Die funktionelle Neurochirurgie ist ein spezialisiertes Teilgebiet der Neurochirurgie mit dem Ziel, neurologische Funktionen gezielt zu modulieren und dadurch die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.
Am UKSH-Campus Kiel behandeln wir seit vielen Jahrzehnten ein breites Spektrum funktionell-neurochirurgischer Erkrankungen. Mit hohen Fallzahlen, langjähriger Erfahrung und enger interdisziplinärer Zusammenarbeit zählen wir bundesweit zu den leistungsstarken Zentren auf diesem Gebiet.
Unsere Schwerpunkte umfassen die operative und interventionelle Behandlung von:
Bewegungsstörungen (Morbus Parkinson, Essenzieller Tremor, Dystonie)
Chronischen Schmerzsyndromen (u. a. neuropathische Schmerzen, Persistent Spinal Pain Syndrome)
Spastik (z. B. bei Multipler Sklerose, nach Rückenmarksverletzungen oder Schlaganfall)
Pharmakoresistenter Epilepsie
Tiefe Hirnstimulation (THS / DBS)
Die Tiefe Hirnstimulation ist ein etabliertes operatives Verfahren zur Behandlung von Bewegungsstörungen und ausgewählten Epilepsieformen. Am UKSH-Campus Kiel wird die THS seit 1999 routinemäßig durchgeführt; bislang wurden deutlich über 1.000 Patientinnen und Patienten behandelt.
Mithilfe stereotaktischer Bildgebung werden Elektroden millimetergenau in definierte Zielregionen des Gehirns implantiert und mit einem unter der Haut liegenden Impulsgeber verbunden. Durch individuell einstellbare elektrische Impulse kann die krankhaft veränderte neuronale Aktivität moduliert werden, was zu einer signifikanten Symptomverbesserung führt.
Die Behandlung erfolgt nach standardisierten Protokollen mit niedriger Komplikationsrate. Die postoperative Einstellung der Stimulation erfolgt stationär und wird ambulant fortgeführt.
MRT-gesteuerter fokussierter Ultraschall (MRgFUS / HIFU)
Der MRT-gesteuerte fokussierte Ultraschall ist ein nicht-invasives, schnittfreies Verfahren, das wir am UKSH-Campus Kiel seit 2020 einsetzen. Mit einer hohen Behandlungsfrequenz zählt unser Zentrum deutschlandweit zu den führenden Einrichtungen auf diesem Gebiet.
Zugelassene Indikationen sind u. a.:
Essenzieller Tremor
Parkinson-Tremor
Dystonie-assoziierter Tremor
Ausgewählte neuropathische Schmerzsyndrome
Durch die präzise Bündelung von Ultraschallenergie wird eine gezielte thermische Läsion im Zielgebiet erzeugt, ohne das umliegende Gewebe zu schädigen. Die Behandlung erfolgt unter kontinuierlicher MRT-Kontrolle bei wachem Patienten. Eine stationäre Nachbehandlung ist in der Regel nicht erforderlich.
Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation, SCS)
Die Rückenmarkstimulation ist ein etabliertes Verfahren zur Behandlung chronischer neuropathischer Schmerzen. Dabei werden epidural platzierte Elektroden genutzt, um schmerzleitende Signale zu modulieren. Vor der dauerhaften Implantation erfolgt eine zeitlich begrenzte Testphase. Bei ausreichender Schmerzreduktion wird das System dauerhaft implantiert und individuell programmiert.
Intrathekale Pumpensysteme
Intrathekale Pumpensysteme kommen bei therapieresistenten chronischen Schmerzen sowie bei schwerer Spastik zum Einsatz. Über einen Katheter wird das Medikament (z. B. Baclofen oder Morphin) direkt in den Liquorraum abgegeben, wodurch eine effektive Wirkung bei geringer systemischer Belastung erreicht wird. Die Pumpen sind programmierbar und werden ambulant betreut.
Vagusnerv- und Okzipitale Nervstimulation (VNS / ONS)
Die Vagusnervstimulation wird vor allem bei pharmakoresistenter Epilepsie eingesetzt, die okzipitale Nervstimulation bei ausgewählten chronischen Kopfschmerzerkrankungen. Beide Verfahren ermöglichen eine modulierte Beeinflussung neuronaler Netzwerke über periphere Nervenstrukturen.

