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Geschichte der Frauenklinik

 

kircheHerzog Friedrich der III. von Schleswig-Holstein-Gottorf erhielt am 26.4.1652 vom Deutschen Kaiser Ferdinand dem III. das notwendige Privileg zum Errichten einer Hohen Schule. Sein Sohn Herzog Christian Albrecht (1616-1659) konnte am 5.10.1665 unter 3 Tage anhaltenden Feierlichkeiten die Kieler Universität eröffnen. Bis in das 18. Jahrhundert hinein war Geburtshilfe Sache der Hebammen, bei denen es sich um unbescholtene Ehefrauen oder Witwen handelte.

Sie bezogen ihre Kenntnisse aus eigenen Geburten. Schwangerschaft und Geburtsverlauf wurden als gegebenes Schicksal angesehen. Unter den damaligen Umständen war ein Mitwirken der Ärzte in der Geburtshilfe von untergeordnetem Wert, da sie selbst keine praktischen Kenntnisse besaßen und diese auch nicht im Universitätsstudium erlangen konnten. Die entscheidende Wende erfolgte in Kiel in Frühjahr 1805 mit der Eröffnung des ersten Kieler Gebärhauses, wo Hebammen und Medizinstudenten Gelegenheit zur praktischen Ausbildung erhielten. Gleichzeitig wurde ein ordentlicher Lehrstuhl für Geburtshilfe eingerichtet.

 

seeAls ersten ordentlichen Professor der Geburtshilfe, Direktor und Oberlehrer der Hebammenanstalt berief man 1805 den 35-jährigen Christian Rudolf Wilhelm Wiedemann. Wiedemann, Direktor der Kieler Entbindungsanstalt von 1805 bis 1840, war nach seinem Medizinstudium in Jena Professor der Anatomie in Braunschweig und erweiterte seine geburtshilflichen Kenntnisse in Paris. In Kiel widmete er sich der Hebammen- und Studentenausbildung. Er schrieb ein Hebammenlehrbuch und setzte eine Hebammenordnung, die das Herzogtum in 500 Hebammendistrikte unterteilte, durch. In den letzten Jahren seiner Amtszeit übertrug Wiedemann die Leitung der Gebäranstalt seinem Pflegesohn und Schüler Gustav Adolph Michaelis.

 

michaelisDie Schwerpunkte der klinischen und wissenschaftlichen Arbeiten von Michaelis galten der Geburtsmechanik, der Lehre von den Beckenebenen und Methoden zur Beckenmessung. Er gilt als Begründer der funktionellen Geburtshilfe und Entbindungskunst. Michaelis war Direktor der Entbindungsanstalt von 1840-1848. Seine Einsicht und innere Überzeugung machten ihn zum Anhänger und Verfechter der neuen Lehre über die Puerperalsepsis von Semmelweis.

 

 

adametzAufsehen erregte er außerdem 1837 mit der Veröffentlichung "Vierter Kaiserschnitt der, mit glücklichem Erfolge für Mutter und Kind" in der Neuen Zeitschrift für Geburtskunde ( "Mulier Holsatica, Adametz nomine, Sectionem Caesaream quartum perpessa 1836, G.A.MICHAELIS")

 

 

 

litzmanCarl Conrad Theodor Litzmann war Ordinarius von 1849-1885. Bald nach seinem Amtsantritt vervollständigte er das unvollendet gebliebene Buch von Michaelis und besorgte 1851 dessen Herausgabe. Dem Andenken an Michaelis widmete Litzmann 1884 seine zusammenfassende Monographie "Die Geburt bei engem Becken nach eigenen Beobachtungen und Untersuchungen." Der hintere Asynklitismus ist bis heute unter dem Terminus " Litzmannsche Obliquität " geläufig.

 

 

schuleDer Litzmannsche Bau auf dem Klinikhügel wurde zwar im 2. Weltkrieg zerstört, besteht aber nach dem weiteren Ausbau der Universitätsfrauenklinik als deren Gebäudeteil weiter. Das Bild zeigt den Neubau der Kieler Gebäranstalt der Christian-Albrechts-Universität auf dem Klinikhügel im Sommer 1862.

 

werthAls Richard Werth 1885 die Leitung der Kieler Frauenklinik übernahm, stand die Geburtshilfe an der hiesigen Klinik in voller Blüte. Werth entwickelte 1878 die Etagennaht und veröffentlichte 1903 seine Erfahrungen mit 160 ungestörten primären Wundheilungen. Außerdem arbeitete er auf dem Gebiet der ovariellen Ausfallserscheinungen und prägte in seiner Arbeit über die Extrauteringravidität den Begriff des Tubarabortes.

 

 

pfannenstielHermann Johannes Pfannenstiel, Kieler Ordinarius von 1907 bis 1909, widmete sich in seiner Forschung unter anderem der Physiologie der Eieinbettung, den Ovarialtumoren bei gravidem Uterus, der Fortpflanzungsfähigkeit des Weibes nach Geschlechtskrankheiten und dem habituellen Icterus gravis beim Neugeborenen.

Am 9. Mai 1909 gründete er zusammen mit Hermann Staude die Nordwestdeutsche Gesellschaft für Gynäkologie. Der mit seinem Namen verbundene suprasymphysäre Faszienquerschnitt wurde von ihm erstmals während seiner Tätigkeit als Leiter der gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses der Elisabethinerinnen in Breslau durchgeführt.

 

schnittIm Jahre 1891 wurde er Schriftführer der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und 1896 Mitherausgeber des Archives für Gynäkologie. Nach einer kleinen Stichverletzung bei der Operation eines eitrigen Ovarialtumors starb Pfannenstiel am 3. Juli 1909 an einer Sepsis.

stoeckelMehr als ein Jahr nach dem Tod von Pfannenstiel übernahm Walter Stoeckel den Lehrstuhl in Kiel. Nach 5jähriger Assistenz- und Oberarztzeit bei Fritzsch in Bonn, Veit in Erlangen und Bumm in Berlin trat er als 36jähriger die Nachfolge von Ahlfeld in Marburg an.

