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Untersuchung biologischer Spuren

Am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Kiel werden biologische Spuren aller Art untersucht. Kriminalistisch relevant z.B. sind Blutspuren, einzelne Haare, Abstriche, Speichel- und Spermaspuren, wie sie z.B. bei Tötungsdelikten, Vergewaltigungen und Kindesmisshandlungen anfallen können. Die zur Verfügung stehenden Methoden ermöglichen eine Bestimmung der Spurenart (Blut, Sperma, Speichel, Menstrualblut, Vaginalsekret, Rektalschleimhaut, verschiedene Organgewebe) und mittels genetischer Typisierung eine molekularbiologische Geschlechtsbestimmung sowie eine Zuordnung der biologischen Spuren zum Spurenleger. Auch die Dekonvolution sowie die biostatistische Bewertung zur Spurenlegerschaft von Mischspuren mittels semi- und vollkontinuierlichen Programmen ist möglich.

Diese Untersuchungen können von der Staatsanwaltschaft, Gerichten oder direkt von der Kriminalpolizei in Auftrag gegeben werden. Spurenuntersuchungen im Privatauftrag werden nicht durchgeführt.

Kontakt

Weitere Informationen zum Untersuchungsablauf, Dauer und den Kosten der jeweiligen Verfahren erhalten sie unter der Telefonnummer 0431 500-15922.

Unsere Untersuchungsmethoden

Einsatz forensischer Lichtquellen zur Auffindung spurenverdächtigen Materials

Der Einsatz ist besonders bei großflächigen Spurenträgern angebracht, um eine gezielte Spurenbeprobung zu ermöglichen. Das von der forensischen Lichtquelle abgestrahlte Licht bestimmter Wellenlänge regt Anhaftungen bzw. Verfleckungen von getrockneten Körperflüssigkeiten entweder zum fluoreszenten Leuchten an oder lässt sie bei maximaler Absorption schwarz/dunkler als der Hintergrund erscheinen, was jeweils mit dem bloßen Auge und ggf. einer farbigen Filterbrille erkennbar ist. So können Asservate unterschiedlichster Art wie Kleidung, Decken, Bettwäsche, Teppiche etc. auf tatrelevante Anhaftungen wie Blut-, Sperma- oder Speichelspuren nach Angabe des Tathergangs (oder dessen Rekonstruktion) untersucht werden.

Immunchromatographische Nachweise von Blut, Speichel, Sperma sowie der Nachweis von Spermien mittels Mikroskopie

Zum eindeutigen Nachweis von menschlichem Blut, Speichel und Sperma werden immunchromatographische Schnelltests eingesetzt, die spezifisch für humanes Hämoglobin (Blut), alpha-Amylase (Speichel) und Semenogelin (Ejakulat) sind. Diese Tests sind sicher und spezifisch; falsch positive Ergebnisse mit z.B. tierischem Material sind höchst selten. Zudem werden bei Ejakulat-positiven Vortests Ausstriche der entsprechenden Spurenproben auf Objektträgern angefertigt und angefärbt, um eine mikroskopische Durchsicht der Präparate auf das Vorhandensein von Spermien(köpfen) durchführen zu können.

Immunchromatographische Nachweise von Blut, Speichel, Sperma sowie der Nachweis von Spermien mittels Mikroskopie

Zum eindeutigen Nachweis von menschlichem Blut, Speichel und Sperma werden immunchromatographische Schnelltests eingesetzt, die spezifisch für humanes Hämoglobin (Blut), alpha-Amylase (Speichel) und Semenogelin (Ejakulat) sind. Diese Tests sind sicher und spezifisch; falsch positive Ergebnisse mit z.B. tierischem Material sind höchst selten. Zudem werden bei Ejakulat-positiven Vortests Ausstriche der entsprechenden Spurenproben auf Objektträgern angefertigt und angefärbt, um eine mikroskopische Durchsicht der Präparate auf das Vorhandensein von Spermien(köpfen) durchführen zu können.

Molekularbiologischer Nachweis von Blut, Sperma, Speichel, Menstrualblut, Vaginalsekret, Rektalschleimhaut und verschiedene Organgewebe mittels RNA-Analyse

Zur Bestimmung der Spurenart (Körperflüssigkeit und/oder Organgewebe) kann die forensische Ribonukleinsäure (RNA)-Analyse eingesetzt werden. Bei RNA handelt es sich um kurzlebige, dynamische Nukleinsäuremoleküle, die in der Zelle dem Transport genetischer Information dienen. Die Zellen der verschiedenen Körperflüssigkeiten und Organgewebe weisen eine jeweils charakteristische Zusammensetzung von RNA-Molekülen auf. Durch den Nachweis für eine oder mehrere bestimmte, für diese Körperflüssigkeiten und/oder Organgewebe spezifische RNA-Moleküle in einer Spur kann auf das Vorhandensein des entsprechenden Gewebes oder Sekrets mit hoher Genauigkeit geschlossen werden. Diese Erkenntnis dient der Kontextualisierung der Spur und ist kompatibel und in ihrer Aussage integrierbar mit der DNA-Analyse. Die RNA kann parallel zur DNA aus Spurenmaterial extrahiert werden und wird danach mittels reverser Transkription in sog. cDNA umgewandelt. Die RNA-Untersuchung erstreckt sich dann auf die Analyse der gewebe- bzw. organspezifischen cDNAs, die mittels der PCR (Polymerase-Kettenreaktion) angereichert werden, unter Einsatz von Primerkombinationen basierend auf Arbeiten von Lindenbergh (Lindenbergh et al., 2012; Lindenbergh et al., 2013). Die gelelektrophoretische Darstellung der cDNAs erfolgt, basierend auf der Fluoreszenzdetektion, mittels der Kapillarelektrophorese.

