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Krebs im Kindesalter: Nachsorge ist Vorsorge

Montag, 07. April 2014

Erstmals in Schleswig-Holstein: UKSH-Nachsorge-Sprechstunde für Patienten mit Risiko für Langzeitfolgen nach Krebsbehandlung

Mehr als 80 Prozent der 1800 Kinder unter 15 Jahren, die in Deutschland jährlich neu an Krebs erkranken, können heute geheilt werden. Die häufigsten Krebsarten im Kindes- und Jugendalter sind Leukämien, Hirntumoren und Lymphome sowie bösartige Knochentumoren wie das Osteosarkom und das Ewing-Sarkom.

Behandelt werden diese onkologischen Erkrankungen in der Regel mit Chemotherapien und Bestrahlungen, die ihre Spuren auch in den gesunden Zellen des Körpers hinterlassen. „Das erklärt, warum auch viele Jahre nach einer überstandenen Krebserkrankung noch gesundheitliche Beschwerden auftreten können, deren Ursprung auf die Krebstherapie zurückgeht“, sagt der Kinderonkologe Prof. Dr. Thorsten Langer, Oberarzt in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Campus Lübeck (Direktion: Prof. Dr. Egbert Herting).

Insbesondere das Herz, die Hormondrüsen, die Knochen und das Gehör können von Folgeschäden einer intensiven onkologischen Therapie im Kindesalter betroffen sein. Während in der ersten Zeit nach der Behandlung noch regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen stattfinden, fehlt es an interdisziplinären Strukturen zur systematischen Nachbetreuung der Patienten im weiteren Verlauf ihres Lebens.

„Wer Jahre nach seiner Krebserkrankung Beschwerden bekommt, findet oft nicht den richtigen Ansprechpartner. Diese Versorgungslücke muss geschlossen werden“, fordert Prof. Langer. Er setzt sich seit Jahren für eine strukturierte Krebsnachsorge ein, um sicherzustellen, dass eventuelle Komplikationen und Spätfolgen rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Campus Lübeck begann PD Dr. Melchior Lauten, Leiter der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie, bereits früh, die erste interdisziplinäre Nachsorge-Sprechstunde für junge Erwachsene in Schleswig-Holstein zu etablieren, die als Kind oder Jugendlicher eine Krebserkrankung überstanden hatten. 2013 gelang es durch Spendengelder der NDR-Aktion „Hand-in-Hand für Norddeutschland“ eine Ärztin einzustellen, die sich nun speziell um die ehemaligen Krebspatienten kümmern kann.

Prof. Dr. Langer kam im August 2013 nach Lübeck und setzte sich als Leiter der Arbeitsgruppe Late Effects Surveillance System (LESS) der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) für die Interdisziplinarität der neuen Nachsorgesprechstunde konsequent ein. Prof. Dr. Langer sagt: „Die Langzeitbeobachtung dient dazu, das Wissen um mögliche Spätfolgen von Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter stetig zu erweitern“. In der neuen Sprechstunde arbeitet der Mediziner nun mit dem Internisten Prof. Dr. Georg Brabant, Bereichsleiter für Experimentelle Endokrinologie in der Medizinischen Klinik I am Campus Lübeck, zusammen. Ärzte weiterer Disziplinen können bei Bedarf hinzugezogen werden.

Die jungen Patienten werden in der Sprechstunde eingehend untersucht und beraten. Sie erhalten einen sogenannten Nachsorge-Kalender, der unter dem Motto „Nachsorge ist Vorsorge“ alle wichtigen Empfehlungen zu einer effektiven Krebsnachsorge enthält. Alle Befunde – auch die Eckdaten der ursprünglichen Krebstherapie – sollten in diesen Kalender eingetragen werden. Prof. Langer: „Damit möchten wir eine Dokumentation sowohl des Verlaufs der Erkrankung als auch der Nachsorge erreichen.“

Vorteil für die Patienten: Sie erhalten ein praktisches Instrument, um sich selbst Rechenschaft über die Nachsorgeuntersuchungen abzulegen und ihre Nachsorge optimal zu organisieren.

Ihre Daten können darüber hinaus zur weiteren Erforschung von Spätfolgen beitragen. Sie werden, wenn die Patienten einverstanden sind, von der Arbeitsgruppe LESS des Nachsorge-Netzwerkes der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) zentral dokumentiert, analysiert und ausgewertet.

Die Nachsorge-Sprechstunde findet jeweils freitags vormittags statt. Anmeldungen nimmt Anna Petersdorf unter der Telefonnummer 0451 500-2360 entgegen.

Weitere Informationen zu LESS unter www.nachsorge-ist-vorsorge.de

Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Prof. Dr. Thorsten Langer
Tel: 0451 500-2045, Mail: thorsten.langer@uksh.de

Verantwortlich für diese Presseinformation:

Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

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