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Startseite > Forschung > FB IV - Rehabilitationsforschung > AG-IN-REHA – Arbeitgebereinbindung in den Reha-Prozess: Erfahrungen und Wünsche mit zurückliegender medizinisch-beruflich orientierter Rehabilitation

AG-IN-REHA
Arbeitgebereinbindung in den Reha-Prozess: Erfahrungen und Wünsche mit zurückliegender medizinisch-beruflich orientierter Rehabilitation


 

Fragestellung

Ziel der Studie war die Exploration der Perspektive von Betroffenen auf die Arbeitgebereinbindung im Rehabilitationsprozess. Es sollte der Frage nachgegangen werden, welche Erfahrungen Personen mit zurückliegender medizinisch-beruflich orientierter Rehabilitation (MBOR) bezüglich der Arbeitgebereinbindung gemacht haben (beim Reha-Zugang, während der Durchführung der Reha-Maßnahme, beim beruflichen Wiedereinstieg), wie sie diese Erfahrungen bewerten und wie sie sich die Arbeitgebereinbindung idealerweise vorgestellt hätten.

Hintergrund

Die MBOR richtet sich an Personen mit besonders ausgeprägten Beeinträchtigungen erwerbsbezogener Aktivitäten und Teilhabe. Ziel ist es, die Arbeitsfähigkeit und beruflichen Teilhabechancen dieser Zielgruppe über einen verstärkten Erwerbsbezug zu verbessern. Die im Anforderungsprofil der Deutschen Rentenversicherung zur Umsetzung der MBOR beschriebenen Kernangebote (Sozialberatung, berufsbezogene Gruppen, Arbeitsplatztraining) werden in der Orthopädie bereits gut umgesetzt. Optimierungspotentiale bestehen jedoch hinsichtlich einer verstärkten Vernetzung mit Arbeitgebern und deren gezielter Einbindung in den Rehabilitationsprozess. Da die Betroffenen hierbei immer im Zentrum stehen, ist ihre Perspektive auf die Arbeitgebereinbindung von großer Bedeutung und liefert wichtige Hinweise für die Weiterentwicklung der MBOR.

Methoden

Acht Teilnehmende einer orthopädischen MBOR mit bestehendem Beschäftigungsverhältnis wurden ca. vier Wochen nach Rehabilitationsende telefonisch interviewt. Die Rekrutierung erfolgte zum Zeitpunkt der Rehabilitation in der Fachklinik Aukrug. Die leitfadengestützten Telefoninterviews wurden aufgezeichnet und anschließend verschriftlicht. Der Leitfaden beinhaltete drei Frageblöcke: 1. Erkrankungsgeschichte und Rehabilitationszugang, 2. die berufliche Situation vor und nach der Rehabilitation, 3. Arbeitgebereinbindung in den Rehabilitationsprozess. Die Auswertung der Interviews erfolgte computergestützt mittels inhaltlich-strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse. Dabei wurden zunächst alle acht Einzelfälle rekonstruiert und Fallvignetten erstellt, anschließend übergreifende Themen mittels kontrastiver Fallvergleiche identifiziert.

Ergebnisse

Eine Arbeitgebereinbindung zur Unterstützung der beruflichen Wiedereingliederung fand bei den interviewten Betroffenen mehrheitlich kaum statt. Sie wurde weder von ihnen und ihren Arbeitgebern noch von beteiligten Akteuren des Gesundheits- und Sozialsystems gezielt gesucht. So kennzeichneten sich Kontakte zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern größtenteils durch das Überbringen und Entgegennehmen von Krankmeldungen sowie das beiderseitige Abwarten auf die Wiederaufnahme bzw. Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses. Einer gezielten Unterstützung erkrankter Mitarbeiter durch Arbeitgeber scheinen mangelnde betriebliche Möglichkeiten sowie fehlende ökonomische, rechtliche und ethische Anreize entgegenzustehen. Neben der mangelnden Arbeitgebereinbindung, kristallisierten sich zwei weitere Themen heraus: Schnittstellenprobleme im segregierten Gesundheits- und Sozialsystem sowie ungenutzte Möglichkeiten zur Unterstützung beruflicher Wiedereingliederung in der Rehabilitation. Da sich auch von den hier beteiligten Akteuren (Leistungsträger und Leistungsanbieter) wieder Strategien des Abwartens zeigten, wurde eine allseitige Strategie des Abwartens als viertes, querliegendes Thema identifiziert.

Die Ergebnisse der Erhebungen zeigen, dass es nicht nur einer verbesserten Einbindung von Arbeitgebern, sondern auch der bedarfsorientierten und flexiblen Ausschöpfung aller geeigneten Eingliederungsmaßnahmen und Eingliederungsinstrumente sowie der Überbrückung von Schnittstellen im segregierten Gesundheits- und Sozialsystem bedarf, um die berufliche Wiedereingliederung von Personen mit besonders hohem Frühberentungsrisiko gezielt zu fördern und Desintegrationskarrieren abzuwenden bzw. aufzuhalten. Es gilt alle beteiligten Akteure ins Boot zu holen, auf das gemeinsame Ziel der Wiedereingliederung einzuschwören und eine Strategie des Abwartens durch eine Strategie des aktiven Planens und Umsetzens individueller und nachhaltiger Wiedereingliederungspläne abzulösen. Integrative Versorgungsmodelle, die eine klinische und eine arbeitsplatzbezogene Intervention umfassen, proaktiv angelegt sind und einen Eingliederungsmanager oder Eingliederungskoordinator nutzen, bieten in diesem Zusammenhang vielversprechende Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung der rehabilitativen Versorgung. Solche Modelle sollten dabei nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich flexibel an den individuellen Bedarf angepasst werden. Arbeitgeber sollten darüber hinaus weitere Anreize zur Unterstützung erkrankter Mitarbeiter erhalten. Zudem gilt es für die Überbrückung von Schnittstellen verbindliche Regelungen zu schaffen.

Laufzeit

02 / 2016 bis 08 / 2016

Förderung

Sektionsmittel

Kooperationen

Fachklinik Aukrug

Ansprechpartner/-in

Bild von Matthias Bethge
Prof. Dr. Matthias Bethge
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
Leitung, Sektion: Rehabilitation und Arbeit
Telefon Lübeck: 0451 500-51280 | Fax: -51208

 

 Betje Schwarz

Publikationen

Schwarz B, Specht T, Bethge M. Fortschreibung von Desintegrationskarrieren statt Förderung beruflicher Wiedereingliederung: Eine qualitative Studie zur Arbeitgebereinbindung in den Reha-Prozess. Rehabilitation 2017;56:365-71; doi:10.1055/s-0043-111618