DNA-Extraktion auch aus schwierigen Ausgangsmaterialien (Knochen, Zähne, telogene Haare)

Wir verfügen über eigene, getrennte Arbeitsbereiche und verschiedene Methoden, um auch aus stark gealterten, exhumierten, aus Gewässern geborgenen und anderweitig umweltexponierten Knochen und Zähnen DNA-Profile zu erzeugen.

Auch telogene Haare (Haare ohne bzw. mit zurückgebildeter Wurzel) können hier in einem kontaminationsgeschützten Bereich bearbeitet werden.

Erstellung eines genetischen Profils („DNA-Profil“) aus biologischen, kernhaltigen Spuren

Aus allen kernhaltigen Körperzellen kann ein STR-DNA-Profil gewonnen werden. D.h. das genetische Material wird extrahiert und bestimmte individuelle und polymorphe DNA-Bereiche (STRs) werden in einem Polymerasekettenreaktions-Verfahren (PCR) vervielfältigt. Mittels eines automatischen Detektionsgerätes (Kapillarelektrophorese) können die markierten DNA-Stücke als sogenannte "Peaks" sichtbar gemacht und typisiert werden.

Die Erstellung eines DNA-Profils ist u.a. möglich aus Hautzellen (Kontaktspuren), Blut, Sperma, und Schleimhautabstrichen (Speichelproben), Knochenfunden (z.B. für anthropologische aber auch forensische Untersuchungen), aus Biopsiematerial (z.B. Paraffin-eingebettete histologische Schnitte, wie sie im Krankenhaus bei pathologischen Untersuchungen anfallen), aus Haaren mit Haarwurzel oder natürlich entsprechend auch aus Sekretflecken diversen Ursprungs auf Stoffen.

Ein DNA-Profil gibt eindeutige Auskunft über das biologische Geschlecht des Spurenverursachers. Gleichzeitig kann berechnet werden, mit welcher Häufigkeit das Typisierungsmuster in der Bevölkerung vorkommt und mit welcher Wahrscheinlichkeit z.B. eine Spur einer bestimmten Person zuzuordnen ist, wenn das Muster von Spur und Person übereinstimmt.

Unterscheiden sich die ermittelten Muster, ist die untersuchte Person dagegen eindeutig als Spurenleger auszuschließen.

Forensische DNA-Phänotypisierung (FDP) zur Ableitung der Augen-, Haar- und Hautfarbe

Die forensische DNA-Phänotypisierung (FDP) ist eine Methode zur wahrscheinlichkeitsgestützten Vorhersage von äußerlich sichtbaren Merkmalen ("Phänotyp") anhand der DNA. Seit der Aktualisierung (Dezember 2019) der Strafprozessordnung § 81e Absatz 2 StPO ist nun auch in Deutschland die Durchführung solcher erweiterter DNA-Analysen gesetzlich erlaubt. Das Ziel besteht darin, die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zu unterstützen, um so unbekannte mutmaßliche Spurenverursacher zu identifizieren oder z.B. die Identität von unbekannten Toten aufzuklären. Von allen äußerlich sichtbaren Merkmalen sind derzeit die Augen-, Haar und Hautfarbe einer Person mit hohen Wahrscheinlichkeitswerten vorhersagbar. In unserem Labor haben wir das publizierte HIrisplex-S System zur Bestimmung dieser drei phänotypischen Merkmale etabliert und validiert. Mittels zwei Multiplex-PCRs- werden sequenziergestützt exakt 41 einzelne Positionen (SNP - Single Nucleotide Polymorphisms) im autosomalen humanen Genom untersucht. Anhand der Ausprägung dieser Positionen können unter zu Hilfenahme von drei etablierten und validierten statistischen Vorhersagemodellen individuelle Wahrscheinlichkeitswerte einer untersuchten Person für drei Augen-, vier Haar- und fünf Hautfarben-Kategorien berechnet werden. Die Auswertung und Interpretation wird auf der öffentlich zugänglichen Website des Erasmus MC University Medical Centre Rotterdam durchgeführt. Die Daten sind dabei aber weder öffentlich für Dritte sichtbar noch erfolgt eine Fremdspeicherung an dieser Stelle.