Kardiale MRT zur optimierten Risikostratifizierung bei dilatativer Kardiomyopathie?
Patienten mit einer eingeschränkten linksventrikulären Funktion (LVEF) haben ein erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen und einen plötzlichen Herztod. In den aktuellen Leitlinien wird daher eine primärprophylaktische ICD-Implantation bei Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz und einer LVEF ≤35% trotz optimaler medikamentöser Therapie empfohlen (Klasse IA). Während diese Empfehlung für Patienten mit einer ischämischen Kardiomyopathie wissenschaftlich gut untermauert ist, konnte ein Prognosevorteil bei nicht-ischämischer, dilatativer Kardiomyopathie (DCM) bislang nicht belegt werden. Weder die randomisierte DANISH-Studie noch „real-world“ Daten aus dem deutschen EVITA-HF Register zeigten bei DCM-Patienten mit einer LVEF ≤35% einen Überlebensvorteil nach ICD-Implantation. Demnach sind zusätzliche Kriterien für eine optimierte Risikostratifizierung bei DCM notwendig, um Patienten, die von einer ICD-Implantation profitieren, zu identifizieren.
Eine myokardiale Fibrose ist häufig das pathophysiologische Korrelat für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen und kann mittels der kardialen Magnetresonanztomographie („Late Enhancement“ Bildgebung) erkannt und quantifiziert werden. Bei etwa der Hälfte der Patienten mit DCM liegt eine myokardiale Fibrose (klassischerweise als s.g. „midwall enhancement“) vor. Mehrere Studien konnten bereits belegen, dass DCM-Patienten mit MRT-detektierter Fibrose ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen und konsekutiv eine erhöhte Mortalität aufweisen. Das MRT gilt daher als eine vielversprechende Methode zur optimierten Risikostratifizierung bei Patienten mit DCM. Es ist jedoch unklar, ob DCM-Patienten mit myokardialer Fibrose tatsächlich von einer primärprophylaktischen ICD-Implantation profitieren bzw. ob DCM-Patienten ohne Fibrose trotz eingeschränkter LVEF keinen ICD benötigen.
Um diese Frage zu beantworten und die Rolle einer MRT-gesteuerten ICD-Implantation bei DCM-Patienten mit eingeschränkter LVEF zu untersuchen, wurde die CMR-ICD Studie konzipiert (https://cmr-icd.dzhk.de). In diese vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) geförderte, leitlinien-relevante, randomisierte, multizentrische Studie werden 760 Patienten mit DCM und einer LVEF ≤35%, die zusätzlich im Herz-MRT eine myokardiale Fibrose aufweisen, eingeschlossen. Es erfolgt eine Randomisierung zwischen ICD-Therapie versus aktueller Standardtherapie (medikamentöse Herzinsuffizienztherapie plus ggf. CRT-Implantation ohne Defibrillatorfunktion bei entsprechender Indikation). Der primäre Endpunkt ist die Mortalität jedweder Ursache nach 2 Jahren. Studienbeginn der CMR-ICD Studie, die unter der Leitung von Prof. Dr. Ingo Eitel durchgeführt wird und für die das universitäre Herzzentrum Lübeck als Sponsor fungiert, war der 01.01.2021.

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