Beinlängendifferenzen

Krankheitsbild

Fast jeder Mensch hat eine leichte Beinlängendifferenz. Beinlängendifferenzen entwickeln sich anlagebedingt oder entstehen nach Unfällen mit Verletzungen von Wachstumsfugen. Durch die Beinlängendifferenz entsteht ein Beckenschiefstand, der zu einer Wirbelsäulenverkrümmung und Rückenschmerzen führen kann. Leichte Beinlängendifferenzen von unter 1 cm können mit Einlagen ausgeglichen werden, über einem Zentimeter sind schon Anpassungen der Schuhe mit Schuhsohlenerhöhung notwendig. Im Erwachsenenalter können Beinlängendifferenzen nur noch mit aufwendigen Operationen ausgeglichen werden. Vor Wachstumsabschluss ist eine Wachstumslenkung durch einen deutlich kleineren Eingriff möglich.

Operative Behandlung

Bei der Ephiphysiodese werden die kniegelenksnahen Wachstumsfugen blockiert, um das längere Bein am weiteren Wachstum zu hindern, bis ein vollständiger Ausgleich der Beinlängendifferenz erreicht ist. Voraussetzung ist, dass das Wachstum noch nicht abgeschlossen ist. Bei Mädchen sollte die Operation meist vor dem 12. Lebensjahr durchgeführt werden, bei Jungen bis zum 13. Lebensjahr, abhängig vom Reifegrad und dem Ausmaß der Fehlstellung. Wir benutzen aufgrund jahrelanger guter Erfahrung nur sogenannte 2-Loch-Platten, die über kleine Hautschnitte am Kniegelenk eingebracht, und mit 2 Schrauben präzise im Knochen verankert werden.

Wenn eine ausgeprägte Beinlängendifferenz vorliegt und das zu erwartende Restwachstum nicht ausreicht, um eine vollständige Korrektur zu erreichen, kommt eine Marknagelverlängerung in Betracht. Hierbei wird mit einem Zielinstrument über kleine Hautschnitte ein Metallnagel mit Teleskop-Funktion längs in den verkürzten Knochen eingebracht und mittels Magneten, die man auf das betroffene Körperteil auflegt, täglich um 0,5-1mm verlängert. Der Eingriff ist deutlich aufwendiger, so dass die Methode nur bei ausgeprägten Fehlstellung in Betracht gezogen wird.

Nachbehandlung

Nach der Operation mit 2-Loch-Platten bleiben die Kinder meist nur 1-2 Tage im Krankenhaus. Das operierte Bein sollte geschont werden, kann aber prinzipiell voll belastet werden. Für 1-3 Wochen werden daher Unterarmgehstützen benötigt. Meist können die Kinder schon nach 3-4 Wochen wieder beschwerdefrei Sport machen. Im weiteren Verlauf sind regelmäßige Kontrollen des Wachstums und Röntgenkontrollen notwendig, um den optimalen Zeitpunkt zur Entfernung der Platte zu bestimmen, damit eine Überkorrektur vermieden wird. Der Zeitpunkt der Metallentfernung ist abhängig von der Wachstumsgeschwindigkeit und dem Ausmaß der präoperativ bestandenen Fehlstellung. Oft ist die Korrektur bereits nach etwa einem Jahr erreicht. Bei größeren Fehlstellungen kann es bis zur vollständigen Korrektur aber auch 3-4 Jahre dauern.

Bei der Marknagelverlängerung ist ein stationärer Aufenthalt von etwa einer Woche notwendig. In der Zeit beginnt bereits die Verlängerung des betroffenen Knochen. Dies kann unangenehm sein, wird aber nicht als schmerzhaft beschrieben. Wichtig ist, die umliegenden Muskeln während der Verlängerung konsequent zu dehnen, um Verkürzungen der Muskeln und in der Folge Gelenkbeschwerden nach der Verlängerung zu vermeiden. Die modernen Verlängerungsnägel sind voll belastbar, so dass Gehstützen nur für etwa 2-4 benötigt werden. Der Nagel wird erst entfernt, wenn sich der neu gebildete Knochen vollständig durchbaut hat und die volle Stabilität erreicht ist.