Chronische Entzündung bei Gefäßerkrankungen (Prof. Dr. Nording)

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Chronische Entzündung ist der entscheidende, oft übersehene Motor hinter der Atherosklerose und damit hinter peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Herzinsuffizienz und Aortenaneurysmen. Unsere Arbeitsgruppe verbindet moderne vaskuläre Immunbiologie, hochdimensionale Einzelzellanalytik und klinische Gefäßmedizin - mit dem Ziel, Diagnose und Therapie grundlegend zu verbessern. Immunsignaturen aus dem Blut sollen Hochrisikopatienten früher identifizieren und personalisierte Therapieentscheidungen ermöglichen. KI-gestützte Methoden übersetzen dabei Grundlagenforschung direkt in klinische Anwendung.

Laufende Projekte

Immunologische Adaptation bei pAVK - NK-Zellen und myeloide Modulatoren

Das Ziel

Warum bleibt ein Teil der pAVK-Patienten trotz schwerer Gefäßstenosen beschwerdefrei? Der i²A HUB entschlüsselt die immunologischen Mechanismen dahinter - und entwickelt daraus Biomarker und Therapieansätze zur Förderung natürlicher Revaskularisierung. Im Fokus stehen zwei Schlüsselpopulationen:

  • NK-Zellen: Eine neuartige, GABAerge NK-Zell-Population, die bei asymptomatischen Patienten pro-angiogene Faktoren sezerniert und den Kollateralkreislauf möglicherweise aktiv steuert.

  • CD11c+ myeloide Zellen: Frühe Responder im ischämischen Gewebe. Ihre Häufigkeit im Blut korreliert direkt mit Krankheitsschwere - ein vielversprechender prognostischer Biomarker.

Klinische Rationale

Die individuelle Adaptationsfähigkeit entscheidet über Amputationsrisiko und Lebensqualität. Das Immunsystem ist dabei die entscheidende - und bislang diagnostisch ignorierte - Variable.

Translation für Patienten

  • Blutbiomarker zur Früherkennung von Hochrisikopatienten

  • Pharmakologische Aktivierung körpereigener Gefäßneubildung

  • Langfristiges Ziel: NK-Zell-basierte Immuntherapie zur Amputationsprävention

Methodik

Single cell RNA seq (BD Rhapsody) und AbSeq (BD) 41-Farben-Spektral-Durchflusszytometrie, Einzelzell-Multi-Omics und murines Ischämiemodell. Datenerhebung und -analyse über die CytoIntelligence Core Facility (CYTO+), geleitet von Prof. Nording.

Förderung

DGA Promotionsstipendium (T. Lenke) | DZHK Postdoc Startup Grant | DZHK Standortprojekt

Kooperationen

AG Beerens (UKE Hamburg) | Prof. Quirin Hammer (UKSH Kiel) | PD. Dr. Anke Fähnrich (Universität zu Lübeck) | Harald F. Langer (UMM Mannheim)

KI-gestützte Immunphänotypisierung bei pAVK

Das Ziel

Automatisierte, hochdimensionale Analyse von Immunzellen mittels Machine Learning - um Therapie-Responder von Non-Respondern bei pAVK zu unterscheiden. Der i²A HUB entwickelt KI-Algorithmen, die aus Durchflusszytometrie-Daten skalierbare Vorhersagemodelle für Krankheitsprogression und Therapieerfolg erstellen.

Klinische Rationale

Klassische pAVK-Diagnostik erfasst das Immunbild des Patienten nicht. Subtile Immunsignaturen im peripheren Blut - erkennbar nur durch KI - können personalisierte Therapieentscheidungen Point-of-Care ermöglichen.

Translation für Patienten

  • Früherkennung per einfacher Blutanalyse

  • Gezieltere antientzündliche Therapiesteuerung

  • Vermeidung unnötiger Interventionen bei Low-Risk-Profilen

Methodik

ML-FACS-Pipeline der CytoIntelligence Core Facility (CYTO+) - standardisierte Hochdurchsatz-Immunphänotypisierung für klinische Skalierung.

Förderung

PreDigTIM Preparation Grant

CECs & EPCs als Biomarker bei PACNS

Das Ziel

Wir entwickeln eine blutbasierte Diagnostik für die Primäre Angiitis des Zentralnervensystems (PACNS) - eine seltene, aber schwerwiegende Gehirngefäßentzündung. Zirkulierende Endothelzellen (CECs) und Endotheliale Vorläuferzellen (EPCs) werden per immunmagnetischer Isolation und 43-Farben-Spektral-FACS quantifiziert und validiert.

