Weiterentwicklungen in der Medizin sind ohne eine intensive Forschung nicht denkbar. Das Forschungslabor ist Teil der Klinik für Chirurgie am Campus Lübeck und arbeitet u.a. in enger Kooperation mit dem zertifizierten (ISO 9001) Interdisziplinären Centrum für Biobanking-Lübeck (ICB-L) und dem IT Center for Clinical Research (ITCR-L) zusammen. Diese Infrastruktur bietet eine ideale Voraussetzung für die medizinische Forschung.
Das Chirurgische Forschungslabor beschäftigt sich mit spezifischen Expressionsprofilen von Tumoren und der funktionellen Analyse detektierter Zielproteine für die personalisierte Medizin.
Über das Chirurgische Forschungslabor
Das Chirurgische Forschungslabor, Klinik für Chirurgie, führt schwerpunktmäßig Untersuchungen auf dem Gebiet der molekularen Onkologie durch. Das Labor ist ausgestattet mit allen notwendigen labortechnischen Geräten der Molekularbiologie, Proteinbiochemie und Zellbiologie. Die Sektion stellt zudem einen Bestandteil des in Beantragung befindlichen Universitären Cancer Centers Schleswig-Holstein (UCCSH).
Auf dem Gebiet der Tumorforschung gilt das besondere Interesse dem Kolon-, Brust-, Lungen-, Prostata- und Pankreaskarzinom. Verschiedene OMICs-Analysen im Bereich der Genomik, Transkriptomik und Proteomik kommen dabei zum Einsatz, um Veränderungen auf DNA-, RNA- und Protein-Ebene zu identifizieren und so die Mechanismen der Tumorentstehung zu entschlüsseln. Die Identifizierung innovativer Biomarker steht dabei im Fokus, um die Individualdiagnostik, Therapie, Prognose und Nachsorge zu verbessern. Identifizierte Biomarker werden in den Kontext der Inter- und Intra-Tumorheterogenität gesetzt, systembiologisch korreliert und in ihrer Wertigkeit für innovative Therapien getestet.
Ein weiterer Schwerpunkt der Tumorforschung gilt der verbesserten Früherkennung von Karzinomen. Hierfür werden in Zusammenarbeit mit akademischen und industriellen Partnern zirkulierenden Tumorzellen (CTCs) detektiert, isoliert und kultiviert sowie ProteinChips für das bevölkerungsweite Screening entwickelt. Beide Teilbereiche sind eng mit dem Chirurgischen Studienzentrum für klinische Studien im eigenen Hause vernetzt und werden im Rahmen klinischer Studien für die praktische Anwendung getestet.
Im Rahmen des klinischen Biobankings von Gewebe- und Flüssigproben und der Erforschung von präanalytischen Einflussparametern (Biospecimen Research) arbeitet das Chirurgische Forschungslabor eng mit dem zertifizierten Interdisziplinären Centrum für Biobanking-Lübeck (ICB-L) zusammen. Diese Forschungsallianz bietet mit seiner Infrastruktur ideale Voraussetzungen, um über die standardisierte Sammlung qualitativ hochwertiger Biopsien, Forschungsergebnisse in die Klinik zu translatieren.
Arbeitsgruppen
AG Genomische Instabilität & Proteomanalytik
Das Ziel der klinischen Proteomforschung ist es, eine individualisierte Medizin (Diagnose, Prognose, Therapie & Nachsorge) mit Hilfe von Proteinbiomarkern zu ermöglichen. Dabei liegt der Schwerpunkt in der onkologischen Forschung, bei der zum einen die Bedeutung genomischer Instabilität für die Entstehung und Progression solider Tumoren und zum anderen die Identifizierung und Charakterisierung von Proteinen, Autoantikörpern, CTCs (Circulating Tumor Cells), Thrombozyten und anderen Kompartimenten im Blut bzw. Körperflüssigkeiten (Liquid Biopsy) untersucht wird.
Während Genom- und Transkriptom-Analysen schon heute eine wichtige Grundlage für die individuelle Medizin darstellen, werden Proteinanalysen in Zukunft noch detaillierter und zielgerichteter erlauben, den Krankheitsphänotyp und geeignete Therapieziele zu definieren. Vor diesem Hintergrund wurden in der Arbeitsgruppe komplexe Methoden (ESI- & MALDI-MS, 2-DIGE, MALDI-Imaging, quantitativer Western Blot) im klinischen Kontext etabliert, deren Ergebnisse u.a. in enger Kooperation mit Kliniken und Instituten des UCCSHs erarbeitet wurden.
AG Flüssigbiopsien & Probenanalytik
Die klassische Gewebebiopsie ist der Goldstandard in der Tumordiagnostik. Diese kann jedoch nur durch einen invasiven operativen Eingriff gewonnen werden und birgt somit ein gewisses Risiko.
Hinzukommt, dass das Krebsgenom einer dynamischen Evolution unterliegt und zu einer molekularen Tumorheterogenität der Tumore führt. Flüssigbiopsien (Liquid Biopsies) sind daher eine sehr gute Alternative, um eine nicht-invasive, serielle Probenabnahme zu ermöglichen.
Ein Schwerpunkt der Arbeitsgruppe liegt auf der Multi-Omics-Analyse von Tumorkomponenten, die im Blut nachweisbar sind: zirkulierende Proteine & Tumorzellen (circulating tumor cells, CTCs), zellfreie Tumor-DNA (cfDNA), Thromboyzten und extrazelluläre Vesikel.
Diese Komponenten können die Tumorheterogenität widerspiegeln und für die Identifizierung neuer molekularer Biomarker dienlich sein. Hierfür stehen der Arbeitsgruppe verschiedene Multiplexing Verfahren im Bereich Nucleinsäure und Proteinbiochemie zur Verfügung.
Ein Ziel der Arbeitsgruppe ist es, Ergebnisse der Liquid Biopsy-Untersuchungen für die frühe Krebsdiagnostik einzusetzen, wie es in dem von der WT.SH geförderten Verbundprojekt EMECK (Entwicklung einer Multi-Entitäten-Software zur Krebsfrüherkennung) geplant ist.
AG Biobanking & Bioinformatik
Patientenmaterial ist ein wichtiger Bestandteil der biomedizinischen Forschung. In Biomaterialbanken werden Patientenproben (Gewebe, Serum, Plasma, etc.) unter standardisierten Bedingungen gesammelt und gelagert.
Die Verlässlichkeit der Untersuchungsergebnisse in Routinediagnostik und Forschung ist direkt von einer gleichbleibend hohen Probenqualität der in Biobanken gelagerten Patientenproben abhängig.
Ziel der Arbeitsgruppe ist die Entwicklung und Bereitstellung eines Portfolios an Methoden zur Qualitätstestung von klinischen Gewebe- und Flüssigproben auf DNA-, RNA- und Proteinebene.
Untersucht wird u.a. der Effekt unterschiedlicher Lagerungsmodalitäten (Lagertemperatur, Lagerdauer, etc.) auf die Probenqualität. Wir arbeiten in diesem Forschungsbereich besonders eng mit dem Interdisziplinären Centrum für Biobanking-Lübeck (ICB-L) der Universität zu Lübeck zusammen und sind in Projekte aus dem akademischen Bereich und der Industrie eingebettet (Landesförderung Schleswig-Holstein, AKELOP (Entwicklung einer automatisierten Kryoeinrichtung zur Lagerung organischer Proben)).
In einem weiteren Forschungsbereich liegt der Fokus der Arbeitsgruppe in der Auswertung großer molekularer und klinischer Datensätze aus der onkologischen Forschung.
Neben der Anwendung von Standardverfahren für die Datenanalyse arbeitet die AG ‘Klinisches Biobanking und Bioinformatik’ intensiv an der Erforschung und Optimierung neuartiger Verfahren und an der Implementierung benutzerfreundlicher Software und Auswertepipelines.
Methodische Forschungs-Schwerpunkte sind die Verbesserung der integrativen Auswertung unterschiedlicher, aber aufeinander bezogener Datensätze (multi-Omics-Analysen) und die Anwendung von Verfahren des maschinellen Lernens.
Team
Leitung

