Einleitung

Der Ersatz der Aortenklappe erfolgt in der Mehrheit der Kliniken weltweit durch biologische oder mechanische Klappenprothesen. Alle dieser herkömmlichen Aortenklappenprothesen weisen Probleme wie thrombotische und thromboembolische Ereignisse, Blutungskomplikationen unter Therapie mit Gerinnungshemmern, Klappendegeneration, funktionelle Unzulänglichkeit, Endokarditis (Herzklappenentzündung) und Geräuschentwicklung auf. Als vielversprechende Alternative gewinnt der Ersatz der defekten Aortenklappe durch die körpereigene Lungenschlagader-Klappe (Ross-Operation) für geeignete Patienten zunehmende Bedeutung. Die Vorteile der Ross-Operation bestehen in einer optimalen Hämodynamik bei voller Belastbarkeit des Patienten, einer ausgezeichneten Langzeitfunktion und einem uneingeschränkten Lebensstil mit unproblematischer beruflicher Wiedereingliederung. Eine Antikoagulantientherapie (mit z. B. Marcumar®, Falithrom®, Coumadin®) ist nicht erforderlich. Das Risiko von Endokarditis sowie thromboembolischen Ereignissen ist sehr gering. Trotz der o. g. Vorteile hat die Ross-Operation auch eine Achillesferse. Sie besteht in der möglichen Veränderung des Homografts (der Spender-Herzklappe) im rechtsventrikulären Ausflusstrakt, die als Ersatz für die eigene Lungenschlagader-Klappe (Pulmonalklappe) verwendet wurde. Hier könnte eine zweite Behandlung dieser Klappe notwendig sein. Das Risiko einer zweiter Operation ist trotzdem sehr gering und liegt bei ca. 10% nach 15 Jahren.

Das Herzzentrum in Lübeck ist eines der wenigen Zentren in Deutschland, das dieses Verfahren seit mehr als 30 Jahren durchführen.

Ross-OP_Abb1 Survival estimates and the instantaneous risk of death for the study population (red) were calculated using Kaplan-Meier methods. The age- and gender-matched general population is depicted in blue.

Zentrales Diagramm: aus der aktuellen Veröffentlichung im JACC „Journal of American College of Cardiology“: „Longterm Outcomes of Patients Undergoing the Ross Procedure“; Aboud et al. 2021.