Klinische Rationale

PACNS trifft vor allem junge Erwachsene - und erforderte bislang eine Hirnbiopsie zur sicheren Diagnose. Unser blutbasiertes Biomarker-Panel soll in Zukunft diesen riskanten Eingriff ergänzen oder ersetzen.

Translation für Patienten

  • Diagnose per Blutentnahme statt Hirnbiopsie

  • Frühere Therapieeinleitung, weniger bleibende Schäden

  • Zuverlässige Abgrenzung von RCVS und Moyamoya-Erkrankung

Methodik

Immunomagnetische Isolation und 43-Farben-Spektral-FACS via CytoIntelligence Core Facility (CYTO+), für Hamburger und Kieler Kohorten.

Förderung

Anschubfinanzierung in Beantragung

Kooperationen

Neurovaskuläres Zentrum UKSH (PD Dr. Milani Deb-Chatterji)

Komplement-Thrombozyten-Achse als Therapietarget bei chronischer Gefäßentzündung

Das Ziel

Untersuchung der C5aR1-CXCL4-Signalkaskade als Schlüsselmechanismus für entzündungsgetriebene Angiogenese und Arteriogenese. Thrombozytärer C5aR1 stimuliert via C5a die anti-angiogene CXCL4-Ausschüttung und zeigte interessanterweise auch Geschlechtsunterschiede.

Warum ist das wichtig?

Chronische Entzündung ist der Motor von Atherosklerose, Herzinsuffizienz und pAVK. Das Komplementsystem – lange als reines Abwehrsystem verstanden – reguliert über Thrombozyten aktiv die Gefäßneubildung. Durch gezielte Hemmung oder Aktivierung dieser Achse möchten wir in Zukunft Entzündung "umprogrammieren": von Gewebeschaden zu Gewebereparatur.

Translation für Patienten

  • Präklinische Evaluation gentherapeutischer Ansätze für "No-Option"-pAVK-Patienten (kritische Extremitätenischämie ohne OP-Möglichkeit)

  • Pharmakologische Modulation der C5a-C5aR1-Achse (oral verfügbare Antagonisten verfügbar)

  • Kombination mit etablierten Therapien (Statine, Thrombozytenaggregationshemmer)

Methodik

Hindlimb-Ischemia-Modell mit Multi-Omics-Integration (Transkriptomik + Immunphänotyp + microCT) für die Translation zur First-in-Human-Studie.

Förderung

DZHK | Drittmittelfonds Schleswig-Holstein

PROGRESS - KI-gestützte Prognose durch Koronarkollateral-Analyse

Das Ziel

Die EU-geförderte PROGRESS-Studie setzt KI-Algorithmen (CNNs) ein, um koronare Kollateralkreisläufe bei CTO-Patienten (chronisch totale Koronarverschlüsse) automatisiert zu bewerten - und den individuellen Überlebensvorteil expertenunabhängig zu prognostizieren.

Klinische Rationale

Gut entwickelte koronare Kollateralkreisläufe (CCC) verbessern wahrscheinlich das Überleben, werden aber in der Routinediagnostik unzuverlässig eingeschätzt. Unser KI-Algorithmus erreicht auch im Vergleich zu Experten hohe Sensitivität bei der Kollateralenerkennung.

Translation für Patienten

  • Objektive, reproduzierbare KI-Prognose des Überlebens bei schwerer KHK

  • Optimierte Entscheidungsgrundlage für Revaskularisations-Interventionen

  • Reduktion von Über- und Unterbehandlung bei CTO

Förderung

Multizentrisches PROGRESS Konsortium (ERA PerMed Initiative2021-2024)

Kooperationen

Tanja Zeller und Zouhair Aherrahrou (Universität zu Lübeck) | Harald F. Langer (UMM Mannheim)

Immunsignaturen bei Klappentherapien - TAVR & T-TEER

Das Ziel

Wir analysieren, wie interventionelle Klappentherapien - Transcatheter Aortic Valve Replacement (TAVR) und Transcatheter Edge-to-Edge Repair (T-TEER) - systemische Entzündungsreaktionen und zirkulierende Immunzellpopulationen verändern. Hochdimensionale Immunphänotypisierung vor und nach dem Eingriff wird mit Deep-Learning-Methoden ausgewertet.

Klinisch Rationale

TAVR und T-TEER triggern komplexe, bislang kaum charakterisierte Immunreaktionen. Deren Verlauf ist prognostisch relevant - und eröffnet Ansätze für immunologisches Peri-Interventionsmonitoring.

