Geben Sie Ihrem Körper Zeit – Die Entlassung ist erst der Anfang der Erholung.
Wenn Sie nach Ihrer Herzoperation das Krankenhaus verlassen, haben Sie bereits einen wichtigen Teil Ihrer Behandlung geschafft. Trotzdem ist Ihr Körper zu diesem Zeitpunkt noch mitten in der Heilungsphase.
Eine Herzoperation ist ein großer Eingriff und eine erhebliche Belastung für den gesamten Körper. Auch wenn die Operationswunden äußerlich bereits gut aussehen, benötigt die vollständige Erholung deutlich mehr Zeit.
Es ist deshalb ganz normal, wenn Sie sich in den ersten Wochen noch müde, erschöpft oder weniger belastbar fühlen.
Manche Patientinnen und Patienten fühlen sich bereits nach wenigen Wochen wieder recht fit. Bei anderen dauert es mehrere Wochen oder auch einige Monate, bis sie ihre gewohnte Leistungsfähigkeit zurückgewonnen haben. Alter, Vorerkrankungen, die Art der Operation und der individuelle Heilungsverlauf spielen dabei eine wichtige Rolle.
Auch die Tagesform kann schwanken: Auf einen sehr guten Tag kann durchaus ein Tag folgen, an dem Sie sich wieder müder fühlen. Das bedeutet nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt.
Geben Sie Ihrem Körper die Zeit, die er braucht.
Das Brustbein muss heilen
Bei vielen Herzoperationen wird der Brustkorb über einen Schnitt in der Mitte des Brustbeins eröffnet. Am Ende der Operation wird das Brustbein wieder stabil verschlossen.
Sie können sich diesen Zustand vereinfacht wie einen künstlich erzeugten Knochenbruch vorstellen: Die beiden Anteile des Brustbeins müssen anschließend wieder stabil zusammenheilen.
Diese Knochenheilung benötigt Zeit. Besonders in den ersten Wochen sollten Sie deshalb Belastungen vermeiden, bei denen große Kräfte auf Brustkorb, Schultern und Arme wirken.
Als Orientierung gilt: In den ersten 6 bis 8 Wochen sollte das Brustbein besonders geschont werden. Die weitere Stabilisierung kann bis zu etwa 12 Wochen und darüber hinaus dauern.
Bewegung ist ausdrücklich erwünscht
Schonung bedeutet nicht, dass Sie sich möglichst wenig bewegen sollen. Im Gegenteil: Regelmäßige Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil Ihrer Genesung.
Gehen Sie möglichst täglich spazieren und steigern Sie die Dauer und Strecke langsam. Beginnen Sie lieber mit mehreren kurzen Wegen als mit einer langen Strecke.
Auch Treppensteigen ist grundsätzlich möglich, wenn Ihr Kreislauf stabil ist und Sie sich dabei sicher fühlen. Gehen Sie langsam und machen Sie Pausen, wenn Sie diese benötigen.
Leichte Tätigkeiten im Haushalt können nach und nach wieder aufgenommen werden. Entscheidend ist, dass Sie sich dabei wohlfühlen und keine stärkeren Schmerzen oder Beschwerden auftreten.
Eine einfache Regel lautet:
Bewegen Sie sich regelmäßig – aber überfordern Sie sich nicht.
Was sollte ich zunächst vermeiden?
Solange das Brustbein noch nicht ausreichend verheilt ist, sollten Sie größere Belastungen des Oberkörpers vermeiden. Dazu gehören insbesondere:
schweres Heben und Tragen,
kräftiges Ziehen oder Schieben,
schwere Einkaufstaschen oder Getränkekisten,
Staubsaugen und andere körperlich anstrengende Hausarbeiten,
schwere Gartenarbeit wie Graben oder Rasenmähen,
intensives Krafttraining des Oberkörpers,
Liegestütze und vergleichbare Übungen sowie
andere Tätigkeiten, bei denen Sie mit großer Kraft über die Arme arbeiten müssen.
Achten Sie bei alltäglichen Bewegungen darauf, Ihren Brustkorb nicht unnötig stark zu belasten. Leichte Gegenstände können Sie körpernah und möglichst mit beiden Händen tragen.
Welche Belastung für Sie persönlich erlaubt ist, hängt jedoch auch von der Art Ihrer Operation ab. Die Empfehlungen Ihres herzchirurgischen Behandlungsteams und Ihrer Rehabilitation haben deshalb immer Vorrang.
