Häufigste Ursache dieser durch Heparin bedingten Hautveränderungen ist eine verzögerte allergische Reaktion (wie z.B. bei Nickel). In seltenen Fällen kann auch eine potentiell lebensbedrohliche Heparin-bedingte Thrombozytopenie die Ursache für Hautveränderungen unter Heparin-Therapie sein. Daher sind Kenntnisse zur Häufigkeit und zu den Ursachen Heparin-bedingter Hautveränderungen wichtig, um diese beim Auftreten richtig behandeln zu können. Insgesamt wurden 111 Patientinnen in die Studie eingeschlossen und bei 22 wurden Heparin-bedingte Hautveränderungen festgestellt. In allen Fällen war eine verzögerte Kontaktallergie die Ursache der Hautveränderungen.

Die Studien-Ergebnisse tragen zu einer differenzierten und individuellen Auswahl des Heparin-Präparates zur Behandlung des einzelnen Patienten bei. „Die in der Studie erhobenen allergologischen Erkenntnisse sind sicherlich ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl des Heparin-Präparates. Wenn eine gerinnungshemmende Therapie notwendig ist, müssen für die individuelle Therapieentscheidung allerdings auch weitere relevante Eigenschaften der Heparine auf jeden Fall mit einbezogen werden, wie z.B. ihre entzündungshemmende und anti-metastatische Wirkung“, betont Prof. Ludwig.

Studie: Marc Schindewolf, Corinna Gobst, Hartmut Kroll, Andreas Recke, Frank Louwen, Manfred Wolter, Roland Kaufmann, Wolf-Henning Boehncke, Edelgard Lindhoff-Last and Ralf J. Ludwig. High incidence of heparin-induced allergic delayed-type hypersensitivity reactions in pregnancy J Allergy Clin Immunol 2013. http://dx.doi.org/10.1016/j.jaci.2013.02.047

Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie
Prof. Dr. Ralf Ludwig, Tel.: 0451 500-2541, E-Mail: ralf.ludwig@uksh.de

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