Translation für Patienten

  • Bessere präinterventionelle Risikostratifizierung

  • KI-basierte Identifikation prognostischer Immunmarker

  • Optimierter Behandlungszeitpunkt durch immunologisches Monitoring

Methodik

Hochdimensionale Immunphänotypisierung (prä/post Intervention) + Deep-Learning-Analyse auf der Infrastruktur der CIC

Kooperation

Derk Frank und Jakob Voran (UKSH Kiel)

Fontan-Immunologie Biobanking - “Immune Resilience” bei Univentrikulärem Herzen

Das Ziel

Patienten mit Fontan-Zirkulation (Univentrikuläres Herz, UVH) sind einem chronischen hämodynamischen Stress ausgesetzt: dauerhaft erhöhter Venendruck und fehlende Pulsatilität treiben maladaptive Immunphänotypen (T-Zell-Erschöpfung, Autoimmunität) an, treten aber nicht bei allen Patienten gleich stark auf. Die SHIELD-HLHS Studie sucht nach “Immune Resilience”-Signaturen, die diesen Hämodynamik-Immun-Kreislauf durchbrechen - und so das Überleben verbessern.

Klinisch Rationale

Das Fontan-Versagen ist nicht nur ein mechanisches Problem - es ist ein systemisch-immunologisches Versagen. Wer die Immunachse versteht, kann gezielt intervenieren.

Translation für Patienten

  • Identifikation protektiver Immunprofile bei UVH

  • Grundlage für immunmodulatorische Therapien zur Lebensverlängerung

  • Langfristig: individualisierte Überwachungsstrategien

Methodik & CIC-Integration

Prospektive Biobank (n=100) kombiniert mit retrospektiver DESTATIS-Analyse (n=10.000). 43-Farben-Spektral-Durchflusszytometrie via CytoIntelligence Core Facility (CYTO+). Integration mit 4D Flow MRI, Computational Fluid Dynamics (CFD) und Multi-Omics Factor Analysis (MOFA).

Status

Aktiver Biobank-Aufbau

Weitere Translationale Biobanken - KVB & IMPART-AA

Das Ziel

Die Arbeitsgruppe betreibt zwei strukturierte Biobank-Initiativen als translationale Grundlage für die Biomarker-Entwicklung bei vaskulären Erkrankungen.

Kieler Vaskulärbiologische Biobank (KVB)

Systematische Sammlung von Bioproben (Urin, Stuhl, Serum, Plasma, PBMCs) von Patienten mit stenosierenden Gefäßerkrankungen. In Kooperation mit der Rheumatologie (Prof. Leipe) werden spezifische Immunprofile bei vaskulitischen Erkrankungen charakterisiert.


IMPART-AA - IMmune Profiling for Aneurysm Risk Stratification and Treatment Timing

  • Ziel: Klinische Validierung immunbasierter Prädiktoren für thorakale, abdominale und thorakoabdominale Aortenaneurysmen.

  • Klinische Rationale: Spezifische Immunzell-Infiltrationsmuster korrelieren mit beschleunigtem Aneurysmawachstum - standardisierte Blutbiomarker fehlen bislang.

  • Translation: KI-gestütztes Risikostratifizierungs-Tool für Aneurysmaprogression. Ziel: risikoadaptierte Bildgebungsintervalle und optimierter Operationszeitpunkt.

  • Methodik: Transkriptom-Analyse (mRNA, miRNA, siRNA, circRNA), PBMC-Phänotypisierung, Serum- und Plasma-Proteomik via CytoIntelligence Core Facility (CYTO+).

Kooperation

Klinik für Gefäßchirurgie und endovaskuläre Chirurgie


CytoIntelligence Core Facility (CIC / CYTO+)

logo_cic

Die CytoIntelligence Core Facility (CIC / CYTO+) ist eine von Prof. Nording geleitete Infrastruktur für Machine-Learning-basiertes Fluorescence-Activated Cell Sorting (FACS). Diese Einrichtung ermöglicht standardisierte Hochdurchsatz-Immunphänotypisierung mit bis zu 43-Farben-Spektral-Zytometrie und bildet die methodische Grundlage einiver Projekte der Arbeitsgruppe. Um das Angebot stetig zu erweitern, findet laufend internte Algorithmus Entwicklung statt.

Team

Leitung

Prof. Dr. med. Henry Nording

Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

CytoIntelligence Core (CYTO+)

Jacob von Esebeck

Biologisch-Technischer Assistent, Cyto+ CoreFacility Data Analyst

Technische Assistenz

Postdocs

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PhD Students

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MD Students

Doktorarbeiten

Es besteht die Möglichkeit zur Anfertigung von experimentellen und klinischen Doktorarbeiten in der Arbeitsgruppe.

Kontakt unter: henry.nording@uksh.de

Förderung durch das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), die Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA), die CAU Kiel und weitere Drittmittelgeber.