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Nebenwirkungen der Krebsbehandlung

Vorbeugen und behandeln

Krebsbehandlungen können unterschiedliche Nebenwirkungen haben. Nebenwirkungen treten auf, wenn die Behandlung gesunde Zellen beeinflusst oder schädigt.

Die Nebenwirkungen können für jede Patientin und jeden Patienten und für verschiedene Medikamente und Behandlungsarten sehr unterschiedlich sein.

Eine effektive unterstützende (supportive) Therapie ist heute ein essenzieller Pfeiler des Behandlungskonzepts von Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen. Damit lassen sich mögliche Nebenwirkungen der verschiedenen Tumortherapien vermeiden, mindern oder behandeln.

Langzeitnebenwirkungen und Spätfolgen: Durch den medizinischen Fortschritt und die dadurch verbesserte Krebsbehandlung können Menschen heute mit Krebs viel länger leben und es werden mehr Menschen von ihrem Krebs geheilt als früher. Dies bedeutet jedoch auch, mit möglichen Langzeitnebenwirkungen und Spätfolgen umzugehen. Erfahren Sie unter Leben mit und nach Krebs mehr über Spätfolgen und den Umgang mit diesen.

Mögliche Nebenwirkungen

Chemotherapie

Chemotherapeutika oder sogenannte Zytostatika, hemmen die Teilung und Vermehrung von Tumorzellen. Leider wirken diese Medikamente nicht nur gegen Krebszellen, sondern auch gegen gesunde Zellen und hemmen deren Teilung: Besonders davon betroffen sind sich schnell teilende Gewebe wie Haut, Haare, Schleimhäute und die Blutbildung im Knochenmark. Die Nebenwirkungen können oft sehr ausgeprägt sein, die meisten Nebenwirkungen bilden sich allerdings nach Ende der Behandlung langsam wieder zurück und lassen sich mit unterstützenden Maßnahmen und Medikamenten behandeln.

Mögliche Nebenwirkungen von Chemotherapien:

  • Entzündungen, Fieber, Infektion

  • Blutarmut (Anämie)

  • Mangel an weißen Blutzellen (Neutropenie)

  • Fatigue (Tumorassoziierte Müdigkeit)

  • Hautprobleme

  • Haarausfall

  • Beschwerden im Mund (orale Mukositis, Xerostomie)

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Verstopfung

  • Appetitlosigkeit

  • Kognitive Einschränkungen, auch Chemo-Brain genannt (z.B. Schlechte Konzentrationsfähigkeit, Vergesslichkeit, Wortfindungsschwierigkeiten, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne)

  • Anschwellung im Gewebe durch gestaute Lymphflüssigkeit (Lymphödeme)

  • Schädigung der peripheren Nerven (Neuropathie)

  • Schmerzen bei Krebs

  • Schädigung von inneren Organen

  • Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum (Aszites)

  • Veränderung der Libido

  • Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit (Fertilität)

Erfahren Sie mehr über potentielle Nebenwirkungen und die Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung

Immuntherapie

Es gibt verschiedene Arten der Immuntherapie. Die unterschiedlichen Medikamente, sogenannte Immuntherapeutika können das Immunsystem entweder allgemein aktivieren oder gezielte Immun-Mechanismen beeinflussen. Alternativ können Immunzellen der jeweiligen Patientinnen und Patienten außerhalb des Körpers verändert werden (z.B. CAR-T-Zellen) und in dieser neuen Form den Patientinnen und Patienten als Immuntherapeutikum zurückgegeben werden.

Bei allen Versuchen das Immunsystem zur Krebsbehandlung zu nutzen ist es wichtig ein Gleichgewicht zwischen Aktivierung und Hemmung zu finden. Nebenwirkungen treten meist dann auf, wenn das Immunsystem zu stark aktiviert wird und es zu einer überschießenden Immunreaktion kommt. Dadurch können auch körpereigene Gewebe zerstört werden – das nennt man dann Autoimmunität.

Sehr erfolgreiche Immuntherapeutika sind die Checkpoint-Inhibitoren, die bei immer mehr Tumorerkrankungen zu einem festen Bestandteil der Krebsbehandlung werden.

Diese Antikörper sind in der Regel gut verträglich – allerdings muss mit sehr spezifischen Nebenwirkungen gerechnet werden. Diese entstehen über dieselben Mechanismen wie auch ihr therapeutischer Effekt, die Lösung der natürlichen Bremse des Immunsystems: Die daraus resultierende Stimulation des Immunsystems kann zu überschießenden immunvermittelten Nebenwirkungen („immune-related adverse effects“, kurz: irAE) führen.

