Der Browser den Sie verwenden ist sehr alt.

Wir können daher nicht sicherstellen, dass jede Funktion (Gestaltung, Bilder und zusätzliche Funktionen) dieser Internetseite im vollen Umfang zur Verfügung steht. Bitte nutzen Sie eine aktuellere Browserversion.
Wir bitten um Ihr Verständnis.
Startseite > Informationen für Ärzte > Operationsverfahren > Mechanische Kreislaufunterstützungssysteme

Mechanische Kreislaufunterstützungssystem

Ärztlicher Ansprechpartner der Kunstherz-Ambulanz

Bild von Anas Aboud
Dr. Anas Aboud
Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie
Leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor
Telefon Lübeck: 0451 500-42341 | Fax: -42344

 

 

Wenn die Funktion der linken Herzkammer sehr stark eingeschränkt ist, kann das Herz nicht so viel Blut pumpen, wie der Körper - insbesondere bei Anstrengung - benötigt. Solche Herzschwächen können durch Herzinfarkte und/oder chronische Durchblutungsstörungen entstehen, aber auch durch lange bestehende Herzklappenfehler, Herzmuskelentzündungen oder seltene andere Ursachen. Durch die Herzschwäche können Beschwerden wie z. B. Luftnot, leichte Erschöpfbarkeit und Müdigkeit verursacht werden.
In der Regel besteht eine Herzmuskelschwäche bereits vor der Herzoperation; bei manchen Patienten muss die Operation sogar unter Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden. Das Ziel der Behandlung ist es dann, die Herzleistung wieder zu erhöhen - z. B. durch eine Verbesserung der Durchblutung des Herzens oder die Korrektur von Herzklappenfehlern. Gelegentlich verschlechtert sich aber die Herzleistung nach einer Herzoperation (bzw. ist vorher schon zu niedrig), so dass das Herz nicht in der Lage ist, den Körperkreislauf aufrecht zu erhalten. In solchen Fällen muss die Pumpleistung des Herzens - zumindest zeitweise - durch eine mechanische Pumpe übernommen werden.

kurzfristiger Einsatz

1595_4250_3_g

Wenn mit einer Erholung der Herzleistung gerechnet werden kann, wird diese Pumpe neben dem Körper gelagert und mittels Schläuchen mit dem Herzen verbunden. In Lübeck werden zu diesem Zweck Kreiselpumpen der Firmen Maquet und Levitronix verwendet. Oft wird eine solche Behandlung mit dem Einsatz einer künstlichen Lunge kombiniert, da die Funktion der Lunge durch die Herzmuskelschwäche und die Operation meistens ebenfalls eingeschränkt ist. Im Idealfall können künstliches Herz und künstliche Lunge dann nach einigen Tagen wieder explantiert (also durch eine Operation entfernt) werden.

 

Falls es zu keiner Erholung der Herzleistung kommt, müssen andere Behandlungsformen erwogen werden, z. B. eine Herztransplantation oder die Implantation eines Linksherzunterstützungssystems, wie im folgenden beschrieben.

langfristiger Einsatz

Bei manchen Patienten liegt eine Herzschwäche im Endstadium vor, die mit einer herkömmlichen Herzoperation nicht verbessert werden kann bzw. nur mit einem unvertretbar hohen Risiko. Bei solchen Patienten stellt die Herztransplantation gegenwärtig die am besten bewährte Therapieform dar. Es gibt aber nicht genügend Spenderherzen, um alle diese Patienten zu transplantieren. Die Entscheidung, ob eine Herztransplantation durchgeführt werden kann, unterliegt daher relativ strengen Kriterien. Um für solche Patienten, die augenblicklich nicht zur Herztransplantation angenommen werden können, eine Therapiemöglichkeit zu haben, wurden die sogenannten Linksherzunterstützungssysteme entwickelt.

Anders als bei einem vollständigen Kunstherzen bleibt das Herz des Patienten dabei im Körper; das Herzassistenzsystem saugt das Blut aus der linken Herzkammer und pumpt es in die Körperhauptschlagader. Dadurch kommt es zu einer Entlastung der linken Herzkammer und einer besseren Durchblutung der Organe. Eine solche Behandlung kann zur Überbrückung bis zu einer Herztransplantation durchgeführt werden. In sorgfältig ausgewählten Fällen können Linksherzunterstützungssysteme aber auch als Dauerlösung anstatt einer Transplantation verwendet werden (z.B. wenn aus Altersgründen keine Transplantation erfolgen wird).

