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Diagnostik

Lungenkarzinom, was ist das

Beim Lungenkarzinom beginnen Zellen der Lunge sich unkontrolliert zu vermehren. Die natürlichen Grenzen gesunder Lungenabschnitte und benachbarter Organe werden nicht mehr eingehalten. Der Tumor vergrößert sich, „frisst“ sich voran und zerstört gesunde Lunge. Über das Blut und das Lymphsystem kann der Tumor im Verlauf der Erkrankung Absiedlungen, sogenannte Metastasen in Lymphknoten, Hirn, Knochen, Leber, Nebennieren, aber auch in anderen Organen setzen. Dadurch können Organfunktionen beeinträchtigt oder Schmerzen ausgelöst werden.

Der wichtigster Risikofaktor ist das Rauchen, aber auch andere Stoffe, die im Alltag, bei beruflicher Tätigkeit oder der Ausübung von Hobbies eingeatmet werden, können an der Entwicklung eines Karzinoms beteiligt sein, dazu gehören z.B. das Gas Radon (aus dem Erdboden regional unterschiedlich intensiv freigesetzt), Asbestfasern und Bestandteile von Verbrennungsgasen (häuslicher Kaminofen, Schiffs- und Kraftfahrzeugabgase).

Frage der Diagnostik

Bevor eine Therapie durchgeführt werden kann, müssen zahlreiche Fragen geklärt werden:

  • Handelt es sich überhaupt um einen Lungenkrebs oder liegt eine ganz andere Diagnose vor?

  • Bei einem Lungenkrebs: Welche Gewebeart liegt vor?

  • Liegen Metastasen vor?

  • Liegt der Tumor so, dass er technisch operiert werden kann?

  • Hat die Patientin bzw. der Patient nach einer eventuellen Operation noch eine ausreichende Funktion der Lunge?

Bei Patientinnen und Patienten mit Tumorerkrankungen der Lunge ist eine umfangreiche Lungenfunktionsdiagnostik vor jeder Therapieentscheidung wesentlich. Es wird geklärt ob eine Patientin oder ein Patient aufgrund von einer vorbestehenden Lungenfunktionseinschränkung überhaupt operabel ist und wenn, in welchem Umfang.

Im Rahmen der Diagnostik kann auch die zu erwartende Lungenfunktion nach der Operation gut abgeschätzt werden, was für die Therapieplanung durch die Ärztinnen und Ärzte und für die Entscheidungsfindung unserer Patientinnen und Patienten sehr wichtig ist. So sind eine sichere Indikationsstellung, eine individuelle Therapieauswahl und eine umfängliche Beratung stets möglich.

Das Lungenkrebszentrum am Campus Kiel bietet das gesamte Spektrum der Lungenfunktionsdiagnostik an. Dazu gehören z.B. die Bodyplethysmographie, Spirometrie, Diffusionskapazitätsmessung, unspezifische Provokationstests, Messung der Atemarbeit, Blutgasanalysen, Lungenultraschall, Spiroergometrie und ultraschallgesteuerte Lungen- und Pleurapunktionen.

In Zusammenarbeit mit weiteren Fachabteilungen am UKSH werden zusätzliche Spezialuntersuchungen bei Lungenerkrankungen ermöglicht. Über die Ambulanzen können kurzfristig alle Untersuchungen angeboten werden. Es steht Ihnen ebenso eine Abteilung für interdisziplinäre Endoskopie nach neuesten technischen und hygienischen Standards zur Verfügung.

Im Vordergrund steht die Diagnostik bei unklaren Lungenveränderungen. Routinemäßig können Gewebeproben mit unterschiedlichen Techniken (Zangen- und Kryobiopsien) aus der Lunge entnommen werden, die unmittelbar der weiteren feingeweblichen Untersuchung zugeführt werden.

Schon im Untersuchungsraum können die gewonnenen Proben mikroskopisch untersucht werden, um bestmöglich Gewebeproben für die weiteren Zelluntersuchungen zu gewinnen. Für die individuelle Tumortherapie sind genetische Untersuchungen der Zellen zunehmend von Bedeutung. Zur Probengewinnung stehen deshalb Kältesonden zur Verfügung, die die Probenqualität weiter verbessern können.