Diese können sehr variabel sein und alle Organe oder Gewebe betreffen, am häufigsten die Haut, den Darm, die Lunge, die Leber und hormonproduzierende Organe (wie Hypophyse oder Schilddrüse).

Unbehandelt können diese immunvermittelten Nebenwirkungen tödlich verlaufen. Die frühe Erkennung und Zuordnung von Symptomen und die rasche Einleitung einer entsprechenden Therapie – meistens Kortison - sind daher sehr wichtig, um schwere Verläufe zu verhindern.

Bitte melden Sie sich immer umgehend bei Ihrem Behandlungsteam oder in der Notaufnahme, wenn Sie Veränderungen wie unten beschrieben bemerken!

Folgende Nebenwirkungen können bei einer Immuntherapie auftreten:

  • Fieber

  • Schüttelfrost

  • Appetitlosigkeit

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Durchfall

  • Luftnot, Husten und Auswurf

  • Müdigkeit, Fatigue

  • Kopfschmerzen

  • Vermehrtes Kälte- oder Hitzegefühl

  • Ausschläge und Juckreiz auf der Haut

  • Gelbfärbung der Haut (v.a. in den Augen sichtbar)

  • Veränderungen des Urins, Dunkelfärbung, Trübung, Schaumbildung

  • Gelenkschmerzen

  • Muskelschmerzen oder -schwäche

  • Blutdruckveränderungen

  • Herzschmerzen oder unregelmäßiger Herzschlag

  • Depressive Verstimmungen

  • Blutbild-Veränderungen

  • Lymphknoten-Schwellungen

Erfahren Sie mehr über mögliche Nebenwirkungen und den Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung:

Zielgerichtete Therapien

Zielgerichtete Medikamente hemmen nicht wie Chemotherapeutika relativ unspezifisch Zellteilung, sondern wirken gezielter auf bestimmte Eigenschaften oder Strukturen von Krebszellen. Trotzdem haben auch zielgerichtete Therapien z.T. ausgeprägte Nebenwirkungen. Das liegt daran, dass die Angriffspunkte auch bei gesunden Zellen vorkommen können oder Signale beeinflusst werden, die an verschiedenen Stellen im Körper eine Rolle spielen.  Welche Nebenwirkungen auftreten, hängt also wesentlich von den Zielstrukturen ab, die beeinflusst werden und natürlich von den individuellen Eigenschaften der Patientinnen und Patienten.

Mögliche Nebenwirkungen bei Antikörper-Therapien:

  • Hautausschläge

  • Akne-ähnliche Veränderungen im Gesicht und am Oberkörper

  • unzureichende oder auch eine übermäßige Blutgerinnung

  • Wundheilungsstörungen

  • Gliederschmerzen

  • Grippesymptome

  • Akute Infusionsreaktionen

  • Anstieg der Leber- und Nierenwerte

  • Vereinzelt allergische Reaktionen

  • Organschäden, z.B. am Herz.

Mögliche Nebenwirkungen bei Hemmstoffen der Signal-Übertragung (z.B. Tyrosinkinase-Hemmstoffe (abk. TKI):

  • Hautausschläge

  • akneähnliche Veränderungen im Gesicht und am Oberkörper

  • unzureichende oder auch eine übermäßige Blutgerinnung

  • Wundheilungs-Störungen

  • Rissige und entzündete Hornhaut an Händen und Füßen (Hand-Fuß-Syndrom)

  • Bluthochdruck

  • Nierenveränderungen

  • Appetitmangel

  • Völlegefühl

  • Durchfall

  • starkes Erschöpfungsgefühl (Fatigue)

Erfahren Sie mehr über mögliche Nebenwirkungen und den Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung:

Stammzelltransplantation

Die allogene Blutstammzelltransplantation kann bei bösartigen Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems durchgeführt werden, z.B. bei Leukämien oder Lymphomen oder anderen Erkrankungen bei denen die Bildung oder Reifung von Blutzellen gestört ist.  Dabei werden Blut- oder Knochenmarkstammzellen von einer fremden Spenderin oder Spender übertragen. Vor der Transplantation erfolgt eine hochdosierte Chemotherapie ggf. auch eine Strahlentherapie, die sowohl gesunde Knochenmark- und Immunzellen als auch Krebszellen abtötet. Aus den Blutstammzellen der Spenderin oder des Spenders bilden sich dann im Knochenmark zunächst neue Blutzellen und nach einiger Zeit auch neue Immunzellen. Im Transplantat sind auch immer reife Immunzellen der Spender- diese können noch verhandene Krebszellen und Infektionen direkt bekämpfen.

