Der Browser den Sie verwenden ist sehr alt.

Wir können daher nicht sicherstellen, dass jede Funktion (Gestaltung, Bilder und zusätzliche Funktionen) dieser Internetseite im vollen Umfang zur Verfügung steht. Bitte nutzen Sie eine aktuellere Browserversion.
Wir bitten um Ihr Verständnis.
Startseite > Leistungsspektrum > Kopf-Hals-Onkologie > Kehlkopf-Tumore

Moderat fortgeschrittene Tumore des Kehlkopfs

Die in Deutschland selten praktizierte suprakrikoidale Kehlkopfteilresektion mit Cricohyoido- (epiglotto)pexie (CH(E)P) ist vor allem in Frankreich, Italien und einigen amerikanischen Staaten mit guten onkologischen und funktionellen Ergebnissen weit verbreitet. Die Stärke der suprakrikoidalen Teilresektion liegt in dem Ausmaß der Resektion mit der möglichen Entfernung des gesamten Schildknorpels, eines Arytaenoidknorpels, beider Stimm- und Taschenbänder (des gesamten transglottischen Raumes beidseits), und ggf. der gesamten Epiglottis, unter Erhalt lediglich des Hyoids, des Krikoids und eines mobilen Arytaenoidknorpels (Abbildung). Bei der Tumorexzision wird der kraniale Anteil der Epiglottis je nach Tumorausdehnung mit reseziert (CHP) oder erhalten (CHEP).

Neben dem Namen CH(E)P verdeutlichen die geläufigen Synonyme wie „suprakrikoidale“ oder „subtotale Teilresektion“ sowohl die Radikalität der Resektion als auch die Art der Rekonstruktion, zu der das Hyoid und das Krikoid nach Mobilisation der Trachea im Sinne einer vertikalen Stauchung adaptiert werden (Abbildung). Auch T4-Karzinome der vorderen Kommissur, sowie T3-Karzinome des präepiglottischen und/oder des paraglottischen Raums sowie Lokalrezidive früher Larynxkarzinome nach primärer Strahlentherapie können unter einer hervorragenden Übersicht in tumorfreien Grenzen reseziert werden.

In Deutschland sind die Indikationen des offenen Zugangs bei frühen Kehlkopfkarzinomen aufgrund der funktionell und onkologisch überzeugenden Ergebnisse der transoralen Laserchirurgie weitestgehend verdrängt worden.

Auch in Lübeck wird die überwiegende Anzahl der frühen Larynxkarzinome transoral laserchirurgisch mit hervorragenden Ergebnissen operiert.

Ab einem bestimmten Ausmaß der laserchirurgischen Resektion supra- und transglottischer Strukturen mit Erhalt lediglich eines Arytaenoidknorpels kann man von einer funktionell günstigen Narbenbildung jedoch nicht mit der erforderlichen Sicherheit ausgehen, sodass die Gefahr einer anhaltenden Aspiration besteht. Ein entscheidender Vorteil der offenen Technik gegenüber dem transoralen Zugang liegt in der gleichzeitigen Rekonstruktion: Durch die Kranioventralverlagerung des residuellen Sphinkters bei der suprakrikoidalen Teilresektion wird dem Patienten die vollständige Schluckrehabilitation trotz nur einer verbleibenden krikoarytaenoidalen Einheit mit der in Anbetracht des postoperativ verschlossenen Tracheostomas verständlich hohen Lebensqualität ermöglicht.

Der Stellenwert der offenen Teilresektionen liegt besonders darin, dass:

  • bei anatomisch bedingter, unmöglicher Einstellbarkeit des Larynx für das starre Rohr eine für frühe und für moderat fortgeschrittene Karzinome onkologisch zumindest gleichwertige, wenn nicht sogar etwas sicherere Alternative darstellt.
  • bereits bei der geringsten Unsicherheit hinsichtlich der Möglichkeit einer R0-Resektion über den transoralen Zugang - eine stadienadaptierte und kontrollierte Resektion in tumorfreien Grenzen ermöglicht wird.
  • immer die Möglichkeit der Rekonstruktion gegeben ist, z.B. mit der Erzeugung eines kranial verlagerten Sphinkters zur Sicherstellung der postoperativen Schluckfunktion bei subtotaler Resektion wie oben für die suprakrikoidale Teilresektion beschrieben.

Aus diesen Gründen kann die suprakrikoidale Teilresektion bei ausgewählten Patienten, insbesondere bei laserchirurgisch grenzwertiger Indikation nicht nur unter onkologischen, sondern auch unter funktionellen Aspekten eine sinnvolle Alternative zu endolaryngealen Operationen darstellen. Die suprakrikoidale Teilresektion ist bei denjenigen Patienten mit einem Karzinom der vorderen Kommissur, des Petiolus der Epiglottis und bedeutsamer supra- und transglottischer Ausdehnung indiziert, die nach endolaryngealer Kehlkopfteilresektion entweder unbefriedigend hohe Lokalrezidivraten zeigen oder mit ungünstigen funktionellen Ergebnissen einhergehen, während sie andererseits mit einer totalen Laryngektomie übertherapiert erscheinen. Eine gute Indikation zur suprakrikoidalen Teilresektion stellen ausgedehnte trans- und supraglottische Karzinome dar, die – ohne Infiltration des Arytaenoidgelenks oder des Krikoids – aufgrund der tiefen Infiltration des transglottischen Raumes bereits zum Stimmlippenstillstand geführt haben.

Die suprakrikoidalen Teilresektionen vervollständigen nicht nur das Spektrum der international in Zukunft wahrscheinlich häufiger nachgefragten Salvage- Operationen um eine wichtige Alternative zur totalen Laryngektomie, sondern ergänzen die Möglichkeiten des chirurgischen Larynxerhalts bei kritischer Indikationsstellung um eine hochgradig standardisierte und reproduzierbare Operationstechnik.

Die Universitäts-HNO-Klinik Lübeck stellt unter dem Ziel der organerhaltenden Chirurgie das volle Repertoire beider Zugänge (transoral und offen) auch in Zukunft mit der notwendigen routinierten Sicherheit zur Verfügung, um wirklich jedem Patienten mit einem Larynxkarzinom eine individuell optimierte Therapie anbieten zu können und die Grenzen des chirurgischen Organerhalts um die fraglos wertvollen Indikationen der suprakrikoidalen Teilresektion zu erweitern.