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Lungenexperte des UKSH für Tuberkulose-Forschung ausgezeichnet

Freitag, 27. Mai 2022

Prof. Dr. Jan Heyckendorf, komm. Leiter der Lungenklinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, ist von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) mit dem DGP-Forschungspreis 2022 für die beste „Klinische Forschung“ ausgezeichnet worden. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis erhält der zuvor am Forschungszentrum Borstel (FZB) tätige Mediziner, der auch Professor an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel ist, gemeinsam mit dem Biologen Dr. Sebastian Marwitz und der Epidemiologin Maja Reimann, beide am FZB, für die Entdeckung eines neuen Biomarkers mit dem Ziel, die Dauer der Tuberkulosetherapie zu individualisieren.

Die Behandlung der Tuberkulose ist langwierig, anspruchsvoll und teuer. Insbesondere das immer stärkere Auftreten resistenter Tuberkulosebakterien erfordert viel Geduld: In diesen Fällen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation in der Regel eine Standardbehandlungsdauer von mindestens 18 Monaten, da es bisher keine zuverlässigen Biomarker für eine vorzeitige Beendigung der Therapie gab. „Der fehlende Nachweis des Tuberkuloseerregers Mycobacterium tuberculosis ist aufgrund des Rückfallrisikos keine Garantie für eine dauerhafte Heilung der Lungeninfektion“, erklärt Prof. Heyckendorf. „Andererseits ist die lange Therapiedauer für die Betroffenen sehr belastend, da sie oft mehr als vier Antibiotika pro Tag einnehmen müssen und unter Nebenwirkungen leiden.“

Um einen sicheren Anhaltspunkt für ein Therapieende zu finden, machte sich das Team Prof. Heyckendorf und Studienleiter Prof. Dr. Dr. Christoph Lange, Medizinischer Direktor am Forschungszentrum Borstel, auf die Suche nach alternativen Biomarkern. In der am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) durchgeführten Studie konnte in Zusammenarbeit mit internationalen Tuberkulosezentren auf der Basis von Patientenkohorten ein KI-basiertes Modell für das Therapieende entwickelt werden, das auf einer RNA-Bestimmung im Blut beruht. Der Forschungsgruppe war es in sechsjähriger Arbeit gelungen, einen Biomarker zu identifizieren, der anhand der Aktivität von 22 Genen auf ein individuelles Therapieende hinweist.

„Die Produktion der RNA dieser 22 Gene im menschlichen Blut kann uns sagen, ob der Patient geheilt ist“, fasst Prof. Heyckendorf zusammen. „Die Individualisierung der Behandlungsdauer ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Präzisionsmedizin bei Tuberkulose.“ Als nächsten Schritt planen die Forschenden eine prospektive Studie, in der die Patientinnen und Patienten in einem Studienarm so lange behandelt werden, wie es der Biomarker nahelegt, während die Erkrankten im anderen Arm so lange behandelt werden, wie es das nationale Tuberkuloseprogramm empfiehlt. „Wir sind zuversichtlich, dass es dann möglich sein wird, bei Patientinnen und Patienten mit multiresistenter Tuberkulose im Schnitt etwa ein Drittel der Behandlung einzusparen“, sagt Prof. Heyckendorf.

Hintergrund:

Prof. Dr. Jan Heyckendorf ist seit Januar 2022 Professor für Pneumologie mit Schwerpunkt chronisch entzündlicher Lungenerkrankungen an der CAU zu Kiel und kommissarischer Leiter der Lungenklinik am UKSH, Campus Kiel. Zuvor war der Mediziner stellvertretender Ärztlicher Leiter der Medizinischen Klinik des Forschungszentrums Borstel – Leibniz Lungenzentrum.

Mit der  Lungenklinik geht die international anerkannte klinische Forschung des Forschungszentrums Borstel seit Januar 2022 eine enge klinische Kooperation in der Pneumologie und Infektiologie mit dem UKSH, Campus Kiel, ein. Insbesondere für schwere und komplexe Erkrankungen werden an der neuen interdisziplinären Einheit am UKSH optimale Strukturen geschaffen, die eine hochspezialisierte Versorgung möglich machen.

So wurde jüngst eine neue Spezialstation mit sieben Betten zur Versorgung von schwierig zu behandelnden Tuberkulose-Patienten bzw. Erkrankte mit Multiresistenter Tuberkulose eröffnet. Darüber hinaus widmet sich die Klinik auf breiter Ebene Erkrankungen wie Lungenentzündung, Asthma oder der Tuberkulose, der Diagnose und Behandlung von Karzinomen oder der Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), aber auch seltenen Leiden wie Sarkoidose, Lungenfibrose, Lungenemphysem oder Lungenhochdruck.

Für Rückfragen von Journalistinnen und Journalisten steht zur Verfügung

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Lungenklinik, Prof. Dr. Jan Heyckendorf
Tel.: 0431 500-19004, Jan.Heyckendorf@uksh.de 


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