Mit der Zertifizierung setzt das Kieler Exzellenzzentrum für Entzündungsmedizin von UKSH und PMI neue Qualitätsstandards für die Behandlung chronischer Entzündungserkrankungen.
Wenn Entzündungen chronisch werden, betreffen sie selten nur ein Organ. Gelenke schmerzen bei Darmerkrankungen, Hautveränderungen begleiten Lungenerkrankungen, das Immunsystem reagiert im ganzen Körper. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das oft viele Wege zwischen verschiedenen Facharztpraxen. In Kiel soll genau das vermieden werden.
Das Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin (Englisch: Comprehensive Center for Inflammation Medicine, CCIM) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ist Teil des Exzellenzclusters Precision Medicine in Chronic Inflammation (PMI) und verbindet Spitzenforschung mit innovativer Patientenversorgung. Mit der Zertifizierung als erstes „Interdisziplinäres Entzündungszentrum“ in Deutschland durch die Zertifizierungsstelle OnkoZert setzt das CCIM nun auch bundesweit Maßstäbe. Die unabhängige Institution prüft dabei unter anderem, wie eng die Fachdisziplinen zusammenarbeiten, ob Behandlungen nach abgestimmten Standards erfolgen und wie die Qualität der Versorgung gesichert wird. Nur wenn diese Anforderungen erfüllt sind, wird die Zertifizierung vergeben.
Entzündung betrifft den ganzen Körper
Chronisch-entzündliche Erkrankungen betreffen Millionen Menschen in Deutschland und gehen oft mit langwierigen, komplexen Behandlungsverläufen einher. Sie entstehen, wenn das Immunsystem auf Infektionen, Verletzungen oder fehlgeleitete Abwehrreaktionen reagiert. Weil es als vernetztes System im gesamten Körper wirkt, betreffen entzündliche Prozesse häufig mehrere Organsysteme zugleich. Dieses Verständnis systemischer Entzündungen bildet die Grundlage der Arbeit am CCIM.
Interdisziplinäre Forschung und Krankenversorgung unter einem Dach
Das CCIM ist eine innovative Therapie- und Forschungseinrichtung mit Standorten am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, die 2009 in Kiel und 2013 in Lübeck eröffnet wurde. „Mit dem CCIM bündeln wir interdisziplinäre Expertise über Standorte hinweg und schaffen Voraussetzungen, um Spitzenforschung schneller zu den Patientinnen und Patienten zu bringen“, betont Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jens Scholz, CEO des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Bereits in der ersten Förderphase des Kieler Exzellenzclusters zur Entzündungsforschung wurde der Aufbau integrierter Versorgungsstrukturen als zentrales Ziel definiert. Mit seiner Gründung im Jahr 2009 schuf das Zentrum die Grundlage dafür, klinische Kohorten systematisch aufzubauen und neue diagnostische sowie therapeutische Verfahren im Versorgungsalltag zu prüfen. Diese enge Verzahnung von Forschung und Versorgung ist ein Kernprinzip des Exzellenzclusters PMI.
Am CCIM arbeiten Gastroenterologie, Pneumologie, Rheumatologie und Dermatologie eng zusammen. Täglich finden mehr als zehn parallele Spezialsprechstunden statt, die Patientinnen und Patienten eine koordinierte Betreuung über Fachgrenzen hinweg ermöglichen. In wöchentlichen interdisziplinären Konferenzen besprechen Expertinnen und Experten komplexe Krankheitsverläufe und entwickeln individuelle Behandlungsstrategien. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse fließen dabei unmittelbar in Diagnostik und Therapie ein.
Wissenschaftliche Koordination und Systemmedizin
Die wissenschaftliche Koordination des Zentrums liegt bei Prof. Dr. Konrad Aden, Professor für Gastroenterologie und Metabolomik sowie Oberarzt der Klinik für Innere Medizin I. „Viele unserer Patientinnen und Patienten leiden an Erkrankungen, die mehrere Organsysteme betreffen“, sagt Aden. „Unser Ziel ist es, ihnen eine koordinierte Versorgung aus einer Hand zu bieten und gleichzeitig innovative Therapien schneller verfügbar zu machen.“
Für die Betroffenen bedeutet dies kürzere Wege, abgestimmte Diagnostik und Therapien sowie eine eng koordinierte Betreuung über Fachgrenzen hinweg.
„Das CCIM steht exemplarisch für die Verbindung von Spitzenforschung und Patientenversorgung in der Präzisionsmedizin“, sagt Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I und Sprecher des Exzellenzclusters Precision Medicine in Chronic Inflammation (PMI). „Die Zertifizierung macht unsere Strukturen nicht nur extern überprüfbar, sondern bestätigt auch, dass sie hohen Qualitätsstandards entsprechen.“
Neue Therapien schneller bei den Betroffenen
Mehr als 30.000 Patientinnen und Patienten werden jährlich im CCIM betreut. Durch die Teilnahme an interdisziplinären Studien erhalten viele von ihnen frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsansätzen. Als klinische Basis des Clusters PMI trägt das CCIM dazu bei, Patientenkohorten für die Forschung aufzubauen und neue diagnostische sowie therapeutische Verfahren im Versorgungsalltag zu prüfen.
Kiel und Lübeck entwickeln das CCIM Schleswig-Holstein nun gemeinsam zu einer standortübergreifenden Struktur der Entzündungsmedizin weiter. Nach der erfolgreichen Zertifizierung in Kiel steht auch der Campus Lübeck kurz vor der Anerkennung. Perspektivisch soll das Modell auf weitere Zentren bundesweit übertragen werden, um die Versorgung von Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen flächendeckend zu verbessern.
Text: Dr. Susanne Landis, Referentin für Presse & Wissenschaftskommunikation, Tel: (0431) 880 4682, E-Mail: slandis@uv.uni-kiel.de,
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Tel.: +49 (0) 431 500 22455, Konrad.Aden@uksh.de
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Das Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin (Englisch: Comprehensive Center for Inflammation Medicine, CCIM) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH).
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