Prof. Dr. Timo Gemoll, M. Sc.
Sekretariat

Arbeitsgruppenleiter

Wissenschaftliche Mitarbeiter




Kollaborationen
Dr. Stefan Lehr
Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ)
Düsseldorf, Deutschland
Prof. Dr. Rafat El-Awady
Department of Pharmacy Practice & Pharmacotherapeutics
University of Sharjah, Sharjah, United Arab Emirates
Hans Jörnvall, Professor, M.D., Ph.D.
Department of Medical Biochemistry and Biophysics
Karolinska Institutet, Stockholm, Sweden
Sampsa Hautaniemi, Docent, Ph.D.
Biomedicum Helsinki
University of Helsinki, Finland
Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten
Im Chirurgischen Forschungslabor, Klinik für Chirurgie, Campus Lübeck (Direktor Prof. Dr. med. Tobias Keck), suchen wir Medizin- und Life Science-Studenten für Praktika, Bachelor- und Masterarbeiten. Der Forschungsschwerpunkt unserer Gruppe liegt im Bereich Genomics, Transcriptomics und Proteomics von Tumorerkrankungen. Die Projekte sind in regionale, überregionale und internationale Kooperationen eingebunden (z.B. Karolinska Institute, Stockholm; Ludwigs Institute for Cancer Research, Uppsala; National Cancer Institute, NIH, Bethesda, USA).
Als Voraussetzungen sollten Sie Student/in der Fachrichtung Medizin, Molekulare Biologie, Biochemie, Biotechnologie oder Life Science sein. Erfahrungen im Bereich Molekularbiologie und Proteinbiochemie sind wünschenswert.