Ein interdisziplinäres Forschungsteam nutzt die neuartige PROTAC-Technologie, um Wirkstoffe gegen die akute lymphoblastische Leukämie zu entwickeln. Das Vorhaben wird von der Deutschen Krebshilfe gefördert.
Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist eine aggressive Krebserkrankung des blutbildenden Systems, die sowohl Kinder als auch Erwachsene betrifft. Zwar haben intensive Chemotherapien und Immuntherapien die Heilungschancen deutlich verbessert, dennoch sprechen einige Patientinnen und Patienten nicht ausreichend auf die Behandlung an oder erleiden einen Rückfall. Gerade in diesen Fällen sind die therapeutischen Optionen begrenzt und oft mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Das nun von der Deutschen Krebshilfe geförderte Projekt setzt bei der Suche nach neuen Arzneistoffen auf einen innovativen Ansatz: die PROTAC-Technologie („Proteolysis Targeting Chimeras“). PROTACS nutzen die natürlichen Abbauprozesse der Zelle, um gezielt Proteine zu markieren und zu zerstören, die das Wachstum von Krebszellen fördern.
Perspektiven für individuellere und besser verträgliche Therapien
„Im Unterschied zu klassischen Medikamenten, die Proteine lediglich hemmen, werden diese vollständig aus der Zelle entfernt“, erklärt Professor Elmar Wolf, Direktor am Biochemischen Institut der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). „Der gezielte Abbau krankheitsrelevanter Proteine eröffnet neue Möglichkeiten, Leukämiezellen präziser und möglicherweise mit weniger Nebenwirkungen zu bekämpfen“, sagt Professorin Claudia Baldus, Direktorin der Klinik für Innere Medizin II mit den Schwerpunkten Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Sie leitet zusammen mit dem Biochemiker Elmar Wolf das neue Projekt. Assistenzärztin Lea Spory wird die Projektarbeiten als Clinician Scientist der Detlef Zillikens Clinician Scientist Academy federführend umsetzen.
Suche nach neuen Angriffspunkten in Leukämiezellen
Im Projekt sollen zunächst Schwachstellen in Leukämiezellen identifiziert werden, die für bestehende oder neu entwickelte PROTAC‑Moleküle besonders empfindlich sind. Parallel werden bislang wenig beachtete Zielproteine und Enzyme aus Datenanalysen ausgewählt, die sich für einen gezielten Proteinabbau eignen. Ausgewählte Zielstrukturen werden in zellbasierten Modellen getestet, um ihre therapeutische Relevanz zu bestätigen und die Grundlage für neue PROTAC-Moleküle zu schaffen.
Die Deutsche Krebshilfe fördert das Vorhaben über einen Zeitraum von drei Jahren. Das Projekt ist in die klinische Forschungsgruppe CATCH ALL (KFO 5010), die neue Heilungsstrategien für Kinder und Erwachsene mit ALL entwickelt, und in das Universitäre Cancer Center Schleswig-Holstein (UCCSH) fest eingebunden.
Die Entwicklung von PROTACs ist ein wichtiger Forschungsschwerpunkt in Kiel. So sollen im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) Moleküle entwickelt werden, die neue therapeutische Optionen bei chronischen Entzündungen bieten. Darüber hinaus ist das Biochemische Institut der CAU an dem von der Krebshilfe geförderten deutschlandweiten Verbund TACTIC beteiligt, in dem PROTACs für krebsauslösende Proteine entwickelt werden.
Über CATCH ALL
Die Klinische Forschungsgruppe „CATCH ALL – Heilungsperspektive für alle Altersgruppen bei Akuter Lymphoblastischer Leukämie (ALL)“ wird seit Januar 2022 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. In enger Zusammenarbeit zwischen Forschungs- und Klinikteams unter dem Dach des Universitäten Cancer Centers Schleswig-Holstein wird daran gearbeitet, vielversprechende Therapieansätze in die klinische Praxis umzusetzen, um eine Verbesserung der Heilungschancen altersübergreifend für alle Patientinnen und Patienten zu erreichen.
Klinische Forschungsgruppe „CATCH ALL“: www.catchall-kfo5010.com
UCCSH | Universitäres Cancer Center Schleswig-Holstein: www.uksh.de/uccsh
Weitere Informationen zu PROTACS
Neue Wirkstoffe für die Krebstherapie: www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/030-krebsforschung
Angriffspunkt für die Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs entdeckt: www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/102-pankreaca
Link zur Originalmeldung und zu Pressebildern:Studie entwickelt innovative Therapieansätze gegen Leukämie
Pressetext: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Eva Sittig, Text: Kerstin Nees
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104
Pressekontakt
Prof. Dr. Claudia Baldus
Klinik für Innere Medizin II mit den Schwerpunkten Hämatologie und Onkologie,
Medizinische Fakultät, CAU
UKSH, Campus Kiel
Tel.: 0431/500-22501
claudia.baldus@uksh.de
Biochemisches Institut
Medizinische Fakultät, CAU
Tel.: 0431/880-3336
elmar.wolf@biochem.uni-kiel.de
Verantwortlich für diese Presseinformation
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Maximilian Hermsen
Komm. Pressesprecher
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