Als er dem Ruf nach Kiel folgte, hatte er schon reichlich Erfahrungen auf urogynäkologischem Gebiet gesammelt und begann 1910 sogleich mit einer außerordentlich intensiven wissenschaftlichen und publizistischen Tätigkeit.

Mit Erna von Arnim wurde durch Stoeckel erstmals eine Assistentin an einer deutschen Frauenklinik eingestellt.

 

bobbyAls Stoeckel 1922 einem Ruf an die Leipziger Frauenklinik folgte, übernahm der 38jährige Rostocker Robert Schröder den Kieler Lehrstuhl. Bedeutsame histologische Arbeiten über die zyklischen Veränderungen am weiblichen Genitale, über die Beziehungen zwischen Ovar und Endometrium, sowie die erste Auflage seines Lehrbuches für Gynäkologie brachten ihm schon in jungen Jahren den ersten Ruhm. Seine umfassende Lehre vom periodischen Geschehen im weiblichen Genitale gehört seither zu den Grundlagen der theoretischen und praktischen Gynäkologie.

 

 

phillipProfessor Ernst Phillipp, von 1937 bis 1961 als Nachfolger von Robert Schröder Direktor der Klinik, hatte die schwersten Jahre in der Geschichte der Anstalt durchzustehen.

Phillipp, vorher Assistent bei Bumm und Oberarzt bei Stoeckel, mußte mit ansehen, wie Angriffe mit Sprengbomben im Januar, Mai, Juli und August 1944 die Klinik total zerstörten. Ausweichquartiere boten sich in einem Marine-Hochbunker im Kieler Stadtteil Wik und im Städtischen Krankenhaus in Schleswig. Trotz der widrigen Umstände waren Phillipp und seine Mitarbeiter wissenschaftlich tätig. Schwerpunkte waren die Hormonforschung mit zahlreichen Arbeiten zur Diagnostik und Therapie der Ovarialinsuffizienz, Arbeiten zur Entstehung der Endometriose und zur Plazenta als endokrinologisches Zentrum während der Schwangerschaft. Im Jahre 1960 wurde Phillipp Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie.

 

kriegReste der Werke von Litzmann und Werth nach den Bombenangriffen 1944/45. Im Vordergrund stehen nur noch die Grundmauern des ehemaligen Direktorhauses (Blick von Süden).

 

 

huberHerbert Huber übernahm im Mai 1963 das Erbe von Phillipp und führte die Klinik bis zum 30. September 1970. Seine Laufbahn begann er als Assistent bei Phillipp in Greifswald, wo er sich gemeinsam mit seinem Lehrer der Erforschung der Endometriose widmete. 1954 bis 1963 war er Ordinarius in Marburg. In seiner Kieler Zeit setzte er im wesentlichen die Forschung im Sinn von Ernst Phillipp fort. Aus der Direktoratzeit von Huber und Phillipp gingen mit den Professoren Hörmann, Wulf und Lauritzen drei Lehrstuhlinhaber hervor.

 

semmAm 1. Oktober 1970 wurde der Münchner Kurt Semm Direktor der Kieler Universitätsfrauenklinik. Der am 23. März 1927 geborene Kurt Karl Stephan Semm studierte nach seiner Lehre als Werkzeugmacher in seiner Heimatstadt München Medizin und legte 1950 das Staatsexamen ab. Am 1. Oktober 1953 erhielt er seine erste Assistentenstelle an der II. Universitäts-Frauenklinik München. Unter dem Dekanat von Adolph Butenandt habilitierte er sich 1958 mit dem Thema Das Wehenproblem mit besonderer Berücksichtigung des Oxitocin-Oxytocinase Haushaltes. Im Jahre 1959 wurde Semm zweiter Oberarzt an der Frauenklinik Lindwurmstrasse. Durch Gründung der Deutschen Gesellschaft zum Studium der Fertilität und Sterilität mit R. Fikentscher 1957 war Semm als ständiger Sekretär der Gesellschaft mit der Thematik verbunden und entwickelte Dank seiner handwerklichen und physikalischen Vorbildung zahlreiche Instrumente und Apparate, vornehmlich auf dem Reproduktionssektor.

1961 führte Semm die Laparoskopie in der Münchner Frauenklinik ein. In Verbindung mit der Einführung des Kaltlichtes begann 1966 die Akzeptanz und Verbreitung der Methode.

Als Nachfolger von H. Huber wurde Semm 1970 auf den Lehrstuhl der Frauenklinik Kiel berufen, wo er den Einsatz der operativen Pelviskopie intensivierte. In zahlreichen Kursen mit praktischen Übungen und hervorragenden Filmen vermittelte er seine Erfahrungen im In- und Ausland. Die Überführung der endoskopischen Methoden in das Gebiet der Veterinärmedizin brachte ihm 1980 die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Hannover. Er wurde 1986 Mitglied der Leopoldina und 1992 Fellow of the International College of Surgeons ad honorem (FICS, h.c.; Chicago). In den 80er Jahren hielt Semm zahlreiche Kurse in den USA ab. Die erste endoskopische Appendektomie führte er 1980 in Kiel durch. Ausdruck seiner Wertschätzung waren zahlreiche Ehrenmitgliedschaften, zuletzt in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, die er 1996 in Dresden erhielt.

 

jonatAm 1. Oktober 1995 folgte der Hamburger Walter Jonat dem Ruf der Universität Kiel und übernahm den Lehrstuhl der Frauenklinik.