Nach der Früherkennung einer Fehlform der Hüftgelenkpfanne und deren Behandlung, die meist in einer sog. Spreizschiene besteht, kontrollieren wir den Verlauf auch über die Jahre. Manchmal fallen Dysplasien erst spät auf oder entwickeln sich ungewöhnlich spät, so dass nur noch operative Maßnahmen helfen. Bei der OP werden die Hüftgelenkpfanne oder auch der Oberschenkelknochen umgestellt. Damit können Spätfolgen der Hüftdysplasie wie vorzeitiger Hüftgelenkverschleiß vermieden werden.
Coxitis fugax (Hüftschnupfen)
Die Coxitis fugax, auch Hüftschnupfen genannt, ist die häufigste Diagnose bei Hüftschmerzen im Wachstumsalter mit einem Häufigkeitsgipfel um das 5. - 6. Lebensjahr. Die Coxitis fugax ist kein eigenes Krankheitsbild, sondern eine Reaktion des Hüftgelenkes auf ein meistens hüftfernes Geschehen und tritt vorwiegend nach einem Infekt der oberen Luftwege oder des Darmes auf.
Im Gegensatz zur eitrigen Coxitis sind die Kinder in gutem Allgemeinzustand und haben kein Fieber. In einigen Fällen lässt sich noch eine leichte Entzündungswerterhöhung im Blut durch die durchmachte virale Erkrankung feststellen. Die Kinder hinken meist deutlich und zeigen eine starke Einschränkung der Hüftgelenksbeweglichkeit, hauptsächlich für Hüftbeugung und -streckung sowie Innen- und Außenrotation.
Die Therapie der Coxitis fugax ist rein symptomatisch, bei größeren Kindern hat sich eine Entlastung an Unterarmgehstützen bewährt. Zusätzlich sollten entzündungshemmende Medikamente gegeben werden. Der Verlauf ist kurzfristig zu kontrollieren. In einigen Fällen ist der Befund auch das erste Zeichen eines beginnenden Morbus PERTHES.
Eitrige Coxitis
Bei dieser eitrigen Gelenkentzündung kommt es über das Blut zu einer Ansiedlung von Keimen in das Hüftgelenk. Ausgangspunkt können z.B. Hautläsionen, Furunkel, Abszesse oder Mittelohrentzündungen sein. Die eitrige Coxitis ist die häufigste eitrige Gelenkentzündung eines Gelenkes im Wachtumsalter und tritt vermehrt im Säuglingsalter auf. Durch die Eiteransammlung im Gelenk kommt es schon innerhalb weniger Tage zu einer Zerstörung des noch knorplig angelegten Hüftkopfes sowie der Wachstumszone. Bei länger auftretendem Erguss über Tage und Wochen kommt es durch den Druck im Gelenk zu einer Luxation der Hüfte. Die Schädigung des Hüftkopfes und der Wachstumszone kann zu einem massiven Fehlwachstum mit deutlicher Beinverkürzung führen. Zusätzlich ist durch die Zerstörung des Gelenkknorpels eine frühe Arthrose vorprogrammiert. Die Patienten mit einer eitrigen Coxitis sind meist in einem schlechten Allgemeinzustand und haben in ca. 80 % der Fälle Fieber. Die Schmerzen des Säuglings im Hüftgelenk werden oft zuerst beim Wickeln entdeckt. Das Kind schreit jedesmal beim Bewegen des betroffenen Beines.
Merke
Der Hüftschmerz beim Säugling auch ohne Fieber und bei Patienten älter als 1 Jahr bedarf dringend sofortiger orthopädischer Abklärung. Ist der Säugling im Krankenhaus, erfolgt zunächst eine Untersuchung sämtlicher Gelenke (nicht nur des Hüftgelenkes). Die Blutwerte werden kontrolliert. Zusätzlich wird ein Ultraschall des Hüftgelenkes durchgeführt, hier lässt sich ein Hüftgelenkserguss und eine Verdrängung des Hüftkopfes aus der Pfanne darstellen. Bei erhöhten Entzündungsparametern und im Ultraschall bestätigten Erguss, führen wir eine Punktion der Hüfte durch. Lässt sich hierbei ein eitriger Hüftgelenkserguss gewinnen, wird das Gelenk direkt gespült. Das Gelenkpunktat wird zur bakteriologischen Untersuchung eingesandt. Direkt nach der Punktion wird mit einer Antibiotika-Behandlung begonnen, die nach Erhalt des Antibiogrammes noch speziell angepasst wird. Prinzipiell gilt, die Säuglings-Coxitis ist ein orthopädischer Notfall, sie bedarf sofort gezielter Behandlung. Je früher die Behandlung einsetzt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines bleibenden Schadens.