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Prävention von Handballverletzungen

Sportsprechstunde

dienstags 8.00-12.00 Uhr

Liebe Handballsportler,

Kniegelenks- und Sprunggelenksverletzungen sind häufige Verletzungen im Handballsport. Insbesondere Verletzungen des vorderen Kreuzbandes können zu langen Spiel- und Trainingsausfällen führen. Nicht selten kommt es langfristig zum Gelenkverschleiß.

Da neue sportmedizinische Forschungsergebnisse gezeigt haben, dass ein großer Anteil schwerer Verletzungen im Ballsport auf eine ungenügende muskuläre Gelenkkontrolle zurückzuführen sind, ist es möglich, diese Verletzungen durch ein gezieltes Training der gelenkstabilisierenden Muskulatur zu verhindern.

Wir haben ein einfaches und abwechslungsreiches Trainingsprogramm für den Handballsport entwickelt, mit dem Handballverletzungen verhindert werden können. Wichtig ist, dass das Programm intensiv in der Vorbereitungsphase durchgeführt wird. In der Wettkampfphase reicht eine Trainingseinheit pro Woche aus (5 Min.) um den Trainingseffekt zu stabilisieren.

Ziel der Übungen ist es die Feinabstimmung der gelenkstabilisierenden Muskulatur so zu trainieren, dass die Muskulatur das Gelenk im Spiel durch unbewusste Anspannung schützen kann. Ein ähnliches Programm wird z.B. auch von der deutschen Fußballnationalmannschaft durchgeführt.

Das Programm wird offiziell vom Deutschen Handballbund unterstützt.

Inhaltsverzeichnis

Risikofaktoren
Entstehung von Verletzungen
Kreuzbandverletzungen im Ballsport
Geschlechtsspezifische neuromuskuläre Unterschiede
Funktionelle Stabilität
Kieler Handball-Verletzungs-Präventionsprogramm


Risikofaktoren für die Entstehung von Sportverletzungen

Risikofaktoren I. Klasse: Nicht beeinflussbar

  • Alter
  • Geschlecht (Risiko für Kreuzbandrupturen bei Frauen 2,4-9x höher als bei Männern)
  • Level (Wettkampfsport hat ein höheres Risiko als Freizeitsport)

Keine Möglichkeit zur Prävention.

Risikofaktoren II. Klasse: Risikofaktoren selbst nicht beeinflussbar aber Verhalten beeinflussbar

  • Scheidung
  • Examen
  • Krankheit oder Tod Angehöriger
  • Drogen/Alkohol/Rauchen
  • Frühere Verletzungen
  • Akute Verletzungen
  • Krankheit

Kein Wettkampfsport, Leistungssport nur nach perfekter Rehabilitation.

Risikofaktoren III. Klasse: beeinflussbar

  • Schuhe/Hallenbelag
  • Sportart
  • Koordination
  • Kondition
  • Muskulärer Status
  • Risikobereitschaft

Modifikation von Training, Psyche und Ausrüstung.

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Entstehung von Gelenkverletzungen

Die Entstehung von Gelenkverletzungen soll am Beispiel der Ruptur des vorderen Kreuzbandes erläutert werden.

Das vordere Kreuzband liegt geschützt in der Mitte des Kniegelenkes. Ist das vordere Kreuzband zerstört, kann der Schienbeinkopf nach vorne abweichen und der Sportler kann sein Gelenk nur noch schlecht stabilisieren.

GelenkverletzungenBei der Entstehung von Kreuzbandverletzungen spielt die Streckmuskulatur eine große Rolle.

Die Beuger schützen das vordere Kreuzband.

Die Streckmuskulatur kann das vordere Kreuzband zerreissen!

Abb. Schematische Darstellung eines Kniegelenkes. Die rote Struktur stellt das vordere Kreuzband dar.

 

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Entstehung von Kreuzbandverletzungen im Ballsport

Videoanalysen von Kreuzbandverletzungen im Basketball haben Aufschluss über die Stellung des Beines zum Zeitpunkt der Verletzung gebracht. Danach sind die gefährlichsten Spielsituationen: 1. das Landen nach einem Sprung, 2. das plötzliche Abstoppen und 3. plötzliche Drehbewegungen.

Kreuzbandgefährdende Spielsituationen (nach Teitz 2000)

  • Landen nach einem Sprung
  • Abstoppen
  • Drehbewegungen

Die Körperhaltung war zum Zeitpunkt der Verletzung aufrecht mit leicht flektiertem Knie- und Hüftgelenk. In dieser Position bewirkt eine Kontraktion der Streckmuskulatur des Kniegelenkes (M. quadrizeps femoris) hohe Spannungen im vorderen Kreuzband und die Beuger (ischiokrurale Muskeln) haben einen ungünstigen Hebelarm um das vordere Kreuzband zu schützen. Der Unterschenkel war in den meisten Fällen außenrotiert und in X-Bein-Position, eine Stellung in der das vordere Kreuzband maximal gespannt ist. Die meisten Sportler berichten, daß die Schuhsohle zum Zeitpunkt der Verletzung am Boden fixiert war und eine Drehung des Fußes nicht möglich war. Der Körperschwerpunkt war in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle hinter dem Zentrum des Kniegelenkes und der Fuß wurde flach aufgesetzt. In dieser Position muss die Hüfte gebeugt werden, um das Gleichgewicht zu halten; dabei kommt es zur Anspannung des M. quadrizeps, dessen Kraft das vordere Kreuzband zerreißen kann.