Auch wenn das Gewebe von Spenderin/Spender und Empfängerin/Empfänger sehr ähnlich ist, können die fremden Zellen für die Empfängerin oder den Empfänger unverträglich sein. Dabei werden neben Krebszellen auch gesunde Körperzellen angegriffen - das bezeichnet man als Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (GvHD). Die Wirkung auf die Tumorzellen und auf den ganzen Menschen lässt sich nur eingeschränkt vorhersagen und kann sich im Verlauf ständig verändern.

Mögliche Folgen der Transplantation:

  • akute Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (GvHD): tritt in der Regel innerhalb von 100 Tagen nach allogener Stammzelltransplantation auf und führt vor allem
    - Ausschlag der Haut (Exanthem)
    - Durchfall (Diarrhoe)
    - erhöhten Bilirubinwerten als Zeichen einer Lebeschädigung (Bilirubinämie)

  • Infektionen

Mögliche Spätfolgen:

  • Chronische GvHD

  • Osteoporose und aseptische Knochennekrose bei Dauerbehandlung mit Kortison

  • Rezidiv (Rückfall, Wiederkehren) der ursprünglichen Erkrankung

  • Chronische Infektneigung

  • starkes Erschöpfungsgefühl (Fatigue)

  • Depressive Verstimmung

  • Zweittumoren

  • Grauer Star (Trübung der Augenlinse, Katarakt) nach Strahlentherapie

  • Unterfunktion der Schilddrüse nach Strahlentherapie

Da die intensive Vorbereitung auf eine Stammzelltransplantation (auch als Konditionierung bezeichnet) mit Hilfe einer hochdosierten Chemotherapie – zum Teil in Kombination mit einer Ganzkörperbestrahlung –  das gesamtes Knochenmark und im Idealfall auch alle erkrankten Zellen zerstört,  können neben den oben genannten Nebenwirkungen der Stammtransplantation auch die Nebenwirkungen der Chemotherapie und Bestrahlung auftreten.

Erfahren Sie mehr über mögliche Nebenwirkungen und den Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung:

Antihormontherapie

Die Antihormontherapie zielt darauf ab, das Zellwachstum mancher Tumorarten mithilfe von Hormonen zu beeinflussen. Zu den Krebserkrankungen, die auf diese Weise behandelt werden können, gehören

  • Brustkrebs

  • Prostatakrebs

  • Eierstockkrebs

  • Schilddrüsenkrebs

  • (Neuro-)endokrine Tumore

Mögliche Nebenwirkungen dieser Behandlungsmethode sind unter anderem

  • Hitzewallungen, Schwitzen

  • Blutbildveränderungen

  • Schlafstörungen

  • Schwellungen der Gebärmutterschleimhaut

  • Stimmungsschwankungen

  • Knochen- und Gelenkschmerzen

  • Sehstörungen

  • Gewichtszunahme

  • Verringerung der Libido

  • Erektionsstörungen

  • Trockene Schleimhäute

Das Risiko von Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Auswirkungen auf die Knochendichte oder von anderen bekannten Problemen im Klimakterium ist nicht bei allen Antihormonmedikamenten gleich hoch. Es gibt Patientinnen und Patienten, die starke Beschwerden haben, genauso wie es solche gibt, denen die Therapie wenig oder gar nicht zu schaffen macht.

Erfahren Sie mehr über mögliche Nebenwirkungen und den Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung:

Strahlentherapie

Da die Strahlenbehandlung örtlich begrenzt ist, treten Nebenwirkungen in der Regel lediglich im Bereich des Bestrahlungsfeldes auf.

Akute Strahlenreaktionen

Akute Strahlenreaktionen können während oder unmittelbar nach der Strahlentherapie auftreten. Diese klingen allerdings zumeist in den ersten Wochen nach Ende der Bestrahlung wieder ab. Nachfolgend wird eine Auswahl möglicher akuter Strahlenreaktionen beschrieben.