hvad-handshot2-hi_1

Wir implantieren das HVAD Assistenzsystem der Firma HeartWare. Dies ist das zurzeit weltweit kleinste implantierbare System. Es handelt sich dabei um eine Zentrifugalpumpe von 5 cm Durchmesser und 2 cm Höhe, die komplett in den Körper eingebaut wird. Die Pumpe ist aus Titan und wiegt nur 250g. Angetrieben wird die Pumpe von einem Motor, der ein Magnetfeld erzeugt, das den Rotor der Pumpe dreht. Die Rotor dreht sich 2000 bis 3000 mal pro Minute. Hierdurch entsteht ein kontinuierlicher Blutfluss von 4 bis 10 Liter/Minute.

carrying_case_high_1Die Stromzufuhr zur Pumpe sowie die Sendung von Steuerungsbefehlen erfolgen über ein Kabel, das mit einem außerhalb des Körpers getragenen Kontrollgerät verbunden ist. Dieses Kabel (Durchmesser ~ 5mm) muss also durch die Haut ausgeleitet werden. Das Kontrollgerät wiegt ~500 g und muss vom Patienten dauerhaft mit sich getragen werden. Das Kontrollgerät ist ständig über zwei weitere Kabel entweder mit einem Netzgerät oder mit zwei Batterien (je ~ 700g) verbunden. Die Batterien ermöglichen es, dass Patienten nach Einbau des HVAD für 8 Stunden von dem Netzgerät unabhängig sein kann - d.h. das Krankenhaus oder die Wohnung für längere Ausflüge verlassen können.
Das HeartWare HVAD wird während einer Operation eingebaut, bei der der Brustkasten in der Mitte eröffnet wird. Während des Einbaus des HVAD wird der Kreislauf der Patienten durch den Einsatz der Herzlungenmaschine aufrecht erhalten.

Bei dem Einbau eines Linksherzunterstützungssystems handelt es sich um eine große Operation, die einige Risiken mit sich bringt. Dies ist in erster Linie durch das Krankheitsbild, das die Implantation notwendig macht, bedingt. Typische Komplikationen beim/nach Einbau eines Herzassistenzsystems sind

  • Blutungen, die zur Gabe von Fremdblutbestandteilen oder zur erneuten Operation zwingen. Diese können sowohl im Brustraum selbst als auch in anderen Organen (z.B. Hirnblutung!) auftreten.
  • Thromboembolische Komplikationen, die zur Fehlfunktion der Pumpe (mit der Notwendigkeit zum Austausch) oder zu Gefäßverlegungen führen (z.B. Schlaganfall; Verlegung von Arm- oder Beinarterien, ggf. mit der Notwendigkeit zur Amputation; Verlegung von viszeralen Arterien, ggf. mit der Notwendigkeit zur Entfernung von Darm und Anlage eines künstlichen Darmausgangs; Erblindung)
  • Pumpversagen der rechten Herzkammer. Diese schwer zu behandelnde Komplikation kann zur Entwicklung eines nachfolgenden Versagens mehrerer anderer Organe führen und ist mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. In Einzelfällen kann der zeitweise Einbau einer parakorporalen (d.h. außerhalb des Körpers gelagerten) Rechtsherz-Unterstützungspumpe notwendig werden oder der Ausbau des HVAD und der Einbau eines kompletten Kunstherzens
  • Infektionen (Entzündungen), z.B. der Wunde, der Kabelaustrittsstelle, der Pumpentasche), der Gefäßprothese oder von Herzklappen. Diese Infektionen können z.T. mehrere Nachoperationen notwendig machen und ggf. den Ausbau des HVAD erzwingen.

Daneben kann es zu allen Komplikationen kommen, die im Rahmen auch von anderen Herzoperationen beobachtet wurden. Herzassistenzsysteme wie das HVAD wurden als Überbrückung bis zur Herztransplantation entwickelt. Die Patienten können in aller Regel nach dem Einbau nach Hause entlassen werden. Das HVAD wurde inzwischen bei über 1000 Patienten weltweit eingebaut. Wegen der im Vergleich zu den Vorgängermodellen geringen Komplikationsrate wird es zunehmend auch zur dauerhaften Unterstützung implantiert, d.h. ohne dass eine Herztransplantation geplant wird. Einzelne Patienten werden seit über 5 Jahren mit dem HVAD unterstützt; Defekte der Pumpe oder des Kabels sind sehr selten. Die maximale Dauer der Funktionsfähigkeit der Pumpe und des Verbindungskabels sind nicht bekannt.

In aller Regel bessert sich die körperliche Belastbarkeit der Patienten nach Implantation eines Herzassistenzsystems wie dem HVAD deutlich. Obwohl das Vorhandensein des Herzassistenzsystems und die Notwendigkeit, immer auf das Verbindungskabel und die Stromversorgung Acht zu geben, einige Umstellungen im täglichen Leben mit sich bringen, ist die Lebensqualität der meisten Patienten nach unserer Erfahrung gut.

 

Kunstherz- / VAD-Ambulanz