Der Fachbereich Physiotherapie am Institut für Gesundheitswissenschaften forscht u.a. zu den Themen Schmerzphysiologie und Migräne sowie zur Rehabilitation von Menschen mit neurologischen Erkrankungen sowie weiteren Themen. Eine Übersicht über Veröffentlichungen und Projekte des Fachbereiches finden Sie hier.
Forschungsschwerpunkte im Fachbereich Physiotherapie
Schmerzmodulation
Was ist Schmerzmodulation?
Unsere Schmerzwahrnehmung ist ein komplexer, dynamischer Prozess. Neuere neurobiologische Erkenntnisse zeigen, dass aufsteigende und absteigende Nervensysteme ständig miteinander interagieren. Das Resultat dieser Interaktion bestimmt, wie intensiv Schmerz empfunden wird -oder ob er überhaupt bewusst wahrgenommen wird.
Zunächst werden nozizeptive Reize über Schmerzrezeptoren in Haut, Muskeln oder Organen registriert. Diese Signale werden über das Rückenmark an zentrale Strukturen wie den Thalamus weitergeleitet und dort an höhere Hirnregionen – etwa den somatosensorischen Kortex, die Inselrinde und den anterioren cingulären Kortex – übermittelt. In diesen Netzwerken entsteht die bewusste Schmerzwahrnehmung, bei der sensorische, emotionale und kognitive Komponenten miteinander verschmelzen.
Gleichzeitig greift das Gehirn aktiv in diese Weiterleitung ein: Absteigende Modulationssysteme aus Regionen wie dem periaquäduktalen Grau (PAG) und der rostroventralen Medulla (RVM) senden hemmende oder verstärkende Signale zurück ins Rückenmark. Über Neurotransmitter wie Noradrenalin, Serotonin oder endogene Opioide kann die Weitergabe von Schmerzimpulsen blockiert oder abgeschwächt werden.
Diese Steuerungsprozesse verursachen, dass Schmerz keine starre Reaktion ist, sondern vom Gehirn kontextabhängig reguliert wird – beeinflusst durch viele verschiedene Faktoren, wie Aufmerksamkeit, Stimmung, Stress oder frühere Erfahrungen.
In der Forschung werden inzwischen immer mehr Prozesse bekannt, mit denen diese Modulationsmechanismen dargestellt und untersucht werden können – sogenannte Schmerzparadigmen, die helfen können, die komplexen Wechselwirkungen zwischen Körper und Gehirn besser zu verstehen.
Autor: Jakob Pöhlmann, MSc