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ORIENT -
Fallmanagement nach psychosomatischer Rehabilitation


Fragestellung

Die Prozessevaluation begleitete die Implementierung des Fallmanagements nach psychosomatischer Rehabilitation. In diesem Zusammenhang sollte die Studie Aufschluss darüber geben, welche Personengruppen mit dem neu geschaffenen Angebot erreicht wurden, welche Unterstützungserwartungen die Klienten hatten, welche wiedereingliederungsrelevanten Veränderungen durch das Fallmanagement erreicht wurden und welche Faktoren die berufliche Wiedereingliederung nach einer psychosomatischen Rehabilitation unterstützen oder behindern.

Hintergrund

Psychische Erkrankungen haben erhebliche Konsequenzen für die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland fast 74.000 erwerbsminderungsbedingte Rentenzugänge aufgrund psychischer Erkrankungen gezählt. Psychische Erkrankungen sind damit für 43 % der erwerbsminderungsbedingten Rentenzugänge in Deutschland verantwortlich und stellen die häufigste Ursache für Transferleistungen in Folge eines erwerbsminderungsbedingten Ausscheidens aus dem Arbeitsleben dar. Zwar ist auf Bevölkerungsebene kein Anstieg der Prävalenz von psychischen Störungsbildern wie Angst und Depression zu beobachten, die Zahl der durch psychische Erkrankungen begründeten Fehltage und Frühberentungen steigt jedoch entgegen dem Trend bei anderen Erkrankungen seit Jahren kontinuierlich.

Wie kontrollierte Studien zeigen, ist bei schweren psychischen Erkrankungen eine kontinuierliche unterstützende Betreuung bei der Wiedereingliederung ins Erwerbsleben den klassischen beruflichen Rehabilitationskonzepten überlegen. Daneben gilt die eingeschränkte Zusammenarbeit zwischen betrieblichen Akteuren und rehabilitativer Versorgung als Barriere für eine erfolgreiche Rückkehr in den Arbeitsmarkt nach einer Rehabilitation.

Als individuelles Nachsorgeangebot kann ein Fallmanagement eine sektorenübergreifende Kooperation unterstützen, die spezifischen Problemlagen der Rehabilitanden adressieren und helfen, bestehende strukturelle, organisatorische und zwischenmenschliche Barrieren der Wiedereingliederung zu überwinden.

Das in unserer Studie untersuchte Fallmanagement wurde durch zwei Fallmanagementanbieter realisiert. Die Identifizierung möglicher Teilnehmer und die Zuweisung zum Fallmanagement erfolgte durch drei psychosomatische Rehabilitationseinrichtungen.

Methoden

Die Studie nutzte einen multimethodischen Zugang und umfasste eine Dokumentenanalyse, eine Beobachtungsstudie mit zwei Erhebungszeitpunkten, leitfadengestützte Telefoninterviews mit Akteuren der beteiligten Kostenträger, Kliniken und Dienstleistern sowie leitfadengestützte Interviews mit Teilnehmern des Fallmanagements. Für die Beobachtungsstudie wurden Rehabilitanden mit Fallmanagement (IG) und ohne anschließendes Fallmanagement (KG) durch das Personal der beteiligten Rehabilitationseinrichtungen rekrutiert. Die schriftliche Befragung erfolgte am Ende der psychosomatischen Rehabilitation (T1) sowie sechs Monate nach Abschluss der Rehabilitation (T2). Die leitfadengestützten Interviews mit den Klienten wurden zwei Wochen nach Ende der Rehabilitation sowie zwei Monate nach Ende der Intervention geführt.

Quantitative Daten des ersten Erhebungszeitpunktes (T1) wurden für eine vergleichende Beschreibung der erreichten Zielgruppe herangezogen. 

Zur Schätzung der Interventionseffekte wurden mittels Propensity Score Matching strukturgleiche Kontrollen identifiziert und anschließend mit der Interventionsgruppe (IG) verglichen.

Qualitative Daten wurden inhaltsanalytisch ausgewertet, um die Versorgungserwartung der Klienten sowie der beteiligten Experten zu beschreiben und positive wie negative Implementierungsfaktoren zu explizieren.

Ergebnisse

In den drei beteiligten Rehabilitationskliniken erklärten 399 Rehabilitanden ihre Teilnahmebereitschaft. 347 Rehabilitanden füllten einen Fragebogen am Ende ihrer Rehabilitation aus. Zwei Teilnehmer mussten wegen eines falschen Kostenträgers ausgeschlossen werden. Eine Einwilligung wurde widerrufen. Insgesamt konnten 344 Personen in die Untersuchung eingeschlossen werden. 55 Personen (16,0 %) erhielten im Anschluss an die psychosomatische Rehabilitation ein Fallmanagement und bildeten die Interventionsgruppe, 289 Personen (84,0 %) erhielten kein Fallmanagement und bildeten die Kontrollgruppe.

Für die Analysen zur Zuweisungspraxis wurden Daten von 344 Rehabilitanden eingeschlossen. Die Studienteilnehmenden waren im Durchschnitt 49,3 Jahre alt (SD = 9,4), 52,9 % waren Frauen. Teilnehmer des Fallmanagements kennzeichneten sich durch häufigere Erwerblosigkeit, längere Arbeitsunfähigkeit, stärkere gesundheitliche Einschränkungen und höhere finanzielle Belastungen.

Mittels Propensity Score Matching wurde eine den Teilnehmern des Fallmanagements ähnliche Kontrollstichprobe generiert. Für die vergleichenden Analysen wurden Daten von 86 gematchten Rehabilitanden berücksichtigt. Sechs Monate nach Ende der Rehabilitation berichteten Teilnehmende des Fallmanagements eine deutlich höhere wahrgenommene professionelle Unterstützung bei der Rückkehr in Arbeit als die Kontrollgruppe. Rehabilitanden mit Fallmanagement berichteten bei der Nachbefragung jedoch  statistisch signifikant seltener, in den vergangenen vier Wochen durchgängig gearbeitet zu haben und waren nach eigenen Angaben seltener erwerbstätig.

Zudem bewerteten Teilnehmer des Fallmanagements ihre subjektive Arbeitsfähigkeit zu T2 niedriger als die Kontrollgruppe und berichteten, eine ungünstigere Prognose der Erwerbstätigkeit sowiegrößere Teilhabeeinschränkungen als Rehabilitanden ohne Fallmanagement. Für die weiteren sekundären Zielkriterien wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen beobachtet.

Studienregistrierung

Registrierung im Deutschen Register Klinischer Studien: DRKS00014564

Laufzeit

01 / 2018 - 04 / 2020

Förderung

Deutsche Rentenversicherung Nord

Kooperation

Curtius Klinik MVZ GmbH, Bad Malente

Fachklinik Aukrug, Aukrug-Tönnsheide

Rehabilitationsklinik Gardersee GmbH, Lohmen

Ansprechpartner

Bild von Matthias Bethge
Prof. Dr. Matthias Bethge
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
Leitung, Sektion: Rehabilitation und Arbeit
Telefon Lübeck: 0451 500-51280 | Fax: -51208

 

Stella Lemke
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Telefon Lübeck: 0451 500-51282 | Fax: -51208

 

Hannes Banaschak
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Telefon Lübeck: 0451 500-51286 | Fax: -51208