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Startseite > Forschung > FB IV - Rehabilitationsforschung > Meta-RTW-Stroke - Meta-Ethnographie qualitativer Studien zu Einflussfaktoren eines gelungenen Return-to-Work nach Schlaganfall

Meta-RTW-Stroke - Meta-Ethnographie qualitativer Studien zu Einflussfaktoren eines gelungenen Return-to-Work nach Schlaganfall oder Schädelhirntrauma

 

Fragestellung

Ziel der Studie war es, die Ergebnisse bestehender qualitativer Studien zu den Einflussfaktoren eines gelungenen Return-to-Work (RTW) nach Schlaganfall zusammenzutragen, sie zu synthetisieren und Hinweise zur Optimierung bestehender Rehabilitationsprogramme abzuleiten.

Hintergrund

Die Rückkehrrate ins Erwerbsleben nach erlittenem Schlaganfall ist vergleichsweise niedrig. Zur Verbesserung der beruflichen Wiedereingliederung wurden national und international verschiedene RTW- und Rehabilitationsprogramme entwickelt, für deren Wirksamkeit bislang jedoch kein methodisch hochwertiger Nachweis vorliegt. Zudem fehlen Studien zu prognostischen Faktoren eines erfolgreichen RTW mit Fokus auf psychosoziale und damit veränderbare Einflussfaktoren, die Hinweise auf die Ausgestaltung erfolgreicher Programme geben könnten. Bisherige Studien konzentrierten sich entweder auf medizinische und soziodemografische Einflüsse oder wiesen zu geringe Fallzahlen auf, um umfangreiche Prädiktorensets simultan zu prüfen. Somit mangelt es trotz vielfältiger Ansätze in der Praxis aktuell an evidenzbasiertem Wissen zu Förderfaktoren, aber auch zu Barrieren eines erfolgreichen RTW nach Schlaganfall und damit an Hinweisen zur effektiven Ausgestaltung entsprechender Rehabilitationsprogramme. In den vergangenen 15 Jahren wurden jedoch zunehmend qualitative Studien durchgeführt, um aus narrativen Sequenzen von Betroffenen, Behandlern und weiteren für den RTW relevanten Akteuren Faktoren zu ermitteln, die die erfolgreiche berufliche Wiedereingliederung begünstigen oder verhindern können. Bislang steht eine strukturierte Zusammenfassung und Nutzung dieser Erkenntnisse noch aus.

Methoden

Relevante Studien (2000-2015 erschienen, deutsch- oder englischsprachig) wurden mittels systematischer Literaturrecherche in PubMed, OVID und Web of Science identifiziert. Die Meta-Synthese wurde mit einem metaethnografischen Ansatz durchgeführt. Zunächst wurden die 1st order concepts der Originalstudien extrahiert. Anschließend wurde diese durch systematischen Abgleich in studienübergreifende Kategorien überführt (2nd order interpretations). Zuletzt erfolgte die eigentliche Synthese (3rd order synthesis), in der durch Verknüpfung qualitativ und quantitativ bedeutsamer Kategorien ein theoretisches Erklärungsmodell erarbeitet wurde.

Ergebnisse

Die systematische Literaturrecherche erbrachte eine Trefferanzahl von 553 Studien, von denen 14 in die weiteren Analysen eingeschlossen wurden. Neun Studien beleuchteten das Thema RTW nach Schlaganfall ausschließlich aus Betroffenensicht, vier bezogen weitere Perspektiven (z. B. Arbeitgeber, Behandler) ein. Als Erhebungsmethoden kamen v. a. Interviews zum Einsatz. Alle Studien verwendeten kategorienbasierte Auswertungsmethoden.

Der Erfolg der beruflichen Wiedereingliederung nach Schlaganfall wird durch folgende Faktoren beeinflusst. Auf Seite der betroffenen Person spielen insbesondere körperliche und mentale Beeinträchtigungen in Folge des Schlaganfalls, individuelle Coping- und Adaptationsstrategien sowie die subjektive Bedeutung von Arbeit und Rückkehrmotivation eine Rolle. Auf Seite des Arbeitsplatzes sind Arbeitsanforderungen mit Möglichkeiten der Modifikation, Strategien des betrieblichen Gesundheitsmanagements sowie Arbeitsklima und soziale Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen entscheidend. Rehabilitationsmaßnahmen beeinflussen den RTW-Prozess schließlich durch ihre Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Angemessenheit. Leistungsfähigkeit und Leistung der betroffenen Person, unter standardisierten Testbedingungen wie unter realen Arbeitsbedingungen, stellen weitere RTW-Einflussfaktoren dar, die sich jeweils aus der Interaktion zweier Haupteinflussgrößen (Person, Arbeitsplatz, Rehabilitationsmaßnahme) ergeben bzw. in deren Interaktion relevant werden. Ihre valide Erfassung und Rückspiegelung sind essentiell für die Erstellung individueller RTW-Pläne. Die beim ersten beruflichen Wiedereingliederungsversuch gemachten Erfahrungen stellen schließlich einen letzten zentralen Einflussfaktor dar. Um die nachhaltige Reintegration nicht zu gefährden, müssen Zeitpunkt und Ausgestaltung der Arbeitsaufnahme daher gut geplant werden. Anpassungsfähigkeit (Adaptiveness), Zielgerichtetheit (Purposefulness) und Kooperationsbereitschaft (Cooperativeness) geben dem Modell als übergreifende Prinzipien des Handelns auf allen Seiten schließlich seinen Namen (APC-Modell).

Der Erfolg der beruflichen Wiedereingliederung nach Schlaganfall wird durch vielfältige Faktoren beeinflusst. Effektive Rehabilitationsstrategien müssen dies berücksichtigen, sonst werden sie selbst zur RTW-Barriere. Insbesondere scheint es wesentlich, Rehabilitation nach Schlaganfall von Anfang an als Schnittstellenaufgabe zu begreifen, d. h. nicht nur die betroffene Person, sondern auch deren Arbeitsplatz konsequent zu adressieren.

 

Laufzeit

01/2016-12/2016

Förderung

Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung

Ansprechpartner/-in

 

 Betje Schwarz

 

Bild von Matthias Bethge
Prof. Dr. Matthias Bethge
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
Leitung, Sektion: Rehabilitation und Arbeit
Telefon Lübeck: 0451 500-51280 | Fax: -51208

 

Publikationen

Schwarz B, Claros-Salinas D, Streibelt M. Meta-synthesis of qualitative research on facilitators and barriers of return to work after stroke. J Occup Rehab 2018;28:28-44; doi:10.1007/s10926-017-9713-2