Durch Ultraschalluntersuchungen innerhalb der Lunge (EBUS) können minimalinvasiv und sicher Proben aus Lymphknoten im Brustkorb gewonnen werden, um so, ohne operativen Eingriff, eine Diagnose zu stellen. Bei akuten oder chronischen Infektionen der Lunge erfolgt eine Flüssigkeitsgewinnung aus den kleinsten Atemwegen, so dass umfangreiche mikrobiologische Untersuchungen und eine gezielte Therapie erfolgen können.

Antwort auf die Frage zur Diagnostik

Zur Beantwortung der o.a. Fragen zur Diagnostik werden verschiedene Untersuchungsmethoden angewendet.

Computertomographie
Die wichtigste Untersuchung zur Erkennung von kleinen Veränderungen im Lungengerüst ist die Computertomographie. Gegenüber einer einfachen Röntgen-Thoraxübersichtsaufnahme ist die Empfindlichkeit, mit der Tumoren entdeckt werden können, um ein Vielfaches größer. Die Technik der Computertomographie ist inzwischen so weit entwickelt, dass auch mit geringer Strahlenbelastung eine hohe Auflösung möglich ist. Kleinste Verdichtungen im Lungenparenchym, die ohne eingreifende Maßnahmen einer genauen Diagnostik nicht zugänglich sind, können durch kurzfristige Wiederholungsuntersuchungen exakt in ihrem Wachstumsverhalten beurteilt werden.

Positronen-Emssionstomographie (PET)
Der Lymphknotenbefund entscheidet häufig darüber, ob ein Patient operabel und damit möglicherweise heilbar ist oder nicht, da befallene Lymphknoten auch nach operativer Entfernung des eigentlichen Lungentumors Ausgangspunkt von Streuherden sein können. Daher werden alle Patienten in Kiel vor einer geplanten Operation mit Hilfe der speziellen PET-CT untersucht, bei der die Tumoraktivität einer Raumforderung und der Lymphknoten dargestellt werden kann.
Weitere Informationen auf der Webseite der Klinik für Nuklearmedizin

Bronchoskopie
Bei unklaren Veränderungen in der Lunge entscheidet die feingewebliche Untersuchung über das optimale Vorgehen. Eine typische Untersuchung für diesen Zweck ist die Bronchoskopie. Dabei wird ein bewegliches Gerät, das von der Gestalt und Größe einem Stromkabel entspricht, über die Nase oder den Mund bis in tiefere Aufzweigungen der Bronchien eingeführt. Das Bronchoskop besteht an der Spitze aus einer kleinen Videokamera, über Lichtleitbündel können die Bronchien beleuchtet werden. Das Gerät besitzt außerdem einen Kanal über den mittels einer ferngesteuerten Zange Proben aus auffälligen Veränderungen in der Lunge entnommen werden können. Tumoren in der Lungenperipherie, die mit dem Bronchoskop nicht mehr erreicht und direkt gesehen werden, können zum Beispiel von außen, CT- oder sonographisch-gesteuert punktiert werden.

Bronchoskop mit Ultraschallkopf Das Bild zeigt ein Bronchoskop mit Ultraschallkopf für Lymphknotenpunktionen.

Endobronchialer Ultraschall
Letzte Sicherheit, ob Lymphknoten durch einen Tumor befallen sind, ist jedoch nur durch eine zytologische oder histologische Untersuchung gegeben. Während früher Lymphknoten nur über einen operativen Zugang erreicht werden konnten oder der Diagnostik sogar verborgen blieben, können heute in der Regel die relevanten Lymphknoten mit Bronchoskopen oder Gastroskopen, die Ultraschallköpfe tragen, dargestellt und unter Sicht punktiert werden. Unmittelbar nach der Punktion werden Ausstrichpräparate angefertigt, die teilweise mit einer Schnellfärbung präpariert und direkt mikroskopisch beurteilt werden. Auf diese Weise kann die Qualität der Punktion überprüft werden. Bei unzureichender Ausbeute wird die Punktion sofort wiederholt. Erneute Einbestellungen des Patienten zur Wiederholung der Untersuchung können damit vermieden werden. Auch das hat in Kiel dazu beigetragen, dass die Zeit zwischen dem Auftreten ersten Symptome und vollständiger Diagnostik deutlich verkürzt werden konnte.