pi20200610

Covid-19: Weltweit erste große genetische Studie zu Risikogenen

Warum erkranken manche Menschen schwer an Covid-19, während andere kaum Symptome zeigen? Eine Antwort darauf könnte in ihren unterschiedlichen Blutgruppen liegen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des UKSH und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben 2020 in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe aus Norwegen in der weltweit ersten großangelegten genetischen Studie Genvarianten gefunden, die den Verlauf der Krankheit deutlich beeinflussen – eine davon betrifft das Gen für die Blutgruppeneigenschaft. Die Untersuchung zeigte, dass Menschen mit der Blutgruppe A ein um etwa 50 Prozent höheres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 tragen als Menschen mit anderen Blutgruppen. Menschen mit Typ-0-Blut hingegen waren um knapp 50 Prozent besser vor einer ernsten Covid-19-Erkrankung geschützt. Die Untersuchung bestätigte damit – erstmals durch eine umfassende genetische Analyse – zwei frühere Studien internationaler Forscherinnen und Forscher, die anhand des Blutserums von Covid-19-Patienten bereits einen möglichen Zusammenhang zwischen der Blutgruppeneigenschaft und der Erkrankung beschrieben hatten.

Federführend bei dem aufsehenerregenden Projekt waren Prof. Dr. Andre Franke, Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie (IKMB) am Campus Kiel und Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“ sowie der Erstautor Prof. Dr. David Ellinghaus und die Erstautorin Dr. Frauke Degenhardt, die beide ebenfalls im IKMB tätig sind. Die Studie wurde im Juni 2020 online im renommierten Fachmagazin The New England Journal of Medicine veröffentlicht.