
Der Gründung des Instituts für Medizinische Statistik und Dokumentation der CAU im Jahr 1964 gingen langjährige Bemühungen der Kieler Klinik für Dermatologie unter der Leitung von Prof. Dr. Albin Proppe (1907-1990) voraus, am Standort eine maschinengerechte Befunddokumentation auf der Grundlage standardisierter und strukturierter Krankenblätter aufzubauen.

Unterstützung fand Proppe bei Prof. Dr. Gustav Wagner (1918-2006), der als Dermatologe mit seiner Ernennung zum wissenschaftlichen Rat und Professor 1962 eine eigenständige Abteilung für Medizinische Dokumentation und Statistik in der Hautklinik Kiel übernahm.
Medizinische Statistik und Dokumentation

An der Medizinischen Fakultät der CAU in Kiel wurde also ein Lehrstuhl für Medizinische Statistik und Dokumentation eingerichtet, auf den im Frühjahr 1964 Gerhard Griesser (1918-2001) als ordentlicher Professor berufen wurde.
Unter Griessers Leitung wurde am 1.12.1964 das Institut für Medizinische Dokumentation und Statistik (IMDS) an der Medizinischen Fakultät in Kiel gegründet. Mit der Gründung des Instituts stand die Einführung der automatischen Datenverarbeitung im Fokus. Ziel war es, in Zusammenarbeit mit den Kliniken und Instituten der Medizinischen Fakultät sowie auch der Verwaltung des Klinikums, die im Behandlungsprozess der Patienten anfallenden Informationen allen Beteiligten möglichst zeitnah zur Verfügung zu stellen. Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Auswahl, Vermittlung und Anwendung statistischer Verfahren in der Medizin: Vorlesungen und Übungen zur Biomathematik für Studenten sowie die Beratung und Unterstützung wissenschaftlicher Arbeiten an der Fakultät.
Medizinische Informatik und Statistik

Mit der Wahl zum Präsidenten der CAU zu Kiel im Jahr 1979 schied Griesser aus dem Institut aus. Nach einer kurzen Übergangszeit, in der Prof. Lothar Sachs kommissarisch die Leitung des Instituts übernahm, wurde Prof. Karl Sauter im Jahr 1980 als Nachfolger berufen.
Sauters wissenschaftliches Interesse galt komplexen Datenstrukturen und dem kontrollierten Zusammenspiel einzelner Elemente in solchen Strukturen. Unter seiner Leitung verlagerte sich der Schwerpunkt der Arbeiten am Institut weiter in den Bereich der Datenverarbeitung. Eine Ursache war sicher die rasante technische Entwicklung auf diesem Gebiet, andererseits erforderten die gesetzlichen Änderungen im Gesundheitswesen, insbesondere auch die geänderte Krankenhausfinanzierung, fortlaufende Anpassungen und die Weiterentwicklung einzelner Komponenten des KIS.

Nach dem Verkauf des Gebäudes in der Brunswiker Str. 2a an die CAU musste das Institut 1988 in neue Räumlichkeiten in der ehemaligen Lubinus-Klinik in der Brunswiker Str. 10 umziehen. Das Rechenzentrum wurde unter besonderer Berücksichtigung der Datenschutzanforderungen im Sockelgeschoss eingerichtet, während die Institutsleitung und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Büros im Erdgeschoss bezogen.
Im Jahr 1991 erhielt das Institut aufgrund einer Satzungsänderung des Universitätsklinikums Kiel nach langen Bemühungen seine jetzige Bezeichnung IMIS, die insbesondere der Bedeutung der Medizinischen Informatik im Aufgabenspektrum des Instituts gerecht wurde.
Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens

Sauter wurde im März 2001 emeritiert. Nach einer kurzen Übergangsphase, in der das IMIS von Manfred Jainz kommissarisch geleitet wurde, kam das Institut unter die Leitung von Prof. Michael Krawczak. Seine Berufung auf den Kieler Lehrstuhl für Medizinische Informatik und Statistik ist im Zusammenhang mit den damaligen Anstrengungen der Kieler Medizinischen Fakultät zu sehen, einen molekulargenetisch orientierten internistischen Forschungsschwerpunkt zu etablieren.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass dem IMIS nun auch ein umfassender Themenwechsel bevorstand. Populationsgenetische, bioinformatische und molekulargenetische Fragestellungen stehen seitdem im Zentrum des wissenschaftlichen Portfolios des IMIS.
Nichts desto trotz blieben die Medizinische Statistik und die Biometrie auch nach 2001 Kernanliegen des Instituts - besonders in der Lehre und in der Beratung von Doktoranden, Habilitanden und wissenschaftlichen Kooperationspartnern.
Die jüngere Vergangenheit des IMIS ist von einer Reihe infrastruktureller Entwicklungen geprägt, die bis heute nachhallen. So wurde 2008 auf der Grundlage eines Konzeptes, das Krawczak gemeinsam mit Kollegen der Fakultät, insbesondere Prof. Ingolf Cascorbi vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie, ausgearbeitet hatte, das Kieler Zentrum für Klinische Studien (ZKS) aus der Taufe gehoben. Unter der Leitung von Kristina Brandt wurde ein zertifiziertes Aus- und Fortbildungsprogramm für klinische Forscher und das Studienpersonal vor Ort etabliert. Inzwischen bietet das ZKS Kiel Dienstleistungen für alle Bereiche der Studiendurchführung an und hat sich erfolgreich an der Einwerbung von Drittmitteln beteiligt. Zudem leistet es einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung der Forschenden sowie der Unterstützung verschiedener Gremien beim Thema „Klinische Studien“, etwa in Zusammenarbeit mit dem Krebszentrum Nord.

Der Schwerpunkt des Instituts in der Genetischen Epidemiologie wurde mit der Berufung von Prof. Astrid Dempfle auf die Professur für Statistische Genetik im Oktober 2014 deutlich verstärkt.
Mit den Schwerpunkten in der statistischen Methodik zur Untersuchung von Gen-Umwelt-Interaktion und auf dem Gebiet der klinischen Studien kooperierte sie in Marburg insbesondere mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie, wobei sie u.a. genetische Studien zum ADHS, zur Adipositas und zu genetischen Mechanismen der Körpergewichtsregulation und schließlich auch klinische Studien zur Therapie von Essstörungen von statistischer Seite plante und auswertete.
Auch in Kiel ist sie im Beirat des Zentrums für Klinische Studien und engagiert sich sehr für wissenschaftsinitiierte klinische Studien, bei denen sie aktiv an Planung und Antragsstellung mitwirkt und in einem weiten Spektrum mit etlichen Kliniken am UKSH kooperiert. Fokus ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ist weiterhin die statistische Genetik und die genetische Epidemiologie, die nun besonders Anwendung in den Schwerpunkten der Kieler Fakultät finden werden.
In jüngster Zeit ist auch wieder die Medizinische Informatik ins Blickfeld des IMIS gerückt. So beteiligt sich das Institut seit 2013 am Aufbau einer eigenständigen Forschungsdaten-Infrastruktur der Medizinischen Fakultät, die insbesondere den Übergang klinischer Daten aus der Versorgung im UKSH in die wissenschaftliche Nutzung durch Mitglieder der Fakultät ermöglichen und unterstützen soll. Es scheint also, als ob 15 Jahre nach der thematischen Schwerpunktverlagerung durch Krawczak die Bearbeitung informationstechnischer Fragestellungen wieder einen maßgeblichen Raum im Aufgabenspektrum des IMIS einnehmen wird.