Körperhaltung zum Zeitpunkt der Kreuzbandruptur (nach Teitz 2000)

  • Leicht gebeugtes Knie und Hüftgelenk
  • Unterschenkel außenrotiert
  • Schuhsohle war am Boden fixiert
  • Fuß war flach aufgesetzt
  • Körperschwerpunkt hinter dem Kniegelenk

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Geschlechtsspezifische neuromuskuläre Unterschiede

Die Aktivierung der das Kniegelenk stabilisierenden Muskeln weist geschlechtsspezifische Unterschiede auf. Weibliche Hochleistungssportler antworten auf einen Verletzungsreiz nach einem Training der Oberschenkelmuskulatur schneller mit der Streckmuskulatur. Bei männlichen Sportlern sowie untrainierten Kontrollpersonen (weibl. und männl.) kommt es eher zu einer Aktivierung der Beuger.

Unter präventiven Aspekten bedeutet das, dass im Krafttraining bei weiblichen Spielern besonders Wert auf das Training der Beuger gelegt werden soll.

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Funktionelle Stabilität

Bei Tätigkeiten des täglichen Lebens entstehen im Kniegelenk Kräfte des ein- bis zweifachen Körpergewichtes. Im Sport werden Kräfte des 5-fachen Körpergewichtes erreicht. Biomechanische Studien haben gezeigt, daß der Bandapparat diese Kräfte allein nicht halten kann. Seit einigen Jahren wird von vielen Sportwissenschaftlern das Konzept der funktionellen Stabilität propagiert:

Nach diesem Konzept besitzt die Muskulatur eine große Rolle für die Stabilisierung eines Gelenkes. Dieses Konzept soll zunächst für das Kniegelenkes erläutert werden. Es gilt jedoch auch für andere Gelenke (z.B. Sprunggelenke). Bei der Stabilisierung des Kniegelenkes wirken Beuger und Strecker einander entgegen (Abbildung). Die Beuger können ein Abweichen des Schienbeinkopfes nach vorn verhindern (vordere Schublade). Der M. quadrizeps wirkt dieser Kraft entgegen. Das Zusammenspiel beider Muskelgruppen mit den passiven Stabilisatoren wird als funktionelle Stabilität bezeichnet. Muskelaktivierung kann bewußt oder unbewußt erfolgen. Bei der Stabilisierung im Sport spielen vor allem unbewußte Mechanismen eine große Rolle (Propriozeption).

Das Zusammenspiel von Beugern und Streckern ist für die Stabilität des Gelenkes entscheidend.

Ist die funktionelle Stabilität trainierbar?

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass funktionelle Stabilität trainierbar ist. In der Rehabilitation von Sprunggelenksverletzungen haben stabilisierende Übungen heute einen großen Stellenwert. Unter Verwendung von Balancebrettern sollen propriozeptive Reflexe zur Vermeidung weiterer Supinationstraumen gestärkt werden.

Funktionelle Stabilität ist trainierbar !

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Das "Kieler Handball-Verletzungs-Präventionsprogramm"

Das Präventionsprogramm wurde von Physiotherapheuten, Trainern und Sportärzten aus Kiel entwickelt und bei der Herren-Bundesligamanschaft (2. Liga) der HSG Tarp/Wanderup (18 Spieler) etabliert und in der Saison 2001/2002 erstmals eingesetzt.

Ziel war ein einfaches Programm, das mit kostengünstigen Mitteln von jedem Verein leicht durchgeführt werden kann. Die Übungen sollten so einfach sein, dass eine Einführung durch einen Physiotherapheuten nicht unbedingt erforderlich ist. Das Programm setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Aufklärung
  • Propriozeptionsübungen (statische Übungen)
  • Sprungübungen mit Bewegungskontrolle (dynamische Übungen): Körperschwerpunkt zentrieren, Fußposition beachten

1. Aufklärung

Das Programm beginnt mit einer Aufklärung der Mannschaft über die Verletzungsmechanismen an der unteren Extremität im Ballsport. Anschließend wird den Spielern der Sinn und Zweck des Präventionstrainings sowie der Trainingsablauf erläutert.