Haut (im bestrahlten Bereich)

  • Rötung, bräunliche Verfärbung, selten trockene oder nässende Hautablösung

Gehirn (Bestrahlung von Hirntumoren oder Hirnmetastasen)

  • Kopfschmerzen

  • Übelkeit und Erbrechen

  • selten Sehstörungen, Hörminderung

  • Haarausfall im bestrahlten Bereich

Kopf-Hals-Bereich (Mundhöhle, Rachen, obere Speiseröhre)

  • Entzündung der Schleimhaut im Bestrahlungsgebiet mit Schluckbeschwerden

  • Geschmacksstörungen

  • Mundtrockenheit

  • Probleme, den Mund weit zu öffnen

  • Schwellung (Lymphödem) im Halsbereich

Brustkorb (Bestrahlung von Tumoren der Lunge oder der Speiseröhre)

  • Entzündung der Schleimhaut im Bestrahlungsgebiet mit Schluckbeschwerden

  • Übelkeit und Erbrechen

  • selten Entzündung im Bereich der bestrahlten Lunge (Pneumonitis) mit Husten Luftnot und/oder Fieber

Brustdrüse

  • Hautreaktionen (siehe Haut)

  • selten Pneumonitis (siehe Brustkorb)

  • bei Mitbestrahlung von Lymphknoten selten Schluckbeschwerden und Heiserkeit

Bauch

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Durchfälle

Becken

  • Durchfälle

  • Schmerzen beim Stuhlgang, sehr selten Schleim- oder Blutabgänge

  • Blasenbeschwerden

  • Entzündung im Bereich der Scheide

Spätfolgen der Strahlentherapie

Spätfolgen entwickeln sich erst mehrere Monate bis Jahre nach der Strahlentherapie.

Wenn derartige Veränderungen auftreten, bessern diese sich im Verlauf oft nur wenig oder bleiben sogar lebenslang bestehen. Allerdings ist das Risiko für Spätfolgen vergleichsweise gering.

Mögliche Spätfolgen:

  • Verfärbungen der Haut

  • Verhärtungen im Fettgewebe unter der Haut

  • Lymphödem: Schwellung im bestrahlten Bereich (insbesondere, wenn Lymphknoten operativ entfernt wurden)

  • Müdigkeit (Fatigue), besonders bei Kombination mit einer Chemotherapie

  • bei Bestrahlung des Gehirns: Merkfähigkeits- und Konzentrationsschwäche

  • bei Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich:
    - Anhaltende Mundtrockenheit
    - Heiserkeit
    - Schluckbeschwerden
    - Schilddrüsenunterfunktion
    - Karies

  • bei Bestrahlung im Brustbereich:
    - Lungenfibrose (teilweiser Umbau von Lungengewebe in Narbengewebe), z.T. mit Luftnot bei Belastung und Reizhusten
    - Verengung der Speiseröhre mit Schluckbeschwerden
    - Herzbeschwerden

  • bei Bestrahlung im Bauch-/Beckenbereich:
    - Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang
    - Verengung von Darmschlingen oder Harnleiter
    - Probleme beim Wasserlassen
    - Verengung der Scheide
    - Aussetzen der Regelblutung
    - Schädigung von Samenzellen bzw. Eizellen, Unfruchtbarkeit
    - bei Männern auch Störung der Erektion (Steifwerden des Penis) bei höheren Dosen

Erfahren Sie mehr über mögliche Nebenwirkungen und Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung:

Operative Therapie

Chirurgische Eingriffe bei Krebserkrankungen werden heute so umfangreich wie nötig, aber so schonend wie möglich durchgeführt. Mit modernen Operationstechniken und Narkoseverfahren sind mittlerweile sehr viel schonendere Operationen als noch vor Jahren möglich und Komplikationen werden immer seltener. Dennoch ist eine Operation immer mit gewissen Risiken verbunden.

Die häufigsten Probleme während und nach einer Operation sind:

  • Schmerzen

  • Wundinfektionen, die sich aber mit Medikamenten gut bekämpfen lassen.

Schwere Komplikationen sind selten, können aber ernsthafte Folgen haben.

  • Blutungen

  • Verletzungen

  • allergische Reaktionen

  • Thrombosen

  • Embolien

  • Funktionsstörungen wichtiger Organe

  • schwere Infektionen (z.B. Lungenentzündung)

  • Unschöne oder straffe Narben

  • Erschwerte, eingeschränkte Bewegungen, z.B. durch unvermeidliche Schädigung von Nerven oder Muskeln

  • Anschwellung im Gewebe durch gestaute Lymphflüssigkeit (Lymphödem)

  • bei Bauchoperationen: ein zeitweiser oder dauerhafter künstlicher Darmausgang (Stoma)

  • Bei Blasenoperationen: eine künstliche Urin-Ableitung über eine Ersatzblase