Hören Sie auf Ihren Körper
Nach einer Herzoperation muss Belastbarkeit langsam wieder aufgebaut werden. Versuchen Sie nicht, möglichst schnell wieder das gleiche Pensum wie vor Ihrer Operation zu erreichen.
Müdigkeit ist in dieser Phase häufig ein Zeichen dafür, dass Ihr Körper eine Pause benötigt.
Planen Sie deshalb Ruhezeiten ein und verteilen Sie Aktivitäten über den Tag. Gerade an Tagen, an denen Sie sich besonders gut fühlen, sollten Sie nicht gleich versuchen, alles nachzuholen.
Erholung nach einer Herzoperation ist kein Wettlauf.
Wann darf ich wieder Auto fahren?
Nach einer Herzoperation sollten Sie zunächst nicht selbst Auto fahren. Dafür gibt es mehrere Gründe: Ihre Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit kann nach der Operation noch eingeschränkt sein, und schnelle Lenkbewegungen oder eine Notbremsung können den Brustkorb erheblich belasten.
Als allgemeine Orientierung wird nach einer Operation mit Eröffnung des Brustbeins häufig eine Fahrpause von mindestens vier bis sechs Wochen empfohlen.
Bevor Sie wieder selbst fahren, sollten Sie:
sich körperlich und geistig ausreichend belastbar fühlen,
sich schmerzfrei und sicher bewegen können,
problemlos über die Schulter schauen können,
das Lenkrad sicher und kräftig bedienen können und
im Notfall eine Vollbremsung durchführen können, ohne Ihren Brustkorb zu gefährden.
Besprechen Sie vor dem ersten selbstständigen Autofahren mit Ihrem behandelnden Arzt, wann dies nach Ihrer konkreten Operation wieder möglich ist. Je nach Erkrankung, Operationsverfahren und Führerscheinklasse können unterschiedliche Vorgaben gelten.
Denken Sie außerdem daran, gegebenenfalls die Bedingungen Ihrer Kraftfahrzeugversicherung zu prüfen.
Die Rehabilitation hilft Ihnen beim Wiedereinstieg
Die Anschlussheilbehandlung beziehungsweise kardiologische Rehabilitation ist ein wichtiger Teil Ihrer weiteren Genesung.
Dort lernen Sie unter fachlicher Anleitung, Ihre körperliche Belastbarkeit schrittweise wieder aufzubauen. Sie erhalten außerdem Empfehlungen dazu, welche sportlichen und alltäglichen Aktivitäten Sie bereits durchführen können und wann Sie Ihre Belastung weiter steigern dürfen.
Nutzen Sie diese Zeit auch, um wieder Vertrauen in Ihren Körper zu gewinnen.
Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?
Nicht jede Beschwerde nach einer Herzoperation ist ungewöhnlich. Schmerzen im Bereich des Brustkorbs, Müdigkeit und eine zunächst eingeschränkte Leistungsfähigkeit können Teil der normalen Erholung sein.
Bitte suchen Sie jedoch ärztlichen Rat, wenn sich Ihr Zustand deutlich verschlechtert oder neue Beschwerden auftreten – beispielsweise bei zunehmender Atemnot, Fieber, auffälligen Veränderungen der Operationswunde, neu auftretenden Herzbeschwerden oder einer deutlichen Verschlechterung Ihrer Belastbarkeit.
Im Zweifel gilt: Fragen Sie lieber einmal mehr nach.
Schritt für Schritt zurück in den Alltag
Nach einer großen Herzoperation braucht der Körper Zeit. Erwarten Sie deshalb nicht, unmittelbar nach der Entlassung wieder genauso leistungsfähig zu sein wie vor Ihrer Erkrankung.
Gehen Sie Ihren Weg Schritt für Schritt. Bewegung, ausreichende Erholung und eine langsame Steigerung Ihrer Belastung sind in den ersten Wochen wichtiger als Geschwindigkeit.
Bei vielen Patientinnen und Patienten verbessert sich die Belastbarkeit über die folgenden Wochen kontinuierlich. Bis Sie sich vollständig erholt fühlen, können jedoch durchaus mehrere Monate vergehen.
Geben Sie Ihrem Herzen, Ihrem Brustbein und Ihrem gesamten Körper diese Zeit.