Hüftdysplasie

Konservative Therapie im Säuglingsalter

Krankheitsbild

Die Hüftdysplasie stellt die häufigste angeborene Fehlbildung im Bereich des Bewegungsapparates dar. In Mitteleuropa sind 7,7% der Neugeborenen in mehr oder minder starkem Ausmaß betroffen. Mädchen zeigen die Fehlbildung viermal häufiger als Jungen.

Roentgenbild_einer_Hueftluxation Röntgenbild einer Hüftluxation

Es handelt sich um eine Verknöcherungsstörung des Hüftpfannenerkers („Reifungsstörung“), wodurch es zur Ausbildung einer zu steilen Hüftpfanne mit ungenügender Überdachung des Hüftkopfes kommt. Im schlimmsten Fall kommt es hierbei zu einem „Herausrutschen“ des Hüftkopfes aus der Pfanne, der sogenannten Hüftluxation. Leichtere Fälle machen im Laufe der Kindheit und Jugend oft gar keine Beschwerden, können aber im Erwachsenenalter zu einem vorzeitigen Hüftgelenksverschleiß (Arthrose) führen.

Die Prognose der Erkrankung ist im Allgemeinen gut, jedoch abhängig vom Zeitpunkt der Diagnosestellung und damit einem frühestmöglichen Therapiebeginn. Da sich die Fehlstellung im Ultraschall gut und für das Kind schmerzlos darstellen lässt, empfehlen wir diese Untersuchung zur Früherkennung bereits in den ersten Lebenstagen. Wir führen sie in unserer hiesigen Frauenklinik im Rahmen eines „Neugeborenen-Hüftscreenings“ einmal wöchentlich durch.

Neugeborenen-Hueftscreenings Neugeborenen-Hueftscreenings

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Ultraschallbefund_einer_gesunden_Saeuglingshuefte Ultraschallbefund einer gesunden Saeuglingshuefte

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Konservative Behandlung

Spreitzhose Spreizhose („Tübinger Hüftbeugeschiene“)

Da das Hüftgelenk im Säuglingsalter knorpelig angelegt und noch nicht komplett verknöchert ist, lässt es sich durch eine „Abspreizbehandlung“ formen. Hierbei wird das Gelenk in eine zur Ausreifung günstige Position, die sogenannte „Sitz-Hock-Stellung“, gebracht. Bei leichteren Fällen genügt hierzu eine breite Wickelung des Kindes, bei ausgeprägteren Fällen ist eine Spreizhose erforderlich.

Diese Therapie wird unter regelmäßigen ambulanten Sonografiekontrollen so lange fortgesetzt, bis sich günstige Gelenkwinkel zeigen. Abschließend ist nach einem Jahr, wenn das Kind beginnt zu laufen, eine Röntgenkontrolle zum Ausschluss einer „Rest-Dysplasie“ erforderlich.

Becken-Bein-Gips Becken-Bein-Gips („Fettweis-Gips“)

Sollte der Hüftkopf bereits zu Beginn der Therapie drohen, aus der Hüftpfanne herauszurutschen, oder bei Therapiebeginn bereits luxiert sein, so ist eine Reposition des Gelenkes und Ruhigstellung in einem Becken-Bein-Gips für sechs Wochen erforderlich. Dies führen wir in einer Kurznarkose im Rahmen eines ambulanten Eingriffes durch und kontrollieren die Gelenkstellung noch während der Narkose mit einer Magnetresonanztomografie (MRT), um eine optimale Stellung im Gips zu gewährleisten. Die Nachbehandlung nach der Gipsphase erfolgt dann wiederum mit der Spreizhose unter regelmäßigen Sonografiekontrollen.