2. Statisches Propriozeptionstraining

Das Propriozeptionstraining beinhaltet Übungen auf einem käuflich erwerblichen Wackelbrett. Innerhalb der 6-wöchigen Vorbereitungsphase erfolgt ein in seiner Schwierigkeit gestaffeltes Trainingsprogramm (Tabelle 1). Anfangs werden die Übungen im beidbeinigen Stand durchgeführt, später einbeinig und unter Verwendung eines Wackelbrettes. Es ist sinnvoll leichte Wettbewerbssituationen zu schaffen (wer bleibt am längsten auf dem Wackelbrett). Frühzeitig soll der Einsatz des Balles in Form einfacher Wurfübungen mit und ohne Partner erfolgen. Die Wurfübungen sollen in ihrer Schwierigkeit gesteigert werden (z.B. Wurf auf das Tor). Der höchste Schwierigkeitsgrad beinhaltet Übungen mit geschlossenen Augen mit und ohne Ball sowie Übungen, bei denen der Partner den Übenden aus dem Gleichgewicht bringt.

3. Dynamisches Koordinations- und Sprungtraining

Beim Koordinations- und Sprungtraining steht die Bewegungskontrolle bei Sprung im Vordergrund. Diese erfolgt durch den Physiotherapeuten, Trainer und später durch den Übungspartner. Dabei soll darauf geachtet werden, daß sich der Körperschwerpunkt beim Landen nicht hinter sondern über dem Fuß befindet ("Knie über dem Zeh-Position"). Beim Landen sollte der Fuß nicht flach, sondern mit dem Vorfuß zuerst aufgesetzt werden (Tabelle). Eine weiche Matte soll die Übungen erschweren und propriozeptive Fähigkeiten bei der Landung trainieren.

Trainingsplan

Praktische Hinweise

Vorbereitungsphase

Dauer 10 Minuten, Frequenz: 3 pro Woche

Wettkampfphase

Dauer 5 Minuten, Frequenz: 1 pro Woche

Stufe Statisch Dynamisch
1 Einbeinstand und handballspezifische Wurfübungen (auf achsengerechte Ausrichtung des Kniegelenkes achten, Knie in leichter Beugung, keine Außenrotation), evtl. Übungen mit geschlossenen Augen.  
2 Rundes Wackelbrett: Erst beidbeining, dann einbeinig, gegensätzliche Bewegungen von Stand- und Spielbein, Leichte Wurfübungen mit Partner.

Saltomatte: Sprünge auf der Matte (erst beidbeinig, dann einbeinig), später mit handballspezifischen Wurfübungen.

Körperkontrolle durch den Trainer: Landen auf dem Vorfuß, Knie über den Zehen.

3 Handball_Verletzungs_PraeventionsprogrammRundes Wackelbrett, längliches Wackelbrett: Einbeinig (abwechselnd links und rechts) und einfache Wurfübungen (z.B. Dribbeln).

Saltomatte: Sprünge vom Boden auf die Matte (erst beidbeinig, dann einbeinig), später mit handballspezifischen Wurfübungen.

Körperkontrolle durch den Trainer: Landen auf dem Vorfuß, Knie über den Zehen.

4 Rundes Wackelbrett, längliches Wackelbrett: Einbeinig (abwechselnd links und rechts) und Wurfübungen mit Partner oder auf das Tor.

Saltomatte: Sprünge vom Kasten auf die Matte (erst beidbeinig, dann einbeinig), später mit handballspezifischen Wurfübungen.

Körperkontrolle durch den Trainer: Landen auf dem Vorfuß, Knie über den Zehen.

5 Rundes Wackelbrett, längliches Wackelbrett: Einbeinig und Wurf- und Fangübungen mit Partner, zusätzlich Übungen bei denen der Spieler durch seinen Partner aus dem Gleichgewicht gebracht wird.

Saltomatte: Sprünge vom Kasten auf die Matte (erst beidbeinig, dann einbeinig), später mit handballspezifischen Wurfübungen: kraftvolles Werfen auf ein Ziel.

Körperkontrolle durch den Trainer: Landen auf dem Vorfuß,Knie über den Zehen.

6 Rundes Wackelbrett, längliches Wackelbrett: Einbeinig (abwechselnd links und rechts), geschlossenen Augen und Wurfübungen mit Partner.

Saltomatte: Sprünge vom Kasten auf die Matte, handballspezifische Wurfübungen, geschlossenen Augen.

Körperkontrolle durch den Trainer: Landen auf dem Vorfuß,Knie über den Zehen.

Das Trainingsprogramm wurde bei der ersten Mannschaft der HSG Tarp getestet.

Im Vergleich zum Vorjahr traten in der Trainingsmanschaft keine schweren Verletzungen auf. Im Vorjahr kam es dreimal zu einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes.

Im prospektiven Vergleich traten in der nicht präventiv trainierten Kontrollgruppe eine Kreuzbandruptur und mehrere Bandrupturen am am Sprungegelenk auf. Die Häufigkeit mittelschwerer und leichter Verletzungen der unteren Extremität war in der Präventionstrainingsgruppe jedoch deutlich geringer als in der nicht trainierten Gruppe.

Die Übungen haben auch einen präventiven Effekt auf Sprunggelenksverletzungen.

Viel Erfolg!

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