Medikamentöse Tumortherapie

Neben der operativen Behandlung bildet die medikamentöse Systemtherapie eine zentrale Säule der modernen Uroonkologie. Neue Therapieansätze ermöglichen zunehmend personalisierte Behandlungsstrategien.

In der Klinik für Urologie erfolgt die Systemtherapie sowohl ambulant als auch (tages)stationär. Für bestimmte Infusionstherapien werden Portsysteme eingesetzt, um die Behandlung sicher und komfortabel zu gestalten.

Die ambulante Betreuung übernimmt unsere uroonkologische Spezialsprechstunde. Darüber hinaus stehen Ihnen das Team der interdisziplinären Therapieambulanz (Haus E) für intravenöse Therapien zur Verfügung. Unser erfahrenes Team begleitet Sie dabei über alle Therapielinien hinweg.

Über unser uroonkologisches Zentrum haben Sie auch Zugang zu klinischen Studien, in denen neue Therapieansätze getestet werden.


Behandlungsmethoden

Hormonentzugstherapie

Die Hormonentzugstherapie – kurz: Hormontherapie – wird bei fortgeschrittenem Prostatakrebs angewendet. Das Wachstum von Krebszellen ist hormonabhängig. Die Hormontherapie zielt deshalb darauf ab, die Bildung oder Wirkung von Testosteron zu hemmen. Testosteron ist das wichtigste Androgen, d. h. jenes Hormon, das die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale steuert.

Die konventionelle Hormontherapie (LHRH-Agonisten und Antagonisten) führen über eine Veränderung im Hormonkreislauf zu einer Unterdrückung der Testosteronproduktion. Heute ist die konventionelle Hormontherapie die Basistherapie, zu der weitere Therapien dazugeben werden. Die Behandlung erfolgt meistens in Form von Spritzen.

Neuere Hormonpräparate werden Androgenrezeptor-Pathway-Inhibitoren (ARPI) genannt, weil sie direkt in den Hormonstoffwechsel eingreifen und so auch direkt an den Tumorzellen wirken.

Testosteron hat verschiedenste Wirkungen, so ist es z. B. für das Haarwachstum von Körper- und Barthaaren, den Muskelaufbau und die Spermienreifung verantwortlich. Entsprechend lassen sich die Nebenwirkungen einer Hormonentzugstherapie ableiten. Sie ähneln zum Teil den Beschwerden der Frau in den Wechseljahren:

  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche

  • Verlust der Libido, Erektionsstörungen

  • Verminderung der Leistungsfähigkeit und des Antriebs

  • Schmerzen und Vergrößerung der Brustdrüse

  • Gewichtszunahme, Muskelabbau, erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Knochenabbau (Osteoporose)

Ziel einer antihormonellen Behandlung ist es, den Tumor zu kontrollieren und das Voranschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Damit ist die Therapie jedoch nicht kurativ, kann also das Prostatakarzinom nicht heilen. Nach einiger Zeit der Hormontherapie entwickeln sich jedoch Tumorzellen, die hormonunabhängig wachsen können, so dass eine Therapieumstellung notwendig wird.

Chemotherapie

Die Chemotherapie ist ein bewährtes Verfahren zur Behandlung von Krebserkrankungen. Die eingesetzten Substanzen können dabei Tumorzellen im gesamten Körper zerstören oder ihr Wachstum zu hemmen. In der Uroonkologie kommt sie vor allem bei fortgeschrittenen oder metastasierten Tumoren der Blase, der Prostata, des Penis und der Hoden zum Einsatz. Chemotherapie wird allein oder in Kombination mit anderen Therapien wie Operation, Bestrahlung oder Immuntherapie eingesetzt. Moderne Chemotherapiekonzepte werden individuell angepasst und zielen darauf ab, die bestmögliche Wirkung bei gleichzeitig möglichst geringer Belastung für Sie als Patient zu erzielen

Am UKSH werden Chemotherapien intravenös entweder während eines Tages (ambulant) oder aber über mehrere Tage (stationär) verabreicht. In regelmäßigen Abständen wird das therapeutische Ansprechen mittels Blutwertekontrolle oder mittels Bildgebung (z.B. Computertomographie) kontrolliert.

Immuntherapie

Immuntherapien sind intravenös gegebene Antikörper, die die eigene Abwehrzellen enthemmen und damit zu einer effektiveren Abtötung von Tumorzellen führen. Immuntherapien werden entweder alleine, oder im Kombination mit anderen Substanzen eingesetzt. 

Nebenwirkung der Therapie kann eine Überstimulierung des Immunsystems sein, die dann zu autoimmunen Reaktionen führen können. Daher erfolgen regelmäßige Laborkontrollen während der Therapie, um frühzeitig auf potentielle Nebenwirkungen reagieren zu können.

Tyrosinkinaseinhibitoren

Diese Klasse an Medikamenten hemmt die Gefäßneubildung und wird vor allem beim fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom eingesetzt. Zielstruktur ist das der Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) und dessen Rezeptor, der durch die Tyrosinkinaseinhibitoren blockiert wird.

Nebenwirkungen der Medikamente umfassen unter anderem Bluthochdruck, Hand-Fußsyndrom, Nierenveränderungen, Durchfälle und Schleimhautentzündungen. Da viele Nebenwirkungen durch ein zielgerichtetes Nebenwirkungsmanagement deutlich reduziert werden können, erfolgt eine eingehende Beratung durch unser Team vor Therapiestart.

Antikörper-Drug Konjugates

Diese Medikamente sind Antikörper, die mit einer Chemotherapie gekoppelt sind. Bindet der Antikörper an eine Tumorzelle, wird die Therapie aufgenommen und die Chemotherapie in der Tumorzelle freigesetzt. Dieses neue Therapieverfahren kann vor allem im metastasiertem Urothelkarzinom eingesetzt werden. Aber auch andere Tumorarten können nach vorheriger Testung von einer solchen Therapie profitieren.

Zusätzliche Informationen

Terminvereinbarung

Ansprechpartner

PD Dr. Severin Rodler

Geschäftsführender Oberarzt
Tel. Kiel: 0431 500-24811Fax: 24804