Von Freude, Anerkennung und attraktiver Vergütung

Pflegekräfte genießen hohe Anerkennung – spätestens seit der Corona-Krise wissen die meisten Menschen ihre Leistung zu schätzen. Zukünftig wird der Pflegebedarf eklatant steigen, und die Chancen dieses Berufes werden immer noch unterschätzt. Anja Moderegger und Gabriele Becker-Jensen von der UKSH Akademie berichten, was es wirklich bedeutet, eine Ausbildung in der Pflege zu machen.
Welche Vorteile bieten die Pflegeausbildung und der Beruf heutzutage in Bezug auf Zukunftschancen, Verdienstmöglichkeiten und berufliche Sicherheit?
ANJA MODEREGGER: Ich selbst kenne keine Berufsausbildung, die nach dem Abschluss so viele Perspektiven und Arbeitsmöglichkeiten beinhaltet. Und das bei einer gleichzeitig lebenslangen Arbeitsplatzgarantie in einem Beruf, der wirklich Sinn macht! Hinzu kommt, dass die Azubis in der Pflege zu den Spitzenverdienenden im Vergleich zu allen anderen Berufsausbildungen gehören. Gleich im ersten Jahr gibt es 1230 Euro und im 3. Ausbildungsjahr aktuell 1400 Euro. Eine Pflegeausbildung bietet sehr viele Entwicklungsmöglichkeiten: Fort- und Weiterbildungen, die für bestimmte Tätigkeiten im Krankenhaus spezialisieren, Qualifikationen in Richtung Management, aber auch Arbeitsplätze außerhalb eines Krankenhauses.
Sie begleiten die Azubis mindestens drei Jahre durch die Ausbildung. Wie wirkt sich die Ausbildung bei den jungen Menschen in der persönlichen Entwicklung aus?
GABRIELE BECKER-JENSEN: Grundsätzlich zeigt sich diese Entwicklung natürlich in der Bandbreite, welche durch die Unterschiedlichkeit der Charaktere vorgegeben ist. Zu unseren Azubis gehören nicht nur Schulabsolventinnen und -absolventen, sondern auch Menschen, die bereits ein gutes Stück Bildungsbiographie hingelegt haben, manchmal auch aus hoch bezahlten Jobs kommen mit dem Anliegen, hier bei uns am UKSH etwas richtig Sinnvolles tun zu wollen. Entsprechend unterscheidet sich auch die persönliche Entwicklung. Es gibt sehr junge Menschen, denen man die berufliche Sozialisation so deutlich anmerkt, dass es scheint, als seien sie bei uns – vielleicht auch ein bisschen durch uns – erwachsen geworden. Andere, die in einem höheren Alter eingestiegen waren, können plötzlich viel offener und zufriedener wirken, sozusagen angekommen bei dem, was sie immer wollten.
Die UKSH Akademie ist die größte Ausbildungseinrichtung für Pflegekräfte im Norden. Was sind die Besonderheiten der Akademie?
ANJA MODEREGGER: Als Tochtergesellschaft des Maximalversorgers UKSH bieten wir unseren Auszubildenden gemeinsam mit dem UKSH das komplette pflegerische und medizinische Spektrum. Angefangen von der Kinderkrankenpflege über die Akutpflege bis hin zur Psychiatrie. Trotz unserer Größe – das UKSH hat über beide Standorte mehr als 16.000 Mitarbeitende – ist es unser Ziel, die Auszubildenden individuell und vertrauensvoll auf ihrem Weg zu begleiten. Das gilt sowohl für die theoretische als auch für die praktische Ausbildung, die sehr eng vernetzt zusammenarbeiten. Was uns weiterhin als Bildungseinrichtung auszeichnet, ist unsere regelmäßige Teilnahme an EU-Projekten, die neben der Vernetzung auch neues Wissen und Methoden zu uns bringen, die wir gerne an unsere Lernenden weitergeben.
Welche Botschaft möchten Sie jungen Menschen vermitteln, die sich unsicher sind, ob der Pflegeberuf das Richtige für sie ist?
GABRIELE BECKER-JENSEN: Interessant wäre für mich, was diesen jungen Menschen unsicher sein lässt. Ich habe da keine Zauberformel, sondern nehme die Zweifel ernst. Pflegerisch zu arbeiten fordert eben Kompetenz ganz nah am Menschen. In einem Vorstellungsgespräch habe ich es einmal erlebt, dass ein junger Mann sehr mit sich haderte und nicht wusste, ob er gerade das Richtige tut. Ich habe kurz entschlossen eine Auszubildende, die gerade Unterrichtspause hatte, gebeten, mit diesem Bewerber zu sprechen. Ihm zu erzählen, wie es ihr in der Pflegeausbildung geht, ihm ganz ehrlich auf seine Fragen zu antworten. Ich habe die beiden eine Weile alleine miteinander sprechen lassen mit dem Ergebnis, dass der Bewerber Klarheit hatte für sich, bei uns gestartet ist und meines Wissens immer noch am UKSH arbeitet.